Peinliche Panne Dynamo Dresden schickt NPD Sponsoren-Anschreiben

Ungewollte Kundschaft: Der NPD-nahe "Deutsche Stimme"-Verlag erhält von Drittligist Dynamo Dresden eine Einladung zum Kauf von VIP-Karten und versucht, den Fauxpas propagandistisch auszuschlachten. Der Verein ist entsetzt und spricht von einem Versehen des Vermarkters.

Von


Hamburg - Als der Verlagsleiter der NPD-Zeitung "Deutsche Stimme" den Briefkasten leerte, war die Freude groß: Dynamo Dresden, der wohl populärste Verein in den fünf neuen Bundesländern, bot dem "sehr geehrten Herrn Pühse" VIP- und Logenplätze für das neu errichtete Stadion an und pries die exzellenten Werbemöglichkeiten an: "In diesem exklusiven Ambiente können Sie die einzigartige Atmosphäre des Stadions genießen und zugleich neue Geschäftskontakte knüpfen".

NPD-Propaganda in Dresden: Bei Dynamo unerwünscht
ddp

NPD-Propaganda in Dresden: Bei Dynamo unerwünscht

Dass Jens Pühse, der 2004 in Leipzig für die NPD bei den sächsischen Landtagswahlen kandidierte und im Bundesvorstand sitzt, bei Dynamo ernsthaft erwünscht ist, kann er nicht geglaubt haben - obwohl sich in der Dynamo-Fanszene auch zahlreiche Kameradschaftsaktivisten und NPD-Sympathisanten befinden. Allerdings hat sich der Verein in der jüngeren Vergangenheit mehrfach deutlich gegen die Rechtsextremisten positioniert.

Dass sich das Schreiben dennoch zu einem propagandistischen Erfolg nutzen lassen würde, war ihm und seinen Parteifreunden schnell klar. Bereits wenige Stunden nach Eingang der Werbung verschickte Jürgen Gansel, sächsischer NPD-Landtagsabgeordneter, ein Schreiben, das sich genüsslich über die angebliche Doppelzüngigkeit des Vereins auslässt.

Der habe sich vor der Landtagswahl 2004 einer "großen Anti-NPD-Initiative" der Stadt Dresden angeschlossen, "alle damaligen Spieler mussten eine Liste unterschreiben, in der sie sich gegen 'rechts' positionieren. Das Beispiel Dynamo zeigt: Sobald man mit den Rechten Geld verdienen kann, wird der groteske Kampf gegen Rechts ad acta gelegt und Normalität im Umgang mit der NPD gepflegt." Man überlege nun, so Gansel weiter, "diese Kontaktchancen für den 'Deutsche Stimme'-Verlag tatsächlich zu nutzen".

Buchtipp
Christoph Ruf / Olaf Sundermeyer

"In der NPD -
Reisen in die National Befreite Zone"

Beck'sche Reihe; 2009; 229 Seiten; 12,95 Euro

Mehr Informationen unter www.in-der-npd.de

Einfach und bequem im SPIEGEL-Shop bestellen

Das wird der NPD jedoch nicht gelingen. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE äußerte sich Dynamo-Pressechef Peter Tauber wenig druckreif über die rechtsextreme Partei: "Alle Spieler haben damals freiwillig gegen diese Partei unterschrieben, das sind erwachsene Leute, die uns nicht brauchen, um gegen diese Leute Position zu beziehen." Und selbstverständlich habe man auch nie die Absicht gehabt, NPD-Aktivisten ins Stadion zu locken: "Glauben Sie mir, wenn es die letzten vier Logen wären und die uns den 40-fachen Preis zahlen - wir würden an diese Leute keine Plätze verkaufen."

Umso zerknirschter zeigte sich Tauber über das Missgeschick der Vermarktungsagentur "Sportfive": Die habe von einem externen Dienstleister 18.000 Adressen eingekauft und für ein standardisiertes Anschreiben genutzt. Dass die Marketingleute weder beim Namen Jens Pühse (einem der exponiertesten sächsischen NPD-Kader) noch bei der Verlaganschrift Riesa (dem logistischen Zentrum des Landesverbandes) noch beim Namen "Deutsche Stimme"-Verlag hellhörig wurden, erklärt Tauber mit dem Umstand, dass keiner der Kollegen aus Sachsen stamme. "Dem 'Deutsche Stimme'-Verlag schreiben wir sofort noch einmal: Und zwar, dass sie das erste Anschreiben als gegenstandlos zu betrachten haben."



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.