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Misslungenes Kovac-Debüt: Frankfurter Zweckoptimisten

Aus Mönchengladbach berichtet

Trainer Niko Kovac, Constant Djakpa Zur Großansicht
Getty Images

Trainer Niko Kovac, Constant Djakpa

Das wird nicht einfach für Niko Kovac: Beim Debüt von Frankfurts neuem Trainer waren wenige positive Impulse zu sehen. Einige Spieler versuchten aber, viele Fehler als gutes Zeichen zu deuten.

Spitzensportler sind oft versierte Laienpsychologen. Spezialisten in der Kunst, Rückschläge und Enttäuschungen zu biegen und zu verdrehen, bis irgendeine positive Erkenntnis im Vordergrund steht. Und so sagte der arme Frankfurter Torhüter Lukas Hradecky, der beim 0:3 in Mönchengladbach einen besonders düsteren Nachmittag erlebt hatte, mit größtmöglicher Überzeugungskraft in der Stimme: "Ich hoffe, dass ich alle meine Fehler in diesem einen Spiel gemacht habe, damit ich in den nächsten Wochen wieder funktioniere."

Das war ein schlauer Satz, denn die vom Abstieg bedrohten Frankfurter hatten zuvor schnell gemerkt, dass der Trainerwechsel sie nicht in ein plötzlich befreit aufblühendes Spitzenteam verwandelt hat. Während der gesamten 90 Minuten waren sie Borussia Mönchengladbach in fast allen Belangen unterlegen.

Das galt vor allem für Hradecky selbst: Lars Stindls 1:0 begünstigte er mit einem mittelschweren Fehler (36. Minute), Raffaels 2:0 ermöglichte er mit einem Katastrophen-Blackout (53.) und auch bei Mo Dahouds 3:0 (79.) sah er nicht besonders souverän aus. Wobei Stefan Reinartz ebenfalls einen schlimmen Fehler zu diesem dritten Tor beigetragen hatte.

In der Logik des finnischen Torhüters war es vollkommen sinnvoll, alle Missgeschicke in diese 90 Minuten zu packen, in denen es ohnehin nichts zu gewinnen gab. Um dann in den wirklich wichtigen Duellen gegen Hannover am kommenden Samstag und in den darauffolgenden Wochen gegen Hoffenheim, in Darmstadt und in Bremen, fehlerfrei zu bleiben. "Wir müssen unsere Punkte woanders holen", stellte auch Trainer Niko Kovac fest, dessen Bundesligadebüt gehörig misslungen war.

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Bundesliga: Kovac-Debüt misslingt in Gladbach
Die Entlassung von Armin Veh blieb damit zumindest tabellarisch wirkungslos, und dennoch strahlte Kovac nach dieser ersten Enttäuschung seiner kurzen Amtszeit noch jede Menge Zuversicht aus. "Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat gekämpft", sagte er und schwor alle Frankfurter auf einen komplizierten Frühling ein: "Wir brauchen einen langen Atem."

Und so ganz ohne Fortschritte mussten sie auch an diesem Tag nicht nach Hause reisen. Eine Halbzeit lang hatten die Frankfurter den Champions-League-Anwärter mit einer kompakten Defensive genervt, Borussen-Trainer André Schubert lobte die "sehr, sehr gute Ordnung" der Gäste. Die Stabilisierung der Abwehr ist die klassische Baustelle für neue Trainer bei Abstiegskandidaten. "Man hat gesehen, dass wir in den ersten 30 Minuten aggressiver gegen den Ball gearbeitet haben", erklärte Heribert Bruchhagen anerkennend. Auf die Frage nach den schlimmen Fehlern sagte der Vorstandsvorsitzende der Eintracht aber auch: "Mir fehlt die Fantasie, dass es ohne diese Situationen anders gelaufen wäre."

Denn die Überlegenheit der Gladbacher war allzu deutlich, was auch an der Analyse von Bruno Hübner zu entnehmen war: "Der Trainer hat der Mannschaft einen klaren Plan gegeben, den hat sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten umgesetzt", sagte der Sportdirektor. Doch diese Möglichkeiten sind derzeit nicht zuletzt aufgrund der vielen Verletzten (Meier, Stendera, Zambrano) äußerst beschränkt.

