Frankfurt-Trainer Niko Kovac Der Mann, der die Eintracht verwandelt hat

Als Niko Kovac Eintracht Frankfurt übernahm, war der Klub ein Abstiegskandidat. Mittlerweile gilt das Team als ernsthafter Europacup-Anwärter. Die Basis für den Erfolg: Kovacs Abwehrarbeit.

Niko Kovac
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Niko Kovac

Von , Hamburg


Niko Kovac verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern. Eintracht Frankfurts Trainer hatte auf der Pressekonferenz ausführlich über den 2:1-Auswärtssieg beim Hamburger SV gesprochen und war anschließend auf dem Weg Richtung Mannschaftsbus sogar noch stehengeblieben, als Journalisten weitere Fragen hatten. Die Auswärtsstärke, die Diskrepanz zwischen Heimspielen und Auftritten in der Fremde, sein Vorrundenfazit: Kovac sprach über alles.

Für eine finale Hinrunden-Bilanz wolle er erst noch das letzte Heimspiel gegen Schalke 04 sowie die DFB-Pokal-Partie bei Zweitligist Heidenheim abwarten, sagte Kovac. Allerdings ließ er bereits wissen: "Wir sind schon nicht unzufrieden."

Aus einem Abstiegskandidaten hat der gebürtige Berliner innerhalb von 21 Monaten ein Team geformt, das nach 16 Spielen die beste Auswärtsbilanz der Liga aufweist und nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber den punktgleichen Dortmundern nicht auf Champions-League-Qualifikationsplatz vier steht.

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Bundesliga: Elfmetertor und Trainerglück

Rückblick: Am 8. März 2016 wird Kovac als neuer Eintracht-Trainer vorgestellt. Das Fundament, das er bei seinem Amtsantritt vorfindet, ist äußerst wackelig. Der Traditionsverein steht nach dem 25. Spieltag auf Relegationsplatz 16. Unter Kovac rettet Frankfurt in der Relegation gegen Nürnberg gerade so den Bundesliga-Verbleib.

Nachdem das Schlimmste verhindert ist, beginnt Kovac mit dem Neuaufbau. Vor der Saison 2016/2017 nimmt er zusammen mit Manager Bruno Hübner wichtige Veränderungen vor, viele Spieler müssen gehen, werden unter anderen durch Leihprofis von großen Vereinen wie Manchester United (Guillermo Varela), FC Chelsea (Michael Hector) und Real Madrid (Jesús Vallejo) ersetzt.

Das Konzept geht auf, die Eintracht überwintert auf Platz vier, beendet die Saison im gesicherten Mittelfeld. Basis ist die Defensive, unter Trainer Kovac ist es für Gegner schwer, die Verteidigung der Eintracht zu knacken. Vergangene Saison stellte sie die siebtbeste Abwehr der Liga. Aktuell läuft es noch besser, 17 Tore kassierte Frankfurt bislang, besser sind nur die Bayern (elf).

Die Säulen sind Torhüter Lukas Hradecky, Kapitän David Abraham oder Mittelfeldwühler Kevin-Prince Boateng. Dass Hamburg geschlagen wurde, obwohl Abraham bereits nach acht Minuten verletzt ausgewechselt werden musste, Boateng erst nach einer Stunde in die Partie kam und Top-Stürmer Sébastien Haller (5 Tore) 90 Minuten auf der Bank blieb, zeigt, wie ausgeglichen die Eintracht mittlerweile besetzt ist. "Wir sind nicht nur elf, wir sind mehr. Die Breite des Kaders ist sehr wichtig für uns", sagte Sportvorstand Fredi Bobic.

Ein Beispiel dafür ist Timothy Chandler. Der Flügelspieler gab nach sieben Wochen Verletzungspause wegen einer Meniskus-OP sein Comeback - und bereitete gleich beide Frankfurter Tore vor. Man habe gesehen, so Chandler, "was eine eingeschworene Einheit, die bis zum Ende kämpft, erreichen kann." Er ist seit 2014 in Frankfurt und somit einer der Etablierten. Chandler sagt, dass er unter Kovac "nochmal sehr viel gelernt" habe und "richtig zum Profi gereift" sei.

Und er dürfte auch künftig von Kovacs Qualitäten profitieren. Der Trainer hat einen Vertrag bis 2019 bei der Eintracht, Chandler sogar bis 2020. Man werde also, sagt der 27-Jährige, "noch schöne Zeiten in Frankfurt erleben."

Doch wie viel schöner kann Kovacs Kunstwerk eigentlich noch werden? Der Trainer selbst sieht noch jede Menge Arbeit - und damit auch: Potenzial. Da ist zum Beispiel die Heimschwäche. Frankfurt hat in sieben Spielen nur sieben Tore geschossen und sieben Punkte geholt. "Wir haben Schwierigkeiten, zu Hause das Spiel zu machen - aber daran arbeiten wir", sagt Kovac.

Diese Defizite zu verbessern würde bedeuten, dass die Eintracht tatsächlich ein Kandidat für den Europacup wäre. Angesichts der Formschwankungen etlicher Top-Teams scheint die Qualifikation in dieser Saison machbar. Das war so ziemlich das einzige, worüber Kovac an diesem Abend nicht sprechen wollte.

