Nationalspieler versus Presse Das große Missverständnis

Zwischen Nationalmannschaft und der Presse ist die Stimmung angespannt. Beide Seiten äußern gegenseitig Kritik. Und eigentlich ist das genau richtig so.

Toni Kroos
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Toni Kroos

Ein Kommentar von , Moskau


Erst Toni Kroos, dann Joshua Kimmich, jetzt Niklas Süle - der Unmut über die Berichterstattung zur deutschen Fußballnationalmannschaft scheint bei ihnen recht groß zu sein. Jedenfalls haben alle diese Spieler "die Medien" kritisiert. Kroos und Kimmich noch während des WM-Turniers, Süle danach. Der Tenor: Alles wird benörgelt, mies gemacht, schlecht geredet.

Als Reaktion haben Journalisten Artikel geschrieben, in denen sie den Vorwurf vehement zurückgewiesen und den Ball zurückgespielt haben zum Verband und den Spielern, meistens garniert mit einem dezenten Hinweis auf deren Leistungen in den vergangenen Wochen. Die nicht unbedingt dazu berechtigten, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Zuweilen klang das sehr vernünftig, manchmal allerdings auch leicht beleidigt.

Die Stimmung zwischen Nationalmannschaft und den über die berichtenden Journalisten ist gelinde gesagt angespannt - das beruht möglicherweise auch auf manch frustrierender Erfahrung, die die Journalisten mit der DFB-Medienabteilung machen. Aber vor allem beruht es auf einem gewaltigen Missverständnis. Oder besser auf mehreren.

Es gibt nicht DIE Medien und nicht DIE Spieler

Da ist zunächst die Binsenweisheit, dass es DIE Medien nicht gibt, genauso wenig, wie es DIE Spieler gibt. Auch in der Mannschaft gibt es reflektierte und weniger reflektierte Typen, also sowohl die, die dazu neigen, Schuld woanders zu suchen, als auch die, die genau wissen, dass ihre Leistung für das frühe Ausscheiden bei der WM verantwortlich war.

Für die Medien gilt dasselbe. Da stehen sachliche Analysen neben Haudrauftexten. Es gibt sicher Medien, die eher das erstere und eher das zweitere bevorzugen. Es käme auf beiden Seiten halt darauf an, fein säuberlich zu differenzieren und jeweils zu sagen, wen man mit der jeweiligen Kritik meint. Das macht es für alle einfacher, darauf einzugehen.

Es ist dabei nicht besonders zielführend, zunächst in Bausch und Bogen die Stimmung daheim und in den Medien abzuwatschen und am nächste Tag einen Gastkommentar in der "Bild"-Zeitung zu veröffentlichen, wie Toni Kroos es nach dem Spiel gegen die Schweden tat - es war ja genau diese Zeitung, die mit ihrer Skandalisierung eines harmlosen Fanfotos von Julian Brandt nach der 0:1-Niederlage gegen Mexiko und mit ihrem medialen Dauerbeschuss auf Mesut Özil das Feuer geschürt hat.

Selfies und High Five

Letztlich jedoch müssen beiden Seiten wohl erst wieder lernen, dass gegenseitige Distanz und gegenseitiger Respekt keine Gegensätze sind. Selfies und High Five von Journalisten mit Nationalspielern heben beides ebenso auf wie Journalisten im Nationaltrikot oder die Duzerei bei Pressekonferenzen.

Wenn Nationalspieler Reporter kritisieren, weil sie sich nicht ausreichend gelobt fühlen, und Reporter im Gegenzug die Spieler für ihre schwachen Leistungen, dann sollte das eigentlich der Normalzustand sein. Und wenn die Nationalmannschaft wieder gut spielt, dann wird das sicher auch wieder seinen Niederschlag in den Medien finden.

Das Verhältnis von Berichterstattern zu denen, über die sie schreiben und reden, ist immer ein Balanceakt zwischen Nähe und Entfernung. Vielleicht haben es Journalisten bei der Nationalelf in der Vergangenheit zu oft mit dem ersteren übertrieben. Und so bei einigen Spielern den Eindruck erweckt, hier ziehe man an einem Strang.