Vor allem die völlig verunsicherte Offensive hat in den ersten Trainingseinheiten unter dem neuen Trainer kein frisches Selbstvertrauen entwickelt. Nur ein einziges Mal entstand so etwas wie Torgefahr im Gladbacher Strafraum, als Haris Seferovic aus spitzem Winkel den Außenpfosten traf (78.). Ansonsten wirkten die Frankfurter oft ratlos und überfordert, wenn sie den Ball hatten. Antworten auf die spannende Frage, ob Kovac mit seinem eher autoritären Führungsstil, den Kritiker für anachronistisch halten, neue Energien in der Mannschaft freisetzen kann, lieferte dieses erste Spiel noch nicht.

Nur eines ist klar: Das berühmte Gefühl der Befreiung, das Trainerwechsel bestenfalls erzeugen, scheint in Frankfurt erstmal nicht entstanden zu sein. Kovac wird seine Erfolge mit inhaltlich fundierten Konzepten erarbeiten müssen. "Aber je mehr Zeit wir mit dem neuen Trainer haben, desto besser wird es ", prophezeite Torhüter Hradecky. Die beste Nachricht dieses für die Frankfurter sehr ernüchternden Nachmittags kam daher aus Darmstadt, wo weder die Lilien noch der FC Augsburg gewannen, wodurch beide Klubs weiterhin in unmittelbarer Reichweite für die Eintracht liegen.

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insgesamt 8 Beiträge
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1.
SirWolfALot 13.03.2016
Ja genau, sobald ein neuer Trainer da ist, spielen die Spieler einen anderen und besseren Fußball spielen. Lasst den Trainer einfach mal ankommen und bewertet nach zwei spielen und nicht schon nach zwei Tagen.
2.
rational_bleiben 13.03.2016
"Nur eines ist klar: Das berühmte Gefühl der Befreiung, das Trainerwechsel bestenfalls erzeugen, scheint in Frankfurt erstmal nicht entstanden zu sein." Statistische Untersuchungen zeigen, dass es keinen nachweislichen Effekt von Trainerwechseln gibt. Es gibt lediglich die erwartete Regression zur Mitte (nach 3-4 selbst für eine schlechte Mannschaft unterdurchschnittlichen Spielen, wenn dann eben typischerweise Trainer entlassen werden, kommt man durch statistische Notwendigkeit wieder zum Durchschnitt hin). Die Trainerwechsel erzeugen nicht häufiger eine Änderung, als dies zufällige Schwankungen in der Leistung einer Mannschaft tun.
3. Mal abwarten
troy_mcclure 13.03.2016
In den kommenden Spielen wird es richtig ernst, wenn Gegner auf Augenhöhe kommen.
4. Zeit genug
Sal.Paradies 13.03.2016
Die SGE wird "Zeit" genug haben, um sich ordentlich auf die 2.Bundesliga vorzubereiten, da kann Hradecky ganz beruhigt sein. Dass gerade derjenige, der alle 3 Tore faktisch selbst aufgelegt hat, solche Aussagen trifft, sagt schon alles über den Zustand der SGE. Und warum sollte Frankfurt "froh" sein, dass Darmstadt+Augsburg "nur" einen Punkt geholt haben? Beide haben einen Zähler "mehr" als die SGE geholt und sie haben dies getan, weil beide ziemlich spielstark sind, ganz im Gegensatz zur SGE. Ja klar, verloren ist für Frankfurt noch nix, aber wer die letzten Auftritte beobachtet hat, ist schon ziemlich ernüchtert über diese Arbeitsverweigerung. Die SGE hätte gestern mal ihren Blick auf Sinsheim richten sollen, dann hätten sie gesehen "wie" Abstiegskampf geht. Sorry, aber für die SGE sehe ich dieses Jahr so ziemlich schwarz und ich glaube nicht, dass sie den Abstieg verhindern können. Hamburg ist schon zu weit weg und Augsburg, Darmstadt, Bremen+Hoffenheim machen einfach den besseren Eindruck. Hannover führe ich hier jetzt nicht mehr auf, da ist Hopfen & Malz verloren..... ;-)
5. Ein erfolgreicher Trainerwechsel
bach-herbert, 13.03.2016
Jetzt ist auch die Abwehr mit ihrem Schlussmann Lukas Hradecky eine Zitterabwehr. Nun gut ein Hechsenschuß und nur einmal Training, ABER gibt es keinen ERSATZTORWART? Wenn die Eintracht gegen Hannover verliert im nächsten Heimspiel kann sie für die zweite Liga planen und den Großteil der Mannschaft verkaufen einschl. des Managers Hübner.
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