DFB-Verteidiger Süle 195 Zentimeter Selbstvertrauen

Niklas Süle hat berechtige Aussichten, gegen England in der DFB-Startelf zu stehen. Das 22-jährige Abwehrtalent von Bayern München hat einen erstaunlich geradlinigen Karriereweg hinter sich.

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Aus London berichtet


Mit 58 Länderspielen gehört man schon zu den Erfahrenen beim DFB. Niklas Süle ist so gesehen längst ein Routinier.

Der Innenverteidiger ist 22 Jahre jung, bei Joachim Löw trainiert und spielt erst seit ein paar Monaten, aber das weiße Nationaltrikot har er schon in mehreren Größen. Der Bayernspieler hat seit 2010 alle Jugendmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes durchlaufen, von der U15 bis zur U21, die Olympia-Auswahl in Rio hat er auch auch noch mitgenommen, und so kommt der langjährige Hoffenheimer eben auf die stattliche Zahl von 58 Einsätzen.

Ganz oben, im A-Team, ist er erst beim Confed Cup in diesem Sommer angekommen, aber auch hier hat der Schnell-Lerner nicht viel Zeit verloren. Siebenmal hat er erst bei Löw gespielt, und viele Zweifel, dass er zu den 23 Kandidaten für die Weltmeisterschaft in Russland gehören wird, hat er seitdem nicht zugelassen. Er sagt, er denke noch nicht an die WM, aber so etwas muss er ja auch sagen.

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Niklas Süle: Löws Abwehrkraft

Vom Ergänzungsspieler spricht keiner mehr

Süle ist seit dem Sommer Bayern-Profi. Einen Ergänzungsspieler habe man da geholt, hieß es landläufig. Schließlich wird die Bayern-Innenverteidigung von Mats Hummels und Jérôme Boateng gebildet. Und an deren Status zu rütteln, käme fast dem Tatbestand der Gotteslästerung gleich. So dachte man.

Vier Monate später ist Süle nicht immer, aber regelmäßig Teil der Bayern-Stammelf - auch weil Boateng immer wieder mit gesundheitlichen Malaisen zu kämpfen hat. Am vergangenen Wochenende in Dortmund durfte Süle auch im Topspiel von Anfang an ran - und grätschte schon nach wenigen Minuten einen Schussversuch von Pierre-Emerick Aubameyang so artistisch ab, dass die Bayern-Fans ihn spätestens da ins Herz geschlossen hatten.

Auch in Wembley am Freitagabend (21 Uhr ARD, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird Boateng leicht angeschlagen fehlen und es spricht viel dafür, dass Süle an seiner Stelle neben seinem Teamkollegen Hummels in der Abwehrzentrale stehen wird. Sein erstes Wembley-Spiel - als Hoffenheimer hatte er keine Gelegenheit für so große internationale Stadien. "Für einen jungen Spieler wie mich etwas ganz Besonderes", sagt er. Fast 90.000 Zuschauer sehen Süle bei der Arbeit zu, noch mehr als in Dortmund, noch mehr als in Rio beim olympischen Endspiel 2016.

Gegenüber Mustafi und Höwedes im Vorteil

Süle wird sich an solche Kulissen gewöhnen, so etwas ist für einen Bayernprofi irgendwann normal. So normal wie eine Karriere in der Nationalmannschaft. Einen Bayern-Bonus gibt es offiziell nicht, aber Süle ist mit den Münchnern Woche für Woche im Fokus der deutschen Öffentlichkeit. Da kann man punkten, mehr noch als in London beim FC Arsenal und beim FC Chelsea, wo Shkodran Mustafi und Antonio Rüdiger spielen. Mehr auch als in Turin, wohin es Benedikt Höwedes, den ewigen Schalker jetzt verschlagen hat.

Auch Süles Konkurrenten stehen bei großen Vereinen unter Vertrag, aber sie spielen eben nicht in Deutschland, und sie müssen sich, wie es in diesen Top-Vereinen üblich ist, immer wieder auf die Bank setzen, weil der Kader so breit ist. Höwedes und Mustafi sind Weltmeister, sie waren auch bei der EM im Vorjahr gesetzt, dennoch hat Süle im Moment die besseren Karten. Löw wird nicht alle sechs möglichen Innenverteidiger mitnehmen, und ein selbstbewusster, gesunder, mit 22 Jahren im Saft stehender, beim Rekordmeister spielender Süle hat gute Argumente für sich. Sehr gute Argumente.

