BVB-Torjäger Paco Alcácer Alle 14 Minuten ein Tor

Sechs Tore in 81 Bundesliga-Minuten: Dortmunds Paco Alcácer trifft bislang, wie er will. Die Quote wird der Stürmer kaum halten können. Sein Wert für Trainer Lucien Favre dürfte aber sogar noch steigen.

Paco Alcácer
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Paco Alcácer

Von Tobias Escher


Wer nach Tor-Rekorden in der Bundesliga sucht, findet nur eine Antwort. Welcher Stürmer erzielte die meisten Bundesliga-Tore? Gerd Müller. Wer gewann am häufigsten die Torjäger-Kanone? Gerd Müller. Wer erzielte am häufigsten zwei, drei, vier, fünf Tore in einem Spiel? Natürlich: Gerd Müller. Auf eine Frage gibt es seit Borussia Dortmunds 4:3-Erfolg über den FC Augsburg eine neue Antwort. Welcher Bundesliga-Stürmer weist die höchste Torquote auf? Paco Alcácer.

Drei Bundesliga-Partien absolvierte Alcácer, 25, für den BVB, allesamt als Einwechselspieler. In 81 Minuten Spielzeit erzielte er sechs Tore. Alle 14 Minuten ein Treffer - da verblasst sogar Müller. Der "Bomber der Nation" schoss alle 104 Minuten ein Tor.

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Alcácer ist der neue Liebling in Dortmund. Gegen Augsburg erreichte er einen SPIX von 100. Im Bereich "Torgefahr" erreichte er ebenfalls eine 100, also den höchstmöglichen Wert. Doch es wäre falsch, ihn auf seine fast schon surreale Torquote zu reduzieren. Für Dortmunds Trainer Lucien Favre ist Alcácer mehr als nur ein Torjäger. "Er spürt Fußball, ist sehr geschickt", sagte der Schweizer nach dem Augsburg-Spiel.

In der Tat: Alcácer ist der perfekte Stürmer für Favres Spielsystem. In Dortmund übernimmt der 13-fache spanische Nationalspieler zwar die Position der alleinigen Spitze. Er ist jedoch kein klassischer Sturmtank. Lange Bälle verarbeiten oder sich gegen drei Gegenspieler durchsetzen - das sind nicht die Stärken des 1,73 Meter kleinen Angreifers. Alcácer ist wendig, technisch beschlagen, verfügt über einen herausragenden ersten Kontakt. Er benötigt allerdings flache Zuspiele, um diese Stärken zur Geltung zu bringen.

Beim FC Barcelona, von wo aus Alcácer nach Dortmund ausgeliehen wurde, kam er im Sturmzentrum nicht vorbei an Luis Suárez, dem ebenfalls eher kleinen, aber körperlich robusteren Stürmer-Star. Alcácer kam häufig auf dem Flügel zum Einsatz. Hier konnte er aber seinen Zug zum Tor und sein starkes Ablagenspiel nicht einbringen, zumal Barças Spiel zugeschnitten ist auf Superstar Lionel Messi.

BVB-Trainer Favre setzt den Stürmer da ein, wo er hingehört: im Angriffszentrum. Der Coach bevorzugt ein flaches Passspiel. Den Ball in den eigenen Reihen laufen lassen, dann mit einem vertikalen Pass das Tempo erhöhen: Das fordert Favre von seiner Mannschaft. Ohne Alcácer fehlt ihr jedoch ein Anspielpunkt in der gegnerischen Hälfte. Dortmund kann das eigene Ballbesitzspiel nicht in die Spitze tragen.

Genau diese Facette bringt Alcácer in das Dortmunder Spiel: Er lässt sich etwas fallen, bietet sich zwischen den Linien an. Zuspiele leitet er mit dem ersten Kontakt zu Teamkollegen weiter, anschließend startet er mit Vollgas in den Strafraum. Zugleich zieht Alcácer Gegenspieler auf sich. Das eröffnet wiederum Räume für seine Mitspieler. Gerade Marco Reus profitiert davon.