Hamburger SV - Eintracht Frankfurt 1:2 (1:2)
1:0 Papadopoulos (9.)
1:1 Wolf (16.)
1:2 Gacinovic (24.)
Hamburg: Mathenia - Diekmeier, Papadopoulos, Mavraj (82. Schipplock), Santos - Gideon Jung, Walace (36. Ekdal) - Hunt, Waldschmidt (67. Ito), Kostic - Arp. - Trainer: Gisdol
Frankfurt: Hradecky - Abraham (8. Salcedo), Russ, Falette - Chandler, Fernandes, Tawatha - Wolf, Gacinovic (46. Barkok) - Jovic (62. Kevin-Prince Boateng), Rebic. - Trainer: Kovac
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
Zuschauer: 40.983
Gelbe Karten: - Falette (4), Kevin-Prince Boateng (4), Hradecky, Wolf (2)



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nervenzusammenbruch 13.12.2017
1. Guter Mann
Ich muss ja zugeben dass ich skeptisch war als man einen Trainer holte der bei der Nationalmannschaft von Kroatien raus geflogen ist weil er zu erfolglos war, und einen Sportvorstand der den VfB Stuttgart in die zweite Liga geführt hat... aber bisher machen die nen wirklich guten Job. Naja ich bleibe Mal auf dem Boden. noch 15 dann sind es 40. die reichen für den Klassenerhalt
Klangstof 13.12.2017
2. Tordifferenz 18:16
Das muss im Artikel korrigiert werden, nicht 17 sondern 16 Gegentore stehen zu Buche, heißt also pro Spiel 1 Gegentor. Dafür ist es offensiv eben immer knapp bemessen, da der Fokus auf kompakter Defensive und Arbeit gegen den Ball ausgerichtet ist. Wie gestern in HZ 2 leider zu beobachten war, konnte kaum Entlastung geschaffen werden. Balleroberungen werden leichtfertig hergegeben, da die Übersicht und die passenden Laufwege für Anspiele fehlen. Das ist ein Manko, hier muss nachgebessert werden. Die 7 Siege wurden ausschließlich mit 2:1 und 1:0 Ergebnissen erreicht. Das ist immer ein Ritt auf der Rasierklinge, einen beruhigenden Vorsprung herauszuspielen wäre auf jeden Fall ein Thema, an dem man arbeiten muss, zudem ist auch die Passqualität bzw. die Ballzirkulation oft mangelhaft. Hier sollte wenigstens etwas daran geschraubt werden. Wir hätten insgesamt schon mehr Tore erzielen können, siehe gestern, da muss es zwingend 3:1, vielleicht 4:1 zur HZ stehen, aber Jovic, der für Haller mal ran durfte, ist noch nicht so "erwachsen" vor dem Tor, sprich die Kaltschnäuzigkeit und die totale Konzentration beim Abschluss fehlen etwas. Generell fehlen noch oft die Abstimmung bzw. passenden Laufwege im letzten Drittel, weshalb es bis zum möglichen Torabschluss oft verschnörkelt und hier und da auch planlos zugeht am 16er. Schüsse aus der 2. Reihe sind auch nicht verboten, man muss nicht immer barca-like versuchen, noch 17 Pässchen auf den Platz zu zaubern und den Ball mit Schleifchen und Pipapo ins Tor zu tragen. Vom Europacup zu faseln, verbietet sich. Sowohl Spieler als auch Medien sollten das unterlassen. Wenn man am 27./28. Spieltag bspw. in Reichweite ist oder auf Platz 5-7 steht, dann kann man kollektiv das Ziel ausgeben, vorher bitte die Füße stillhalten. Das Geschäft ist kurzlebig und der Fahrstuhl "nach oben" kann auch mal ganz schnell defekt sein...Trotzdem: Kovac macht einen exzellenten Job, er musste im Sommer ca. 10 Neuzugänge einbauen, die Saison ist gerade einmal knapp 4 Monate alt und es liegt noch viel Arbeit vor ihm. Zudem kommt für die Kreativität Fabian zur Rückrunde zurück. Damit sollte es auch offensiv noch mehr Inspiration geben. P.S.: Marius Wolf hat unter Kovac bzw. seinem Buddy Boateng einen sehr guten Schritt nach vorne gemacht. Forza SGE!
Schlaule 13.12.2017
3. Immer hübsch langsam!
Soll Niko Kovacs hier zum neuesten „Erfolgstrainer“ & nächsten Bayern-Trainer hochgejubelt werden? Die Eintracht wird am Ende der Saison hübsch an den Abstiegsrängen herumkrebsen. Schaug‘n mer mal, na sehg‘n mer‘s scho!
rdiess 13.12.2017
4. Nicht nachvollziehbar
Seitdem K. dort Trainer ist, kann ich mich nicht entsinnen, ein einziges Mal ein attraktives Spiel von der SGE gesehen zu haben. Destruktive Grobmotorik wurde perfektioniert. Wenn das die Zukunft des Fußballs sein soll... Glücklicherweise gibt es Vereine in der Liga, die weniger oder nur unwesentlich mehr erfolgreich sind, durchweg friedliche Fans haben und dazu noch Spaß-Fußball zelebrieren. Das einzige, was dort bisweilen fehlt ist "Tradition", die bei den sogenannten "Traditions-Vreinen" im Wesentlichen aus traditionell schlechtem Management und "Fans" mit Scheuklappen besteht.
antiantianti 13.12.2017
5. So und so
Frankfurt hat fußballerisch tatsächlich enorm dazu gewonnen,aber in den letzten Jahren habe ich selten eine unsympathischere Mannschaft als Frankfurt gesehen. Ganz ehrlich,wie unsportlich die SGE gestern aufgetreten ist war eine Frechheit erster Güte. Ich mag den Kovac,aber was seine Männer da gestern abgezogen haben war lächerlich und erbärmlich. Ganz ganz schlechte Sportsleute
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