Nürnberg-Trainer Wiesinger: Unauffällig auffällig

Von Nils Lehnebach

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Nürnberg-Trainer Wiesinger: Europa League plötzlich möglich

Die von soliden Arbeitern geprägte Nürnberger Mannschaft überrascht die Bundesliga. Seit neun Partien ist das Team ungeschlagen, seitdem Michael Wiesinger den "Club" coacht, geht es bergauf. Der 40-Jährige ist besonnen, nüchtern - und noch ohne Vertrag für die neue Bundesliga-Saison.

Hamburg - Es gibt Bundesliga-Trainer, die haben immer (mindestens) einen flotten Spruch auf Lager, die stürmen, springen oder stolzieren durch ihre Coaching-Zone . Die "Süddeutsche Zeitung" fragte zuletzt, ob jeder Coach wie Klopp, Tuchel & Co. "bockspringen und veitstanzen oder ein paar neunmalkluge Sprüche raushauen" muss - und betonte, dass es zum Glück auch andere Trainertypen gibt.

Wie Nürnbergs Michael Wiesinger, der nach dem Abgang von Dieter Hecking zusammen mit Armin Reutershahn das Team coacht. Und dabei alle Erwartungen übertrifft. Am Sonntag hat der "Club" 2:1 gegen Mainz gewonnen, mit den vorherigen Siegen gegen Augsburg (2:1) und Schalke (3:0) sowie dem Remis gegen Wolfsburg (2:2) hat sich Nürnberg auf Rang zehn verbessert.

Siege, die teilweise glücklich waren, Schalke vergab in der Anfangphase mehrere Großchancen, Mainz gar einen Elfmeter. Wiesinger sagte am Sonntag kritisch: "In der ersten Halbzeit waren wir nicht gut im Spiel. Da waren wir zu fehlerhaft."

Doch am Ende bleiben die Ergebnisse und eine Serie von neun neun ungeschlagenen Partien. Das hatte der Verein zuletzt in der Saison 2006/2007 geschafft - und am Ende der Spielzeit Rang sechs belegt. Die aktuellen Erfolge haben dafür gesorgt, dass das Team nur noch vier Punkte hinter Europapokalplatz sechs ist.

Das Team, das sich im DFB-Pokal gegen Regionalligist Havelse (2:3) blamiert hatte, das nach dem starken Saisonstart vier Partien in Folge verloren hatte, das an sieben Spieltagen lediglich auf Rang 15 stand. Ein Team, das neben Künstler Hiroshi Kiyotake viele zuverlässige Spieler wie Hanno Balitsch, Markus Feulner und Timmy Simons besitzt, die für die Top-Teams nicht mehr interessant sind. Und das Team, das mit Wiesinger offenbar einen ziemlich guten Trainer gefunden hat.

Wiesinger flüstert mehr, als das er spricht

Der 40-Jährige ist der wohl ruhigste Coach der Liga, bei TV- und Radiointerviews flüstert er mehr, als zu sprechen, den Mund dabei nur minimal geöffnet. Nach Toren seiner Mannschaft, auch wichtigen, bleibt er auch mal regungslos auf der Bank sitzen, Inszenierungen sind seine Sache nicht. Nach dem 1:1 in seinem ersten Bundesliga-Spiel gegen den HSV sagte er: "Ich habe einfach versucht, den Tag zu genießen." Seine Auftritte in der Öffentlichkeit sind nüchtern, Wiesinger widmet sich lieber seiner eigentlichen Arbeit.

"Ich sehe mich als Fußballlehrer. In erster Linie gehört dazu die Arbeit auf dem Platz, die mir am meisten Spaß macht", sagte er jüngst in einem "11Freunde"-Interview: "Am wichtigsten ist mir aber dabei, immer authentisch zu bleiben. Das zeichnet für mich einen guten Trainer aus."

Wiesingers Erfolg liegt auch in der Zusammenarbeit mit Reutershahn begründet. Anders als in Leverkusen, wo es in der Doppelspitze Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä zu leichtem Kompetenzgerangel kam, ist die Aufgabenverteilung in Nürnberg klar. Wiesinger vertritt den Verein in der Öffentlichkeit, der 53-jährige Reutershahn unterstützt ihn in der täglichen Arbeit mit seiner Erfahrung. "Die kann ich mir nicht kaufen, aber die habe ich mit Armin neben mir", sagt Wiesinger.

Verhandlungen über neuen Vertrag im Mai

Dass Nürnberg den Ex-Profi am Jahresende als Hecking-Ersatz holte, wurde gemeinhin als Wagnis beurteilt. Er bekam einen Vertrag bis zum Saisonende, anschlíeßend sollte er zur U23 zurückkehren. Eine mittlerweile veraltete Planung, Manager Martin Bader hat Wiesinger jüngst als "Ideallösung" bezeichnet.

Der Trainer wurde zuletzt in einem Interview mit sportradio360.de gefragt, ob er sich eine Rückkehr zur Reserve-Mannschaft überhaupt noch vorstellen könne. "Das ist eigentlich eine gute Frage", antwortete er: "Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Ich habe ganz ehrlich gesagt wenig Zeit, um mir darüber den Kopf zu zerbrechen."