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Am Strafraum angelangt, schlägt Alcácers Stürmer-Instinkt an: Er erkennt Lücken in der gegnerischen Abwehr, stiehlt sich immer wieder frei. Als Außenstürmer ging diese Facette seines Spiels unter. Favre hat sie wiederentdeckt.

Noch kommt Alcácer nur als Einwechselspieler zum Einsatz. "Ich weiß, was er kann", sagt Favre, doch: "Paco ist seit drei Jahren nicht über die vollen 90 Minuten gegangen." Als Teilzeitarbeiter profitiert der Stürmer von der nachlassenden Fitness seiner Gegenspieler. Er selbst sprintet ständig hinter die Abwehr, hetzt gegnerische Verteidiger. Über neunzig Minuten dürfte das nicht funktionieren. Die herausragende Torquote wird nicht zu halten sein.

Trotzdem wird Favre ihn in die Startformation berufen, vielleicht schon nach der Länderspielpause gegen den VfB Stuttgart. Alcácer könnte sich in den kommenden Monaten zum Fixpunkt des Dortmunder Spiels entwickeln - und das auch ohne Rekord-Torquote.

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insgesamt 32 Beiträge
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teichenstetter 10.10.2018
1. Ich seh schon wieder
das die Bayern ihren Portmonee zücken. Mit der üblichen verbalen Beigabe...
gammoncrack 10.10.2018
2. AlsBVB-Fan finde ich es toll, wie
dieser Stürmer einschlägt. Ich vergesse aber auch nicht, dass Lewandowski 2015 5 Tore in 9 Minuten geschossen hat. Nimmt man das nächste Spiel noch dazu, waren es letztlich 7 Tore in 90 Minuten. Das wären dann wohl alle 13 Minuten ein Treffer. Vielleicht wäre das zumindest in diesem Zusammenhang auch erwähnenswert.
golfstrom1 10.10.2018
3. Paco Alcacer
Ich glaube die Dortmunder haben sich bei ihm eine Kaufoption von 25 Mio zusichern lassen. Das ist auch die richtige Idee. Wobei natürlich in Frage gestellt wird was passiert, wenn Paco 20-25 Tore und mehr schießen sollte. Ich kann mir gut vorstellen, dass Barcelona da schon interessiert sein wird ihn zurückzuholen und möglicherweise ähnlich einzusetzen wie die Dortmunder. Aber grundsätzlich ein sehr kluger Transfer des BVB wie auch die anderen Transfers dieses Sommers.
gnarze 10.10.2018
4. Gute Quote, aber
mal abwarten, wenn er auch mal 90 Minuten spielen darf/muss, und die Gegner nicht so müde sind.
Oihme 10.10.2018
5. Barcelona ...
Zitat von golfstrom1Ich glaube die Dortmunder haben sich bei ihm eine Kaufoption von 25 Mio zusichern lassen. Das ist auch die richtige Idee. Wobei natürlich in Frage gestellt wird was passiert, wenn Paco 20-25 Tore und mehr schießen sollte. Ich kann mir gut vorstellen, dass Barcelona da schon interessiert sein wird ihn zurückzuholen und möglicherweise ähnlich einzusetzen wie die Dortmunder. Aber grundsätzlich ein sehr kluger Transfer des BVB wie auch die anderen Transfers dieses Sommers.
... ist sogar sehr daran interessiert, Alcácer zurückzubekommen, wenn dieser sich in Dortmund tatsächlich zur internationalen bzw. Weltklasse durchsetzt. Zwar hat der BVB tatsächlich eine Kaufoption, die der Verein (Stand jetzt) vermutlich auch ziehen wird, Barcelona hat sich aber im Gegenzug ein "Matching Right" bezüglich Alcácer gesichert. Will der BVB Alcácer also irgendwann verkaufen, müssen die Dortmunder Barça zeitgleich über jedes ihnen vorliegende Angebot weiterer Vereine informieren.
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