Vom Bundestrainer redet er immer noch als "der Herr Löw", der Respekt vor dem Unternehmen A-Nationalmannschaft ist ihm anzumerken, aber er wird diesen Respekt irgendwann ablegen. So wie es Joshua Kimmich getan hat, der als Bubi zu Joachim Löw kam und jetzt Stammspieler ist. Wie Sebastian Rudy, der als blasser Hoffenheimer zur Nationalelf anreiste und jetzt als lässiger Bayern-Passgeber im Mittelfeld fast sicher sein kann, zur engeren Auswahl für Russland zu gehören.

Süle trägt auf seinen 1,95 Metern Tattoos, die, so sagt er, von den Köpermalereien der Maori in Neuseeland inspiriert sind. Er habe sich vom Kampfeswillen und Selbstbewusstsein der Maori beeindrucken lassen. Daraus habe er Siegermentalität abgeleitet. Das muss für die Maori nicht zwingend stimmen, für Niklas Süle stimmt es in jedem Fall.



insgesamt 5 Beiträge
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Athlonpower 10.11.2017
1. Gegen Dortmund bot Süle eine Kostprobe seiner Könnens
Die jetzt schon vorhandene spielerische Klasse dieses Verteidigers sah man beim letzten Spitzenspiel, als der schnelle Aubemeyand freigestpielt wurde und alleine auf das Bayerntor lief, doch N. Süle sprintete hinterher und konnte den Schuß des Dortmunders noch abblocken, das war große Klasse und jetzt wissen auch die letzten Foristen, die Süle bei Bekanntgabe seines Wechlsel als Dauerbanksitzer sahen, warum die Bayern ihn verpflichtet haben.
ortibumbum 10.11.2017
2.
Zitat von AthlonpowerDie jetzt schon vorhandene spielerische Klasse dieses Verteidigers sah man beim letzten Spitzenspiel, als der schnelle Aubemeyand freigestpielt wurde und alleine auf das Bayerntor lief, doch N. Süle sprintete hinterher und konnte den Schuß des Dortmunders noch abblocken, das war große Klasse und jetzt wissen auch die letzten Foristen, die Süle bei Bekanntgabe seines Wechlsel als Dauerbanksitzer sahen, warum die Bayern ihn verpflichtet haben.
..hoffnungslos überschätzt. Keine dauerhafte Karriere.
widower+2 10.11.2017
3. Ich wette dagegen
Zitat von ortibumbum..hoffnungslos überschätzt. Keine dauerhafte Karriere.
Und ich bin keineswegs Bayern-Fan. Süle hat eine enorme physische Präsenz, eine gute Technik und ist sehr schnell. Er hat alle Anlagen, um ein Innenverteidiger der internationalen Spitzenklasse zu werden.
doppelnass 10.11.2017
4. Ach..
Was würde bei de Bekanntgabe des Transfers nicht geunkt: Bankdrücker, Fehlkauf usw. Süle spielt sehr oft und auf dem Niveau, übrigens dem höchsten in Deutschland, sehr gut. Beide Ex-Hoffenheimer sind echte Verstärkungen. Rudy ist einer der am meisten unterschätzten Spieler. Top Transfers von Bayern.
briancornway 10.11.2017
5. 2020
Zitat von widower+2Und ich bin keineswegs Bayern-Fan. Süle hat eine enorme physische Präsenz, eine gute Technik und ist sehr schnell. Er hat alle Anlagen, um ein Innenverteidiger der internationalen Spitzenklasse zu werden.
Er ist jetzt schon mindestens so weit wie Boateng beim HSV, bevor dieser nach England wechselte. Wenn er in den nächsten Jahren die Verletzungspausen von Boateng oder auch Hummels gut und sicher ausfüllt und Erfahrung sammelt, kann er richtig viel Ablöse einbringen. Und auch für die Nationalelf scheint er schon gut genug zu sein.
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