Bayerns Niederlage gegen Gladbach Fatale Kopflosigkeit

Der Zusammenbruch kam nach dem Gegentreffer: Gegen Borussia Mönchengladbach kassierte Bayern München in 14 Minuten drei Tore. Das Phänomen ist nicht neu. Auch ein Rekordmeister muss lernen, mit Rückschlägen umzugehen.

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Von , Mönchengladbach


Josep Guardiola ist eigentlich ein Mann, neben dem andere Bundesligatrainer ein wenig verblassen. Das liegt vor allem an der bemerkenswerten Souveränität, die der Spanier ausstrahlt. Nach dem 1:3 bei Borussia Mönchengladbach wirkte der Trainer des FC Bayern München allerdings kleiner als sonst. Neben ihm saß der vor Stolz leuchtende André Schubert und genoss den Erfolg, während Guardiolas Blick rastlos über den Boden des Presseraumes irrte.

Die erste Halbzeit sei in Ordnung gewesen, doch nach der Pause habe er schnell gemerkt, dass dieser Nachmittag "ein bisschen kompliziert" werden wird, sagte Guardiola. Und als Oscar Wendt zum 1:0 für die Borussia getroffen hatte, sei endgültig "die Stabilität verloren" gegangen.

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Die Minuten der Demontage, die nun folgten, waren noch erstaunlicher als die bloße Tatsache, dass die Bayern zum ersten Mal unter Guardiola ein Hinrundenspiel verloren haben. "Wir dürfen ein Tor kassieren, aber wir dürfen dann nicht die Fassung verlieren", sagte Torhüter Manuel Neuer. Und in der Tat ist die seltsame Frustration, die plötzlich zu sehen war und zu weiteren Fehlern führte, nur schwer verständlich.

Jenseits der emotionalen Intensität, die der FC Bayern entwickeln kann, ist das Spiel dieser Mannschaft ja äußerst durchdacht. Wie kaum ein anderes Ensemble auf der Welt können die Münchner auf Überraschendes reagieren, Anweisungen von außen umsetzen, die eigene Herangehensweise anpassen. "Wenn man ein Gegentor kassiert, muss man ruhig bleiben, Persönlichkeit zeigen, das müssen wir für die Zukunft lernen", sagte Sportdirektor Matthias Sammer.

Eine der wenigen grundlegenden Schwächen

Wobei es bereits andere Gelegenheiten gab, diese Fähigkeit zu entwickeln. Das Phänomen eines Zusammenbruchs nach einem Gegentor begleitet die Bayern schon länger, möglicherweise handelt es sich sogar um eine der wenigen grundlegenden Schwächen dieser Mannschaft, die viele Experten für die beste der Welt halten. Die Bayern verlieren ja nur selten, wenn aber doch, dann oft, weil das Team falsch auf Rückstände reagiert.

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In den beiden Champions-League-Halbfinals gegen Real Madrid (2014) und den FC Barcelona (2015) fielen jeweils drei Tore innerhalb einer Viertelstunde, Gladbach traf nun dreimal in 14 Minuten. Und vom frühen 0:1 beim VfL Wolfsburg zum Rückrundenauftakt der Vorsaison erholte sich die Mannschaft von Pep Guardiola auch nicht mehr und verlor am Ende mit 1:4. In Mönchengladbach musste Guardiola nun konstatieren, dass "die Basis, die Kontrolle verloren" gegangen sei, dabei gibt es überhaupt keinen Grund für diese fatale Kopflosigkeit nach dem Rückstand. Schließlich droht in der Tabelle trotz des Sieges von Borussia Dortmund in Wolfsburg keine echte Gefahr.

Den Umgang mit Rückschlägen lernen

Möglicherweise zeigt sich hier eher eine Schattenseite des imposanten Erfolgshungers, der die Bayern selbst im Bundesligaalltag permanent zu Höchstleistungen antreibt. Wie bei einem überehrgeizigen Wunderkind, das nach Fehlern in Aktionismus verfällt und erst noch die Souveränität im Umgang mit schmerzlichen Rückschlägen lernen muss. "Wir sind es einfach nicht gewohnt, in Rückstand zu geraten", sagte Kapitän Philipp Lahm, und das hörte sich so an, als fehlte den Bayern auf ihrem Weg zur Perfektion eine stärkere Konkurrenz in der Bundesliga. Gegner, die den Serienmeister öfter mal auf diese Art und Weise herausfordern.

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In dieser Saison könnte die Konkurrenz aber wirklich gefährlicher sein als in den vergangenen Jahren. Bis zu dieser Partie in Mönchengladbach hatten die Bayern noch kein wirklich schweres Auswärtsspiel. Wolfsburg, Leverkusen und Dortmund waren ebenso in München zu Gast wie das Überraschungsteam Hertha BSC Berlin. Und auf Schalke wirkten die Bayern verwundbar, trafen aber auf einen Gegner, der viel zu sehr mit sich und seinen eigenen Problemen beschäftigt war. Gleich die erste Partie bei einem echten Spitzenteam haben sie jetzt verloren.

