Schalker Krise: "Eine Katastrophe"

Niederlage! Gegen Abstiegskandidat Fürth! Mit der siebten Saisonpleite hat sich die Schalker Krise verschärft. Das Team wirkt uninspiriert, Trainer Jens Keller steht unter Druck. Manager Horst Heldt ahnt bereits, dass es "jetzt insgesamt ungemütlich" werden kann. Auch für ihn selbst.

Schalke-Coach Keller: "Wir sind riesig enttäuscht" Zur Großansicht
DPA

Schalke-Coach Keller: "Wir sind riesig enttäuscht"

Hamburg - Als Mike Büskens um 17:21 Uhr zum Sprint ansetzte und sich auf seine jubelnden Spieler warf, hatte Jens Kellers Blick ein paar Meter weiter eine bemitleidenswerte Mischung angenommen, irgendwo zwischen ungläubig, flehentlich und enttäuscht. Keller ist Trainer von Schalke 04, dem Champions-League-Achtelfinalisten. Mike Büskens ist Trainer von Greuther Fürth, dem Aufsteiger. Jenem Club, der seit 17 Bundesligaspielen nicht mehr gewonnen hatte. Hatte.

Das 2:1 (0:0) bei seinem alten Arbeitgeber fand Büskens einfach "geil". Das ungleiche Duell zwischen Europacup-Aspirant und Abstiegskandidat hatte durch seine Vergangenheit noch an Brisanz gewonnen. Würde Büskens, der 17 Jahre als Spieler und Trainer auf Schalke gearbeitet hatte, ausgerechnet nach einer Pleite gegen Schalke entlassen? Der nächste Trainerrauswurf schien nahe, doch statt der herbeigeschriebenen Dramatik in Fürth hat sich die Lage nun in Gelsenkirchen verschärft.

"Wir sind riesig enttäuscht", sagte Keller nach einem Spiel, das die 60.000 Zuschauer mit ihrem Pfeifkonzert vergleichsweise milde quittierten. Einfallslos und statisch wirkte die durch die Wintertransfers von Raffael und Michel Bastos veränderte Schalker Elf. Ein Fortschritt zu Vorgänger Huub Stevens, der im vergangenen Winter gehen musste, war nicht zu erkennen.

Heldt: "Keller leistet gute Arbeit"

Eine Woche nach dem enttäuschenden 0:0 gegen den Vorletzten FC Augsburg schaffte es Schalke auch gegen den Tabellenletzten nicht, ein ansehnliches Offensivspiel aufzuziehen. Es war Zugang Bastos, der mit einem Schuss aus 29 Metern in den Winkel (47.) zur Führung traf, eine Einzelleistung. Doch selbst gegen den harmlosesten Angriff der Liga kollabierte die Schalker Abwehr. Felix Klaus (52.) und Nikola Djurdjic (90.+2) sicherten Fürth den ersten Sieg seit dem 31. August 2012 (1:0 in Mainz).

"Nach so einer Niederlage brauchen wir nicht von der Champions League zu sprechen", sagte Keller. Wird künftig auch niemand. Stattdessen wird Keller in den Fokus rücken. Sportvorstand Horst Heldt, der den 41-Jährigen kurz vor Weihnachten als Stevens-Nachfolger präsentiert hatte, nannte das Ergebnis "eine Katastrophe" und "beschämend".

Heldt weiß, dass es "jetzt insgesamt ungemütlich" werde. Auch für ihn selbst. Die Beförderung des U17-Trainers Keller war seine Idee. "Es ist klar, dass jetzt die Diskussionen kommen, und es wird auch noch heftiger werden", sagte Heldt: "Ich werde mich nicht aus der Verantwortung rausziehen." Eines stehe für ihn aber fest: "Ich werde jetzt nicht gegen meine Überzeugung handeln und mich selbst belügen." Keller leiste gute Arbeit. "Auch wenn das nackte Ergebnis etwas anderes aussagt."

Schalkes nächster Gegner: Bayern München

Vielleicht ist es aber auch schon etwas mehr als nur das. Die Fans jedenfalls wurden irgendwann doch noch richtig deutlich. Als Keller in der 67. Minute Jungstar Julian Draxler auswechselte, pfiffen sie ohrenbetäubend. "Das ist ein gebrauchter Tag", sagte Keller, der nach seinem missglückten Intermezzo als Cheftrainer in Stuttgart (neun Spiele, vier Niederlagen) seine womöglich letzte Chance als Bundesligacoach nutzen will.

Sein Kollege vom Samstag kennt Zweifler nun auch aus dem beschaulichen Fürth. Büskens, der seit dem Uefa-Cup-Sieg 1997 auf Schalke Kultstatus genießt, hatte nach dem Spiel aber Gelegenheit, sich über die Fürther Trainerdiskussion zu ärgern. "Im allerersten Moment wusste ich gar nicht, ob ich mich ärgern oder freuen sollte. Nachdem was medial berichtet wurde, hatte ich mich schon nach einem Reiseziel für die kommende Woche umgeschaut", sagte der 44-Jährige süffisant, "jetzt kann ich die Reise um eine Woche verschieben."

Sein Kollege Jens Keller muss am kommenden Samstag auf Reisen gehen, er hat gar keine andere Wahl. Es steht das nächste Pflichtspiel auf dem Programm. Der Gegner für die Königsblauen? Tabellenführer und Rekordmeister Bayern München.

Schalke 04 - SpVgg Greuther Fürth 1:2 (0:0)
1:0 Bastos (47.)
1:1 Klaus (52.)
1:2 Djurdjic (90.+2)
Schalke: Hildebrand - Uchida, Höwedes, Matip, Christian Fuchs - Jones (82. Pukki), Neustädter - Farfan, Draxler (67. Raffael), Bastos - Huntelaar
Fürth: Hesl - Matthias Zimmermann, Sobiech, Mavraj, Baba - Varga, Pekovic (69. Nehrig) - Klaus (72. Sararer), Stieber - Asamoah (84. Azemi), Djurdjic
Schiedsrichter: Bastian Dankert
Zuschauer: 60.693
Gelbe Karten: Christian Fuchs (5) - Sobiech, Varga, Pekovic (4), Djurdjic

chp/sid

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fußball-News
RSS
alles zum Thema Fußball-Bundesliga
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback

Themenseiten Fußball
Tabellen