Nigerias Duell mit Argentinien Das Team, das Messis WM-Karriere beenden will

Die Spieler sind nicht so gut wie der Gegner, dem Team fehlt es an Erfahrung. Trotzdem könnte Nigeria am Abend Argentinien aus der WM werfen. Der Schlüssel: eine simple, aber effektive Strategie.

Nigerias Oghenekaro Etebo und Ahmed Musa
AP

Nigerias Oghenekaro Etebo und Ahmed Musa

Von , aus St. Petersburg


Natürlich ging es wieder um Lionel Messi. Nigerias Pressekonferenz am Montag, Trainer Gernot Rohr und Abwehrspieler Brian Idowu sitzen auf dem Podium, zwei zurückhaltende Männer, die leise sprechen und ausführlich. Sie beantworten Fragen zur Aufstellung, zu vergangenen Duellen mit Argentinien, dann geht es um ihn. Ob Herr Idowu sich bewusst sei, dass er und seine Mannschaft die WM-Karriere des Lionel Messi beenden könnten? Das sei das Ziel, antwortet Idowu.

Am Abend treffen Nigeria und Argentinien aufeinander, es ist ein Endspiel ums Weiterkommen (20 Uhr; TV: ARD; Liveticker SPIEGEL ONLINE). Gewinnt Nigeria, steht das Team sicher im Achtelfinale, selbst ein Unentschieden könnte reichen. Argentinien wäre dann raus. Ob Messi, der am Sonntag 31 wurde, in vier Jahren in Katar noch mal antritt, ist ungewiss.

Nigerias WM-Bilanz gegen Argentinien ist finster: Bei vier der fünf WM-Teilnahmen vor dem Turnier in Russland trafen die Super Eagles auf die Albiceleste, immer haben sie verloren. Dass Nigeria aber weiß, wie man Argentinien schlagen kann, zeigte das Team im vergangenen November bei einem Testspiel. 4:2 gewann die Mannschaft von Trainer Rohr, doch der Sieg war mit einem großen Aber versehen: Gewonnen, ja, aber bei Argentinien fehlte Messi.

Nigeria tut weh

Diesmal ist Messi dabei - und trotzdem stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass der Außenseiter den Favoriten aus dem Turnier wirft. Nigeria ist ein unangenehmer Gegner, der in der Defensive sehr eng am Mann verteidigt. Das bedeutet: viele Zweikämpfe, die oft hart geführt werden. Das kann wehtun.

Weil Nigerias Mittelfeldspieler sich aber so konsequent an ihren Gegenspielern orientieren und diese auch über einige Meter hinweg begleiten, können sich im Zentrum Räume auftun. Die angreifende Mannschaft kann das gezielt ausnutzen: Mitte freiräumen, indem Nigerianer herausgelockt werden, dann gezielt die Lücken bespielen. Klingt zwar leicht, erfordert aber ein kluges Zusammenspiel mehrerer Profis. Es ist kein Zufall, dass Kroatiens Toren beim 2:0-Sieg über Nigeria zwei Eckbälle vorausgingen und Island beim 0:2 gar nicht traf.

Mannschaften wie Brasilien, Spanien und Deutschland würden Nigerias Mittelfeld vermutlich recht souverän durchqueren. Aber Argentinien? Beim Team von Trainer Jorge Sampaoli war gerade dieses planvolle Zusammenspiel gegen Kroatien ein Problem; die vielen technisch starken Offensivakteure wurden nicht mit Pässen versorgt. Argentiniens Verteidiger wussten nicht, was die Kollegen im Mittelfeld als nächstes tun, und die wiederum nicht, wie sich die Stürmer bewegen. Hier muss sich die Mannschaft deutlich verbessern, um den benötigten Sieg zu schaffen.

Bei eigenem Ballbesitz wird Nigeria eigentlich nur dann gefährlich, wenn es den Gegner unsortiert erwischt. Gegen eine geordnete Defensive erspielt sich die Mannschaft kaum klare Torchancen, beide Treffer bei dieser WM fielen nach Konterangriffen, als das Tempo von Ahmed Musa und Victor Moses klug eingesetzt worden war.

Es könnte aus nigerianischer Sicht schlechtere Voraussetzungen für das Duell mit Argentinien geben. Die Albiceleste muss gewinnen, sie wird daher das Spiel machen, Nigeria dürfte auf Konter lauern. Und die könnten gegen die alles andere als schnellen argentinischen Verteidiger vielversprechend laufen.

Als Argentinien gegen Kroatien (0:3) in einer Art 3-4-2-1-Formation spielte, wurde es häufig auf den Flügeln erwischt, als sich hinter den aufgerückten Außenbahnspielern Räume ergaben. Diese Zonen dürfte auch Nigeria anvisieren. Die Herausforderung wird sein, nach Balleroberungen durch das argentinische Gegenpressing hindurch Pässe dort hin zu spielen. Und die langen Wege aus der eigenen Hälfte bis zum gegnerischen Strafraum zu gehen, immer wieder aufs Neue. Das kostet Kraft, aber geht es nach den Startaufstellungen, ist Nigeria bei dieser WM im Schnitt das jüngste Team (25,3 Jahre), Argentinien hinter Island das zweitälteste (30,3).

"Es könnte ein spektakuläres Spiel werden", sagt Trainer Rohr bei der Pressekonferenz. Ob er nicht befürchte, die Aussage seines Spielers Idowu über das anvisierte WM-Ende Messis könne für zusätzliche Motivation bei den Argentiniern sorgen? Es gehe nicht um Messi, antwortet Rohr, er selbst verehre den Argentinier, das tue jeder seiner Spieler. "Aber", fährt er mit leiser Stimme fort, "der Fußball kennt keine Gnade."



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Franke aus Hamburg 26.06.2018
1. Eine schwierige...
... Vorhersage. Ich denke aber, dass die Gouchos wohl nach Hause fahren. Nur ein Pünktchen aus zwei Spielen. Vermutlich hat Argentinien ähnliche Fehler wie das deutsche Team gemacht. Sie haben zu lange an alten Helden festgehalten, als nach jeder WM einen Neuaufbau zu versuchen. Es ist bei unserem Team ähnlich. Wir spielen auch nur mit neun oder zehn Mann, denn beispielsweise Müller, Khedira und oder Özil sind einfach nicht zu sehen. Schade für Argentinien, aber ein Ausscheiden wäre wohl verdient.
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