Aber es ist nicht so.



insgesamt 82 Beiträge
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wolleb 01.07.2018
1.
Wenn die Kritik gerechtfertigt ist, und nicht unter die Gürtellinie geht, ist alles ok. Die Spieler müssen das vertragen. Völlig fehl am Platz ist allerdings dummes Gequatsche ala Basler, der sich in persönlichen Beleidigungen großartig findet, oder die Besserwisserei eines Lothar Matheus. Der hat wohl vergessen, das er bei der EM 2000 in der größten Rumpelmannschaft aller Zeiten spielte. Ich erinnere nur an das 0:3 gegen Portugals B-Elf.
!!!Fovea!!! 01.07.2018
2. Bei den Spielern
ist das doch nur der Frust, dass keine Lobhudeleien auf sie niederprasseln. Die Erfolgsverwöhnten Kicker des FCB suchen sicher nach jemanden, der sie ins Schutz nimmt, so wie Hoeneß das beim FCB macht. Aber wenn Löw schon sagt, dass er enttäuscht ist, dann trifft das die Spieler. Alle sollten abtreten, Boateng, Kross, Khedira und Özil sollten, sofern sie nicht freiwillig gehen (angeblich ist Boateng seiner eigenen Einschätzung topfit, ha, ha, ha), nicht mehr nominiert werden. Ganz einfach, wenn die den Wink mit dem Zaunpfahl nicht verstehen. Was will ich mit dieser Versagermannschaft, die noch nicht einmal die Vorrunde übersteht?! Wenn man wenigstens ins Viertl- oder Halbfinale gekommen wäre, aber so?! Nein, da muss ein kompletter Wechsel her. Merkel, ich meine Löw, sollte nicht wie Kohl enden....
albarich 01.07.2018
3. Genug
Je mehr Zeit seit dem WM vergeht umso unfassbarer zeigt sich die Realität. Auf Seiten des DFB hört man nur nichtssagende Floskeln. Bierhoff und seine Image- und Marketingberater sind abgetaucht. Kein mucks zu der überzogenen Kommerzialisierung der Nationalmannschaft. Von Özil und Gündogan kommt nur Geheule. Wie geht es wohl den (ehemaligen) inhaftierten in der Türkei und deren Angehörigen beim Anblick der Bilder mit Erdogan. Und jetzt eine Frage an deren „Verteidiger“: wie wären deren Kommentare bei einem Foto von z.B. Kimmich mit irgendeiner AFD Type. Und jetzt haben die Spieler wie Trump die Presse im Visier. Und zu Löw, er hat mehr wie ein Spiel taktisch vergeigt. Und Spielern zu sagen es ist vorbei ( s. Ballack u Schneider ) auch dafür fehlt ihm der Mumm. Fazit einfach nur traurig und erbärmlich
martin.brunnemann440 01.07.2018
4.
Welches Medium hat denn mal gesagt, dass Verlieren auch bei der Deutschen Nationalmannschaft zum Fußball gehört? Es gab lächerliche Häme gegen Löw, weil der morgens spazieren lief. Nach Kroos Tor war plötzlich wieder alles gut... Es ist unsäglich, was diese Leute gesteuert von der Stimmung der Masse schreiben.
rösti 01.07.2018
5. Ja
Die Zeitungen (ausser der einen ) haben das Recht auf Kritik! Nur ein verurteile ich die Gemeisamme Treib- Jagd gegen Özil...an Ihm haben sich alle Zeitungen verbissen plus TV Sender mit manch über qualifizierten Reporter....... Aber am schlimmste sind die Profi- Nörgler, Basler und Loddar, die mit wegen Ihrer dummen Sprüchen in Talksows eingeladen werden....man muss ja irgedwie Geld verdienen, Als Trainer kläglich gescheitert, der Supermario nie länger wie eine Saison und der Loddar Schwamm drüber! Sprücheklopfen ist einfacher wie es selber machen (Trainer-Schelte ) Als Spieler war Loddar ein Klasse- Mann und Mario war Mario immerhin Eurpoameister trotz dem er kein einziges Spiel machte im Tunier! Und Loddar sollte Wissen was es heisst Jahre lang auf höchstem level zu spielen, wie Özil, Gross usw. Das es manchmal nicht klappt bei einer WM hat er mit seinen Kollegen 1994 selbst erfahren! Deshalb hätte ich ein wenig mehr Verständnis für Özil usw. erhofft, aber das verkauft sich schlecht in der überhitzten Stimmung und es bring kein Geld bei Internews. Heute verdient er wieder etwas für auf der Tribüne in Russland, denn es gibt Gage dafür! Gönne es Ihm.....
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