Er braucht sich diese auch künftig nicht zu nehmen. Im Mai wollen sich Club und Trainer über eine Vertragsverlängerung unterhalten. Alles außer ein neuer Kontrakt als Bundesliga-Trainer wäre überraschend.

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Unglaublich aber wahr
gehmlich 07.04.2013
Der Klub hat 2:1 gegen Nürnberg gewonnen und auch noch neun neun mal - gibt's denn niemanden der Korrektur liest?
2. Ein Mann der seine Arbeit macht
grunzbichler 07.04.2013
Ich finde Wiesinger einen sehr angenehmen Trainer und wünsche ihm weiterhin viel Erfolg. Er zeigt, dass nicht die neurotischen Lautsprecher (Klopp) und verkappten Psychopathen (Magath, van Gaal), die sonst gerne im Medienfokus stehen, erfolgreich sein können. Es ist wie im Berufsleben auch, nicht die Großmäuler bringen den Betrieb nach vorne, sondern die fleißigen und ruhigen Führungskräfte. Also auf geht´s Clubberer, die Euroleague ist noch drin! Auch Jupp Heynckes sei ausdrücklich für seine unaufgeregte Arbeit gratuliert, ebenso Armin Veh und Christian Streich.
3. Wiesinger ist einer...
captain 07.04.2013
der jungen Bundesligatrainer, die aus dem Verein kommen, und dadurch ein ganz anderes Verhältnis zu ihrem Arbeitsplatz aufbauen, als diese Trainernomaden, die jahrelang als Retter von einem Verein zum anderen tingelten. Er war schon als Spieler beim Club und hat diesen ganz anders intus. Wiesi tut dem Verein gut, und passt sehr gut zu Martin Bader, der den ehemaligen Skandalclub in ruhige Zeiten manövriert hat.
4. Unglaublich aber wahr,
p.kotzerke 08.04.2013
dass gehmlich seine Kommentare selber nicht Korrektur ließt.Dazu bleibt wohl nur die bekannte Floskel, dass der Club sich nur selbst schlagen kann. .)
5. ..-.
Bee1976 08.04.2013
Zitat von grunzbichlerIch finde Wiesinger einen sehr angenehmen Trainer und wünsche ihm weiterhin viel Erfolg. Er zeigt, dass nicht die neurotischen Lautsprecher (Klopp) und verkappten Psychopathen (Magath, van Gaal), die sonst gerne im Medienfokus stehen, erfolgreich sein können. Es ist wie im Berufsleben auch, nicht die Großmäuler bringen den Betrieb nach vorne, sondern die fleißigen und ruhigen Führungskräfte. Also auf geht´s Clubberer, die Euroleague ist noch drin! Auch Jupp Heynckes sei ausdrücklich für seine unaufgeregte Arbeit gratuliert, ebenso Armin Veh und Christian Streich.
Zum Mittelteil muss ich wiedersprechen. zum einen finde ich es unangebracht mit den Worten "verkappter Psychopath" derart leichtfertig umzugehen, zum anderen stimmt die Aussage schlicht nicht. Sowohl Herr Klopp der Lautsprecher als auch die genannten Vg und Magath waren nicht nur erfolgreich in ihren Klubs und haben ihn vorangebracht, sie waren auch erfolgreicher als Herr Wiesinger. Jetzt also daraus abzuleiten das es die stillen fleissigen Arbeiter sind die einen Club voranbringen ist schlichtweg zu einfach gedacht. Vor allem wenn es so einfach wäre, hätte jeder Bundesligist einen ruhigen fleissigen Arbeiter und Trainer wie Michael "2point" Oenning waeren noch Bundesligacheftrainer. Für ein erfolgreiches Bundesligateam braucht es soviel mehr, die Chemie zwischen Team und Trainer, die Qualität des Teams, die Qualität der Ersatzspieler und ihr Charakter. Verletzungspech, etc pp. Natürlich spielt auch Charakter, Verhalten und Arbeitsweise des Trainers eine rolle, aber es ist eben nur ein Zahnrad. Das Herr Streich unaufgeregt arbeitet muss ehrlich gesagt so ein verstecktes "Finde den Fehler" Spiel in _Ihrem Beitrag sein. Haben sie Herrn Streich mal an der Seitenlinie in Interviews oder auf PKs gesehen ? Der bildet zusammen mit Klopp und Tuchel mein Unsympathentrio der Bundesligacoaches. @Wiesinger den größten Fehler den man jetzt machen kann ist ihn in den Himmel zu hypen nach einer Hand voll spiele. Zum einen könnte das alles noch Heckings arbeit sein die nachwirkt, zum anderen sollte man dem Trainer noch eine spielzeit beim Club und dann eine Station bei einem anderen Club zugestehen um zu sehen wo er steht. Aber er hat zumindest einen sehr guten Start hingelegt, leistet bislang gute Arbeit und ich wuensche ihm eine erfolgreich und lange bundesligatrainer karriere.
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