Verdächtiger Sponsoren-Deal Uefa ermittelt gegen Paris St. Germain

Hat Paris St. Germain gegen das Financial Fair Play verstoßen? Die Uefa ermittelt gegen den französischen Spitzenclub. Es geht um einen Sponsoren-Deal in Höhe von 200 Millionen Euro jährlich. Dem Champions-League-Viertelfinalisten drohen empfindliche Strafen.

PSG-Star Ibrahimovic: Ermittlungen der Uefa
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PSG-Star Ibrahimovic: Ermittlungen der Uefa


SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Als erster bedeutender europäischer Großverein ist Paris St. Germain ins Fadenkreuz der Fahnder der Europäischen Fußball-Union geraten. Schon zweimal mussten Vertreter des Vereins in den vergangenen Monaten am Uefa-Sitz in Nyon antreten, um einen Sponsorenvertrag in exorbitanter Höhe zu rechtfertigen.

QTA, das Touristenwerbebüro für Katar, überweist jährlich 200 Millionen Euro an die Franzosen, um Werbung dafür zu treiben, Urlaub im Wüstenland zu buchen. Unverhältnismäßig findet das die unabhängige Uefa-Kontrollinstanz der Finanzen der Clubs, die an Champions League oder Europa League teilnehmen. Zum Vergleich: Der Vertrag zwischen Manchester City und Abu Dhabi Tourismus beläuft sich auf 15 Millionen Euro pro Jahr.

Paris könnte mit diesem Sponsorenvertrag die 45 Millionen Euro Netto-Schulden, die der Club in dieser und der nächsten Saison gemäß Uefa-Regeln noch machen darf, finanzieren. Nachteilig wirkt sich für Paris aus, dass der Sponsoren-Deal offenbar auf nur zwei DIN-A-4-Seiten festgehalten ist, ungewöhnlich für ein Sponsoring in dieser Größenordnung. Ein erstes Urteil wird Ende des Monats erwartet. Es gibt aber eine Berufungsinstanz.

Moratorium oder Titelentzug

Jean-Claude Blanc, der Generaldirektor von Paris St. Germain, erklärt seine Verteidigungsstrategie: "Katar will in den nächsten zehn Jahren zu einer Touristenattraktion werden. Dazu müssen das Land, seine Möglichkeiten, seine Attraktivität bekannt werden. Dazu trägt Paris St. Germain bei. Deshalb verteidigen wir diesen Vertrag nicht arrogant, sondern aus Überzeugung."

Falls die Uefa trotz dieser Argumente den Vertrag für "unverhältnismäßig" hält, kann sie den Marktwert einer solchen Vereinbarung festsetzen. In diesem Fall wären die Konten des französischen Meisters, der Qatar Investment gehört, im roten Bereich und Paris müsste mit Sanktionen rechnen. Diese können von einem Moratorium bis zu einem Titelentzug reichen. Für Qatar Investment arbeitet der Sohn von Uefa-Präsident Michel Platini, Laurent Platini, als Rechtsanwalt.

Ein Moratorium würde bedeuten, dass sich der Verein in den nächsten Jahren einer strikten Kontrolle der Uefa unterwirft, was Transfers und Gehaltsmasse betrifft. Titelentzug würde bedeuten, dass, sollte PSG in diesem Jahr die Champions League gewinnen, der Titel aus allen Jahrbüchern gestrichen würde.

Am Dienstag trifft PSG im Viertelfinalrückspiel der Königsklasse auf den FC Chelsea, das Hinspiel in Paris hatte der französische Meister 3:1 gewonnen. Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, gleichzeitig Chef der europäischen Club-Vereinigung ECA, hatte das Vorgehen von Paris bereits häufiger als "unfair" bezeichnet.

chp/sid



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insgesamt 51 Beiträge
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boeserwu 07.04.2014
1.
Ich bin ja mal gespannt, wie das Urteil ausfällt. Es sollte auf europäischer Ebene ein Lizensierungsverfahren eingeführt werden, dass sich an dem deutschen Verfahren orientiert. Dann spielen Vereine wie Real Madrid in der Bauernliga...
gekkox 07.04.2014
2. Da täuschst Du Dich
Zitat von boeserwuIch bin ja mal gespannt, wie das Urteil ausfällt. Es sollte auf europäischer Ebene ein Lizensierungsverfahren eingeführt werden, dass sich an dem deutschen Verfahren orientiert. Dann spielen Vereine wie Real Madrid in der Bauernliga...
Schon mal die Umsätze und das Vermögen von Real angeschaut? Das dieser Verein nicht sonderlich gut wirtschaftet, darüber sind wir uns wohl einig, aber die Kriterien für eine Bundesligalizenz erfüllen sie - auch wenn das dem einen oder anderen Knastbruder nicht ins Konzept passt.
ödi 07.04.2014
3. optional
Warum? Real macht sein Jahren Gewinne.
ödi 07.04.2014
4. optional
Warum wirtschaftet der Verein nicht gut wenn er Gewinne macht? Und dürfen Audi und Allianz bei den Bayern ihre Fahnen umsonst aufhängen? Fragen über Fragen...
vonkniestaedt 07.04.2014
5. Real hat 500 Millionen Schulden.
Vor nicht einmal 10 Jahren seine Immobilien verkauft bei ca. 700 Millionen Schulden. Heute sind es wieder ca. 500 Millionen Schulden und das bei Liga/TV Einnahmen von 150 Millionen p.a. Sie würden die Kriterien in der BL eben nicht erfüllen!
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