Mann aus Tonga Kampfsportler in Rio, Langläufer in Pyeongchang

Zweimal Olympia in eineinhalb Jahren? Pita Taufatofua hat sich diesen Traum erfüllt, weil er die Sportart gewechselt hat. Nun ist der Mann aus Tonga pleite, aber glücklich.

Pita Taufatofua in Rio de Janeiro
REUTERS

Pita Taufatofua in Rio de Janeiro


Halbnackt und stark eingeölt trug Pita Taufatofua vor eineinhalb Jahren die Fahne seines Landes in das Olympiastadion in Rio de Janeiro. Auf einen ähnlichen Moment wollte der Mann aus Tonga, einem Inselstaat im Südpazifik, nun offenbar nicht vier Jahre warten: Der 34-Jährige wird auch an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang teilnehmen - als Langläufer.

In Brasilien war Taufatofua noch beim Taekwondo angetreten und bereits in der ersten Runde gescheitert. Anschließend schulte er um: "Nach Rio habe ich entschieden, den härtestmöglichen Sport zu finden, weil ich eine neue Aufgabe brauchte", sagte der Sportler nach der gelungenen Qualifikation.

Taufatofua hat seit Rio 15 Kilogramm abgenommen, um schneller zu sein. Nun nimmt er als erster Skiläufer aus Tonga an Olympischen Winterspielen teil. Die besondere Herausforderung: Tonga ist nicht gerade ein Winterparadies, nur etwa zehn Wochen trainierte Taufatofua überhaupt auf Schnee. Die meiste Zeit musste er mit Skirollern arbeiten. In den ersten sieben Rennen verpasste er anschließend die Qualifikation, wurde oft Letzter.

Noch vor wenigen Tagen schien es so, als hätte sein langer Weg ein tragisches Ende genommen. Taufatofua schaffte es nicht zu einem Rennen in Kroatien, weil er nach vielen Problemen auf einer Reise durch mehrere Länder seinen entscheidenden Flug verpasste - und damit "das Rennen, das ihn "möglicherweise zu den Olympischen Spielen hätte bringen können". Das schrieb Taufatofua auf Instagram.

Aber er bekam noch eine Chance: In Island gab es ein letztes Rennen und damit die letzte Möglichkeit, sich zu qualifizieren. Taufatofua holte die entscheidenden Punkte. Seinen Erfolg beschrieb er anschließend als "Wunder". "Das Ziel war es, es innerhalb eines Jahres zu schaffen - und wir haben es innerhalb eines Jahres geschafft!", sagte er weiter.

Für seinen Traum musste der Athlet einiges auf sich nehmen - vor allem Kosten. Die langen Reisen, um an Qualifikationsrennen teilzunehmen, waren teuer. Der Aufwand habe sich allerdings gelohnt: "Wir haben alles geopfert, um hier zu sein. Finanziell geht es mir so schlecht wie noch nie, aber ich bin so glücklich wie noch nie", sagte Taufatofua.

aev

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insgesamt 13 Beiträge
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mimas101 20.01.2018
1. Dear Mr. Spiegel
mittlerweile weiß ich das die Spiele 2018 in einem vom IOC bestimmten uralten Naturschutzgebiet in Kim Under ausgetragen werden. Und nicht nur das, hier wurde ich mit Karten und sonstwas verwöhnt um auch genau zu wissen wo das Kim Under eigentlich liegt und wo Kim Not Under seinen Regierungspalast hat. Aber wo bitte um alles in der Welt ist Tonga auf dem Globus zu finden? Bis jetzt weiß ich nur aus uralten Sagen das man sich gar wundersames erzählt über ein Land in dem jeder in Baströckchen herumläuft, die Fische einem in blauen Lagunen in den Mund fliegen, 366 Tage im Jahr die Sonne scheint und dort mit Muschelgeld bezahlt wird (das man selbst aufsammelt und dann selbst einen bestimmten Wert zuweist). Es muß also ein Paradies sein.
betonklotz 20.01.2018
2. Eine etwas irritierende Überschrift
Kampfsportler aus Rio, der Gute stammt aber nicht aus Rio, sondern aus Tonga. Ansonsten hört sich das ganze nach einem sympathischen Irren an. Erinnert etwas an Eddie the eagle. Ehrlich gesagt finde ich solche Leute bei einer so verlogenen Kommerzveranstaltung wie es Olympia heutzutage nunmal leider ist fehl am Platze. Ehe das einer falsch versteht, das richtet sich nicht gegen solche Leute und ihren Idealismus, ganz im Gegenteil.
mucschwabe 20.01.2018
3. @mimas101
Tonga liegt nördlich von Neuseeland. Und es ist wunderschön dort. Palmenstände und viele nette Menschen mit Humor. An einem Grab, an dem unser Taxifahrer mit uns vorbeifuhr, steckten jede Menge leere Schnapsflaschen (er sollte auch im Jenseits nicht darauf verzichten müssen). Wir waren dort mal für ein paar Tage und ich denke immer noch sehr gerne an an das Königreich Tonga mit ihrem homosexuellen König. Auf Tonga gibt es überall reichlich zu essen, man holt es sich einfach von den Bäumen. Privater Besitz gibt es quasi nicht. Man leiht sich einfach Dinge vom Nachbar mal aus. Dadurch sind die Leute dort eher arm, weil es sich nicht lohnt, was zu sparen. Ich kann es sehr nachvollziehen, dass dieser Athlet unbedingt nochmal zu den Olympischen Spielen will. Er wird der Nationalheld von Tonga. Gehen Sie mal hin! Es lohnt sich! Schauen Sie mal unter FaFa Island Resort nach. Das ist paradiesisch!
mimas101 20.01.2018
4. Protest
Zitat von betonklotzKampfsportler aus Rio, der Gute stammt aber nicht aus Rio, sondern aus Tonga. Ansonsten hört sich das ganze nach einem sympathischen Irren an. Erinnert etwas an Eddie the eagle. Ehrlich gesagt finde ich solche Leute bei einer so verlogenen Kommerzveranstaltung wie es Olympia heutzutage nunmal leider ist fehl am Platze. Ehe das einer falsch versteht, das richtet sich nicht gegen solche Leute und ihren Idealismus, ganz im Gegenteil.
Sympathischer Irrer klingt so negativ besetzt. Ich würde eher Idealist nehmen der immerhin so gut ist das er die internationalen Qualifikationen geschafft hat. Und genau das ist Olympia. Und ich würde diesen Tonganesen lieber auf dem Siegertreppchen sehen als die ganzen üblichen, bis zur Halskrause gedopten, langweiligen Rennmaschinen die sich schon mal ausrechnen wie ihr Marktwert sein wird.
Lankoron 20.01.2018
5. Welcher Wintersportler
mit sehr wenigen Ausnahmen, hat denn einen wirklichen "Marktwert"? Die meisten leben von ganz normalen Finanzen, ich glaube kaum, dass selbst die megaerfolgreichen Biathletinnen oder Rodler/innen aus Spass Bundesbeamte sind. Und wen ich den Trainingsaufwand und die Wetkämpfe samt Vor- und Nachbereitung so ansehe, glaube ich auch kaum, dass die 23h auf der faulen Haut liegen, 1h langlaufen, und 8 Monate im Jahr frei haben. Ja, der Kommerz der Spiele ist zu verurteilen, aber das liegt seltenst an den Sportlerinnen und Sportlern. Und fragen sie doch mal nach, was eine Wettkampfsiegerin wie Laura Dahlmeier mit den 11000 Euro macht....ich glaube nicht, dass da viel bei ihr hängen bleibt.
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