DFB-Manager besorgt über deutschen Fußball Bierhoff läutet die Alarmglocke

"Wir haben ein bisschen nachgelassen": DFB-Manager Oliver Bierhoff macht sich Sorgen um die Zukunft des Fußballs in Deutschland. Ein "Masterplan" müsse her.

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff
Bongarts/Getty Images

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff


Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff fordert eine neue Qualitätsoffensive aller Kräfte für den deutschen Fußball. "Es muss den nächsten Masterplan geben wie zuletzt 2000", sagte Bierhoff bei einem Hintergrundgespräch in München: "Das hört sich hoch gegriffen an, aber der nächste Schritt muss kommen."

Zuletzt hatten die deutschen Vereine Probleme im Europapokal, Bundestrainer Joachim Löw monierte zudem die spielerischen Defizite in der Bundesliga. "Die Situation ist nicht verheerend, wie sie 2000 war. Aber wir haben ein bisschen nachgelassen, das sieht man auch im U-Bereich oder bei den Frauen", sagte Bierhoff. "Alle Verantwortlichen, auch bei den Vereinen, haben die Zeichen gesehen, dass wir agieren müssen. Das sieht auch die Deutsche Fußball Liga so, mit der wir da auf einer Linie liegen. Die Liga ist da absolut offen."

Die Weiterentwicklung des deutschen Fußballs sei eine "Riesenaufgabe, davor habe ich Riesenrespekt. Wir müssen und wollen das Silo-Denken aufbrechen, agiler und vernetzter denken", forderte Bierhoff.

Ins WM-Jahr "starten wir bei null", verkündete der Teammanager. Der 49-Jährige schickte mit Blick auf das WM-Turnier eine klare Warnung an die WM-Kandidaten voraus: "Wenn wir erfolgreich sein wollen, dürfen wir kein Prozent nachlassen und vermissen lassen."

Das Team dürfe sich zwar vor seiner Rolle als Mitfavorit nicht verstecken. "Aber die Schlussfolgerung: Wir dominieren schon die Welt mit der jüngeren Confed-Cup-Mannschaft, was soll uns da noch aufhalten?" sei fatal: "Den Fehler dürfen wir nicht machen", mahnte Bierhoff: "Es gibt andere starke Mannschaften, die eine hohe Motivation haben."

Im Jahr 2000 war die deutsche Nationalmannschaft bei der EM in Belgien und den Niederlanden in der Vorrunde ausgeschieden. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagierte mit einer Ausbildungsoffensive und nahm die Vereine in die Pflicht, Nachwuchsleistungszentren einzuführen.

aha/sid



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quila 19.03.2018
1.
Ist das der Bierhoff, der den deutschen Fußballbund und damit die NM zu einer ausschließlich nach unternehmerischen Kriterien agierenden Truppe formen will? Bierhoff, ich glaube die Menschen verlieren einfach das Interesse an solchen konzertierten Eskapaden. Und das zeigt sich auch auf den Fußballplätzen und Stadien.
misterknowitall2 19.03.2018
2. Was soll man sagen?
Das ist Quatsch. Wir sind 2014 Weltmeister geworden. Und ob man im internationalen Bereich der vereinsmannschaft weit kommt, hängt jedes Jahr an so vielen Aspekten, unter anderem welcher Scheich wieviel Geld irgendwo hinsteckt.
Bueckstueck 19.03.2018
3. @quila
Es ist klar, dass du überhaupt nicht verstehst worum es geht - vermutlich willst du auch gar nicht verstehen, zumindest deutet die völlig am Thema vorbei geraunzte Gehässigkeit gegen Bierhoff darauf hin.
swf3 19.03.2018
4. Manchmal
muss auch ein Oliver Bierhoff unbedingt in die Schlagzeilen, um einfach ein Lebenszeichen zu senden. Denn bei der Personalie Bierhoff fällt es dem Beobachter schwer sich vorzustellen, was der eigentlich im Schatten der Mannschaft so schafft.
skeptikerjörg 19.03.2018
5. Vielleicht gerade noch rechtzeitig
Wenn Bierhoff mit dem "deutschen Fußball" a) die Nationalmannschaft und b) deutsche Spieler in deutschen Vereinen meint, dann hat er nicht unrecht. Es kommt nicht so wahnsinnig viel von unten nach. Hauptursache ist, dass die deutschen Vereine mehr und mehr einem (internationalen) Trent folgen und mittelmäßige ausländische Spieler dem deutschen Nachwuchs vorziehen. Mit der Folge, dass junge deutsche Spieler immer weniger Einsatzzeiten in der Bundesliga bekommen und sich dementsprechend auch wenig bis gar nicht entwickeln können. Selbst in Modellen wie Freiburg oder Leipzig, wo man in unterschiedlicher Weise auf junge Talente setzt, sind deutsche Spieler in der Startelf in der Regel in der Minderheit. Dass der deutsche Vereinsfußball im internationalen Vergleich an Qualität verliert, hängt im wesentlichen mit den ungleichen finanziellen Voraussetzungen zusammen. In der Spitze können sie nicht mithalten, selbst die Bayern können es sich nicht leisten, mehrere Jahre nacheinander 250 oder 300 Millionen für Spielerkäufe auszugeben, wie Real, Barca, PSG, ManCity, ManU, Liverpool, Tottenham, Juve es tun. Die anderen deutschen Vereine noch weniger. Viel gravierender aber sind die laufenden Kosten dieser Mannschaften, die jeden deutschen Verein ruinieren würden.
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