Von Clemens Gerlach
Hamburg - "Das war überragend, ganz klar. Aber wir sind bodenständig genug, um das einschätzen zu können", sagte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking nach der 5:0 (3:0)-Gala gegen den FC St. Pauli. Etwas Emotionales war dem 46-Jährigen immerhin noch zu entlocken: "Ich bin stolz, wie die Mannschaft derzeit auftritt. Alles läuft hundertprozentig."
Vier Tore hatte alleine Christian Eigler erzielt. Der Ersatzmann des verletzten Stürmers Julian Schieber traf zwei Mal per Doppelpack (14./17. und 86./87. Spielminute). "Im Profifußball habe ich noch nie vier Tore in einem Spiel geschossen, das letzte Mal muss das in der A-Jugend gewesen sein", staunte der Stürmer.
Der 27-Jährige traf erst als zweiter Spieler der Club-Historie in einem Bundesliga-Spiel vier Mal. Franz Brungs waren am 2. Dezember 1967 beim 7:3 gegen Bayern München in der Meistersaison sogar fünf Tore gelungen. 5:0 hatte eine Nürnberg Mannschaft zuletzt am 22. Oktober 1993 gegen den VfB Leipzig gewonnen.
Eiglers erste Station im bezahlten Fußball war der Lokalrivale Greuther Fürth, 2008 kam er aus Bielefeld zum FCN. Besonders erfolgreich war er aber nicht. In der vergangenen Saison kam Eigler auf vier Tore, immerhin war darunter der 1:0-Siegtreffer im Relegationshinspiel gegen Augsburg.
Nürnberg nur einen Punkt hinter den Europapokal-Plätzen
Vor der Partie gegen St. Pauli hatte Eigler diese Spielzeit auch erst zwei Mal getroffen. Zumeist war er Einwechselspieler gewesen. Und nun dieser legendäre Auftritt mit vier Volltreffern. "Ich habe einfach meine Chancen genutzt", sagte Eigler und genoss den Augenblick: "Es war ein einmaliges Erlebnis. Ein echtes Feuerwerk im Stadion."
Die Nürnberger Fans feierten ihren Goalgetter und sangen vom Europapokal. Zuletzt hatte der "Club" in der Saison 2006/2007 international gespielt. Aktuell liegt er als Sechster nur einen Punkt hinter Platz fünf, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt.
Dabei war Nürnberg nach der Hinrunde nur Elfter, hatte zum Relegationsplatz ebenso viel Vorsprung wie Rückstand auf die Europapokalränge. In diesem Jahr aber hat der FCN von den acht Bundesligapartien fünf gewonnen und nur eins verloren. Mit 17 Punkten ist Nürnberg zweitbeste Mannschaft der Rückrunde hinter Borussia Dortmund (18 Zähler).
Trotz der aktuellen Erfolge zeigte sich Tor-Held Eigler bescheiden. "Wir bleiben mit beiden Beinen auf dem Boden. Was nach oben geht, schauen wir mal. Wir lassen uns überraschen."
Auch Nürnbergs Coach Hecking wollte sich trotz sieben Spielen in Folge ohne Niederlage nicht aus der Reserve locken. "Ich bin eben gefragt worden, ob ich die Karte von Europa studieren würde", sagte er nach dem Sieg gegen St. Pauli: "Nein habe ich gesagt, die Karte von Niedersachsen habe ich drauf. Denn Wolfsburg ist unser nächster Gegner."
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