Sunderland-Trainer: Di Canio wehrt sich gegen Rassismusvorwürfe

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Fußballtrainer di Canio (Archivbild): "Ich will nicht mehr über Politik sprechen"

"Mein Leben spricht für sich" - mit eher fragwürdigen Argumenten hat sich Paolo Di Canio gegen die Rassismusvorwürfe gewehrt. Ihm seien Dinge falsch ausgelegt worden, so der Trainer, der sich als Faschist bezeichnet hatte. Sein neuer Club Sunderland sprach von Missverständnissen.

Hamburg - Der umstrittene Paolo Di Canio, neuer Trainer des englischen Erstligisten AFC Sunderland, hat sich gegen die Rassismusvorwürfe gewehrt. Sie seien "absolut dumm" und "lächerlich", teilte der Italiener in einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem Club mit. "Wenn ich jemanden verletzt haben sollte, tut es mir leid", so Di Canio. Ihm seien aber Dinge falsch ausgelegt worden. Er wolle nicht über Politik reden, "weil das nicht mein Gebiet ist. Wir sind nicht im Parlament, sondern auf dem Fußballplatz".

Bekannt wurde Di Canio allerdings vor allem auch wegen seiner politischen Haltung, die während seiner Zeit in Italien immer wieder für Negativschlagzeilen sorgte. "Ich bin ein Faschist, aber kein Rassist", sagte er 2005, nachdem er den "römischen Gruß" gezeigt hatte. "Der gestreckte Arm ist ein Gruß unter Kameraden. Ich will niemanden zu Gewalttaten oder Rassenhass anstacheln", so Di Canio damals. Zudem bekundete er mehrfach seine Sympathien für den faschistischen Diktator Benito Mussolini. In seiner Autobiografie schrieb der Fußballer, Mussolini sei im Prinzip eine höchst moralische Person gewesen, die völlig missverstanden worden sei.

Nun teilte er mit: "Es können in der Vergangenheit Dinge passiert sein, aber was zählt, sind die Fakten." Sein Leben spreche für sich, so der 44-Jährige. "Natürlich verletzt es mich, weil Leute versuchen, mir meine Würde zu nehmen. Das ist nicht fair." Di Canio kündigte an, dass er sich nicht an Diskussionen über politische Einstellungen beteiligen werde: "Ich will nicht mehr über Politik reden. Ich bin keine politische Person. Ich will über Fußball reden."

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Faschismus im Stadion: Paolo Di Canios umstrittener Jubel
Beim AFC Sunderland hatte die Verpflichtung sofort für Zwist gesorgt. Der Labour-Politiker und frühere Außenminister Großbritanniens, David Miliband, legte aus Protest über die "vergangenen politischen Stellungnahmen" Di Canios sein Amt im Aufsichtsrat des Vereins nieder. Miliband hatte erst am vergangenen Mittwoch angekündigt, sich aus der Politik zurückzuziehen.

Nachdem zuvor bereits Clubeigner Ellis Short die Verpflichtung des Italieners verteidigte hatte, bekam Di Canio auch Unterstützung von Vereinspräsidentin Margaret Byrne. "Ihn als Rassisten zu beschuldigen oder ihm faschistische Sympathien zu unterstellen, wie es einige gemacht haben, beleidigt nicht nur ihn, sondern auch die Integrität dieses Fußballvereins", so Byrne. Im Vorfeld der Verpflichtung habe Di Canio ausführlich die Missverständnissen um seine Person, sowie Aussagen und Taten in der Vergangenheit aufgeklärt.

Di Canio war am Montag als Nachfolger von Martin O'Neill vorgestellt worden, der am Samstag nach der 0:1-Heimniederlage gegen Manchester United entlassen worden war. Di Canio werde einen Zweieinhalbjahresvertrag unterschreiben, hatte der abstiegsbedrohte Tabellen-16.am Sonntag bekanntgegeben. Zuletzt war der Italiener im Februar beim Drittligisten Swindon zurückgetreten, nachdem er öffentlich seine Spieler kritisiert hatte. Es war seine erste Station als Trainer.

In seiner aktiven Karriere hatte Di Canio fast 200 Spiele für die englischen Clubs Sheffield Wednesday, West Ham United und Charlton Athletic absolviert, dabei hatte der Angreifer über 60 Tore geschossen.

max/dpa

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1. Er ist wenigstens ehrlich
Dresdner02 01.04.2013
Zitat von sysop""Ich bin ein Faschist, aber kein Rassist", sagte er 2005, nachdem er den "römischen Gruß" gezeigt hatte. "Der gestreckte Arm ist ein Gruß unter Kameraden. Ich will niemanden zu Gewalttaten oder Rassenhass anstacheln", so Di Canio damals. Paolo Di Canio wehrt sich gegen Rassismus-Vorwürfe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/paolo-di-canio-wehrt-sich-gegen-rassismus-vorwuerfe-a-891934.html)
Was soll man dazu noch groß diskutieren, er hat doch alles selbst gesagt! Die Äußerungen der Clubführung sind damit widerlegt. Selbst wenn Herr Di Canio sich in seinem Leben nur mit Fußball beschäftigt haben sollte, müsste er doch mal davon gehört haben, was der Faschismus und der von ihm verehrte Herr Mussolini angerichtet haben. Ein Armutszeugnis für den Fußballclub, der diesem Menschen eine Bühne bietet. Bleibt zu hoffen, dass er von Jugendmannschaften ferngehalten wird und die Profis sich ihre eigene Meinung bilden (wobei angesichts der häufigen rassistischen Beleidigungen in den englischen Stadien er vielleicht sogar dort ganz richtig ist).
2.
DorianH 01.04.2013
Wenn er jetzt behauptet, daß er keine politische Person sei und nur über Fußball reden wolle....warum hat er denn dann seine politischen Ansichten auf den Fußballplatz getragen, als er diesen Gruß zeigte? Ich hab eher das Gefühl, daß er eine für ihn unangenehme Diskussion abwürgen will.
3. Hmm
axel h. 01.04.2013
Zitat von Dresdner02(wobei angesichts der häufigen rassistischen Beleidigungen in den englischen Stadien er vielleicht sogar dort ganz richtig ist).
Das hab ich noch nie gehört. Würde mich auch wundern, da in der Premier League meines Wissens sehr viele Schwarze spielen. Ich bin eher überrascht, dass dieser Typ da überhaupt verpflichtet wurde.
4. Fachlich ist er ein Top Trainer
titusjunior 01.04.2013
Alles andere muss man erst einmal abwarten. Sicherlich hat er Dinge gesagt und getan welche nicht korrekt sind. Und die Diskussion darueber ist bestimmt nicht angenehm fuer ihn und seine Familie, aber hier geht es um einen Trainer job und nicht um ein politisches Amt, und solange er sich keinen Fehltritt leistet soll er seine Arbeit machen.
5. Kommt leider doch vor
Dresdner02 01.04.2013
Zitat von axel h.Das hab ich noch nie gehört. Würde mich auch wundern, da in der Premier League meines Wissens sehr viele Schwarze spielen. Ich bin eher überrascht, dass dieser Typ da überhaupt verpflichtet wurde.
Neben den "Fans" die öfter mal mit Hitler-Grüßen etc. auf sich aufmerksam machen, sind es auch leider auch die Spieler selbst: John Terry, Kapitän des FC Chelsea, wurde wegen der rassistischen Beleidigung von Anton Ferdinand für vier Spiele gesperrt worden, Liverpool-Stürmer Luis Suarez musste für das gleiche Vergehen acht Spiele zusehen, er hatte Patrice Evras beleidigt.
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