Insofern birgt die Rückrunde viel Potenzial für Münchner Punktverluste, aber es kann ja auch nicht zur Selbstverständlichkeit werden, dass ein Team in der Bundesliga in jeder Saison fast 80 Punkte einspielt, was in den Jahrzehnten zuvor kaum einmal einer Mannschaft gelang. "Diese Niederlage zeigt, dass die Mannschaft von diesem Planeten ist, dass sie menschlich ist", sagte Sportdirektor Sammer irgendwann. Er klang nicht besonders erfreut über diese Erkenntnis.

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insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
hatschon 06.12.2015
1. Dieser Trainer hat keine Ahnung
Der wird mit dem 1.FC Bayern niemals CL Sieger werden , da halte ich jede Wette egal wie hoch , spätestens wenn richtige Mannschaften kommen ist Ende .
spon_2937981 06.12.2015
2.
Ich habe ja eher ein zwiespältiges Verhältnis zu Guardiola. Einerseits haben die Bayern ihm dieses zumeinst sehr dominante und sichere Spiel zu verdanken. Jeder einzelne Bayern-Spieler hat sich unter ihm noch immens weiterentwickelt. Und wenn besondere Kniffe gefragt sind, ist er vielleicht der gewiefteste Trainer des Universums. Wenn aber das kleine Fußball-Einmaleins gefordert ist, da versagt er meines Erachtens häufig monströs. Dieses 'Es fehlen in der BuLi die ersthaften Gegner' halte ich für Blabla. Die Jungs spielen alle schon sehr lange Fußball und wissen, was Niederlagen und Rückstände sind. Dazu braucht es nicht in 2015 bessere Gegner.
Karbonator 06.12.2015
3.
Zitat von spon_2937981Ich habe ja eher ein zwiespältiges Verhältnis zu Guardiola. Einerseits haben die Bayern ihm dieses zumeinst sehr dominante und sichere Spiel zu verdanken. Jeder einzelne Bayern-Spieler hat sich unter ihm noch immens weiterentwickelt. Und wenn besondere Kniffe gefragt sind, ist er vielleicht der gewiefteste Trainer des Universums. Wenn aber das kleine Fußball-Einmaleins gefordert ist, da versagt er meines Erachtens häufig monströs. Dieses 'Es fehlen in der BuLi die ersthaften Gegner' halte ich für Blabla. Die Jungs spielen alle schon sehr lange Fußball und wissen, was Niederlagen und Rückstände sind. Dazu braucht es nicht in 2015 bessere Gegner.
Definieren Sie bitte einmal "häufig" und einmal "monströs" für mich. Im Grunde genommen haben die Bayern unter Guardiola nur drei entscheidende Niederlagen kassiert: Halbfinale CL gegen Real: Hinspiel eindeutig vergeigt aufgrund von falscher Taktik (und weil Pep auf seine Spieler gehört hat, statt seine Vorstellung umzusetzen) Halbfinale CL gegen Barca: Barca war einfach besser (im Hinspiel zumindest) und hat die Chancen genutzt. Allerdings fehlten den Bayern entscheidende Spieler und da kann man gegen die damals beste Mannschaft der Welt (die dann die CL gewonnen hat) in nahezu Bestbesetzung nicht einfach so bestehen. Halbfinale Pokal gegen Dortmund: Eine Farce, aber nicht die Schuld des Trainers.
Rotauge 06.12.2015
4. bravo
Zitat von spon_2937981Ich habe ja eher ein zwiespältiges Verhältnis zu Guardiola. Einerseits haben die Bayern ihm dieses zumeinst sehr dominante und sichere Spiel zu verdanken. Jeder einzelne Bayern-Spieler hat sich unter ihm noch immens weiterentwickelt. Und wenn besondere Kniffe gefragt sind, ist er vielleicht der gewiefteste Trainer des Universums. Wenn aber das kleine Fußball-Einmaleins gefordert ist, da versagt er meines Erachtens häufig monströs. Dieses 'Es fehlen in der BuLi die ersthaften Gegner' halte ich für Blabla. Die Jungs spielen alle schon sehr lange Fußball und wissen, was Niederlagen und Rückstände sind. Dazu braucht es nicht in 2015 bessere Gegner.
solch ein Dreierpack ist mal eine Erfrischung für den FC Hollywood Bayern,die immer noch glauben mir san mir und alle anderen sind Käse.Gelle FCB Einbildung ist auch eine Bildung und Schwarzgeld bleibt Schwarzgeld.
malaconciencia 06.12.2015
5. @hatschon
gebe Ihnen recht. Guardiola wird mit dem 1. FC Bayern München niemals CL Sieger. Hat aber bislang auch noch keiner geschafft und wird auch nie jemand schaffen.
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