Ausschreitungen beim Nordderby Rechte Hooligans greifen Werder-Ultras an

Beim Nordderby in Bremen sind rechte Hooligans auf Werder-Ultras losgegangen. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein - nicht nur gegen die Angreifer.

Von , Bremen

Polizisten beim Nordderby: Schlägereien unter Anhängern
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Polizisten beim Nordderby: Schlägereien unter Anhängern


Sportlich verlief das Nordderby gegen den Hamburger SV zur vollsten Zufriedenheit für den SV Werder und seine Fans. Nach dem Schlusspfiff gab es für einige Bremer Anhänger allerdings unschöne Erlebnisse. Offenbar wurde eine Gruppe Werder-Ultras vor dem Stadion von rechtsradikalen Hooligans angegriffen. Das Bremer Fan-Projekt übt gegenüber SPIEGEL ONLINE außerdem harte Kritik am Vorgehen der Polizei.

Laut Daniel Behm vom Fan-Projekt befanden sich 15 Bremer Ultras, die den 1:0-Sieg gegen den ungeliebten Nordrivalen wegen Stadionverboten nicht vor Ort erlebt hatten, nach der Partie auf dem Weg zum Stadion, um dort die Werder-Fans in Empfang zu nehmen, die in der Ostkurve während der 90 Minuten Stimmung gemacht hatten. Als sie an einer Kneipe vorbeikamen, in der sich rechtsradikale Hooligans aufhielten, wurden sie laut Behm von den Kneipenbesuchern angegriffen. "Die Ultras wurden mit Flaschen beworfen und mit Pfefferspray attackiert", berichtet der Mitarbeiter des Fan-Projekts.

"Es gab wiederholt einen Angriff von Nazi-Hools auf die Ultra-Szene", sagt ein Werder-Ultra SPIEGEL ONLINE, der den Zwischenfall nach eigenen Angaben beobachtet hat. Auch Behm vom Fan-Projekt sagt, dass der Angriff "auf jeden Fall politisch motiviert" gewesen sei. Schon in der Vergangenheit gab es Attacken von rechtsradikalen Bremer Hooligans auf die links orientierten Ultras. Im Polizeibericht zum Spiel gegen den HSV ist von "Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Bremer Hooligans und Bremer Ultras" die Rede. Es habe auch Verletzte gegeben.

Polizei kesselt Ultras ein

Die angegriffenen Ultras flohen laut Fan-Projekt-Mitarbeiter Behm in Richtung Stadion, wo sie von der Polizei eingekesselt worden sein sollen. Auch die aus dem Stadion kommenden Ultras wurden laut Behm anschließend auf einer Kreuzung eingekesselt. Als die Polizisten die Straße frei machen wollten, kam es nach übereinstimmenden Angaben zu rüden Szenen: "Die Polizei ging mit Schlagstöcken und Pfefferspray auf alles los, was da rumstand", sagt der Augenzeuge aus der Ultra-Szene.

Behm vom Fan-Projekt bestätigt diese Darstellung. Er berichtet, dass auch Unbeteiligte Opfer des Polizei-Einsatzes geworden seien. In der Polizei-Bilanz ist vom Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray die Rede. Für weitere Rückfragen war die Pressestelle der Polizei nicht zu erreichen. Schon in der Vergangenheit klagte das Fan-Projekt über zu harte Polizei-Einsätze.

Die Polizei war rund um das als Risikospiel eingestufte Nordderby mit 1000 Beamten im Einsatz gewesen, sie zog laut der offiziellen Bilanz ein insgesamt positives Fazit aus ihren Maßnahmen. Vor der Begegnung hatte es eine Schlägerei zwischen Anhängern beider Klubs gegeben, eine Gruppe von Hamburgern wurde in Gewahrsam genommen und wieder nach Hause geschickt. 80 Bremer erhielten Stadionverbote.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
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BeKos 20.04.2015
1. Aachen lässt grüßen
Nach ähnlichen wiederholten Vorkommnissen bei der Alemannia hat sich dort die Ultra Szene komplett verabschiedet und sich nicht mehr ins Stadion getraut. Mal schauen wie man in Bremen damit umgeht. Die Polizei hat auf jeden Fall schon mal wieder alles falsch gemacht, aber das kennt man ja schon.
kai1967 20.04.2015
2. Nur 1000 Polizisten
...für ein Fußballspiel? Dieser Sport ist einfach nur noch peinlich, so etwas gibt es bei keiner anderen Veranstaltung! Ich jedenfalls werde mein Sky Abo kündigen. Die kriegen keine Kohle mehr von mir.....
Immanuel_Goldstein 20.04.2015
3.
Für mich zeigen solche Vorfälle nur eines: die Forderungen des Landes nach Beteiligung der Vereine an den fussballbedingten Polizeieinsatzkosten sind vollkommen berechtigt. Ansonsten wären Fussballspiele kaum noch genehmigungsfähig.
donni1895 20.04.2015
4. Lächerlich
80 Leute erhalten SV für Schlägereien die zu 90% von beiden Seiten gewollt ist ..... Die Polizisten die unbeteiligte attackieren bekommen sogar noch Gehalt ..... TOP
cials1939 20.04.2015
5. Bewaffneter Angriff Bremer Ultras
Nach dem Spiel Werder - Hamburg kam es zu einem bewaffneten Überfall von linken Ultras auf die Gaststätte "Verdener Eck". Ausgerüstet mit Latten, Flaschen, Steinen, Baseballschlägern und CS Gas griffen die Bremer Ultras das Lokal an. Aufgrund der Bewaffnung ist davon auszugehen, dass es sich um einen geplanten Angriff gehandelt hat. Die Bremer Polizei beobachtete das Geschehen, lies die Ultras aber gewähren und griff erst nach dem Überfall ein. Zivilbeamte und Uniformierte waren vor Ort, und können unmöglich übersehen haben wie sich der bewaffnete Mob in Bewegung gesetzt hat. Erst nachdem der Angriff beendet war wurden die Ultras wieder durch die Polizei begleitet.
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