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Guardiolas Abgang beim FC Bayern: Aus Fehlern gelernt

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Josep Guardiola: Hat aus seinen Fehlern gelernt

Den wichtigsten Pokal hat Josep Guardiola mit dem FC Bayern noch nicht gewonnen. Doch selbst wenn der Triumph in der Champions League ausbleibt, hat der Trainer in München Großes geleistet. Dass er geht, ist ein gutes Zeichen.

Ob Josep Guardiola aufhört, wenn es am schönsten ist, entscheidet sich spätestens am Abend des 28. Mai 2016 in Mailand. Sollte der Katalane im Frühling mit dem FC Bayern den Champions-League-Pokal gewinnen, wäre es ein perfekter Abschluss. Dass Guardiola geht, wenn es am sinnvollsten ist, steht hingegen jetzt schon fest.

Die Entscheidung, nicht zu verlängern, ist ein gutes Zeichen für Guardiola. Sie zeigt, dass der 44-Jährige aus seinen Fehlern gelernt hat.

Ende 2009 hatte Guardiola, damals noch Trainer des FC Barcelona, dem SPIEGEL gesagt: "Sobald ich das Feuer nicht mehr spüre, gehe ich zum Präsidenten, um mich zu verabschieden, aber bis dahin lebe ich den Job kompromisslos." 2012 zog sich Guardiola zurück, um bei einem Sabbatjahr in New York Kraft zu tanken.

Zu spät, wie er später sagte, er hätte früher aufhören sollen. Doch aus alter Verbundenheit hatte er sich nach einem Dreijahresvertrag zu einem weiteren Jahr überreden lassen. Es tat ihm nicht gut, es tat dem Verein nicht gut. In der Liga wurde Barça mit neun Punkten Rückstand auf Real Madrid Zweiter, in der Champions League wurde man im Halbfinale von Chelsea zermürbt. Danach waren alle urlaubsreif, vor allem der Trainer. Zwei Tage nach dem Aus kündigte er seinen Abschied an.

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Bayern-Trainer Josep Guardiola: Hinhaltetaktikexperte
Es wäre sehr verwunderlich, wenn der getriebene Analytiker Guardiola seine Spieler bis ins kleinste Detail hinterfragt, sich selbst aber nicht. Der Katalane weiß, dass ihm eine Zeit in München ohne Europapokaltriumph nachhängen würde, er könnte es verschmerzen. Guardiola weiß nämlich auch, was er an der Säbener Straße schon geleistet hat. Es ist keine Zeit für falsche Romantik, wie damals bei seinem Herzensklub FC Barcelona, es ist Zeit zu gehen.

Wenn man Fußball als Spiegelbild der Gesellschaft heranziehen will, bitte sehr - hier passt der Vergleich endlich mal: Guardiola als Projektmanager, der den FC Bayern einmal umgestülpt hat. Länger als drei Jahre bleiben auch Unternehmensberater selten im Job. Zu hoch ist die Belastung durch die langen Arbeitstage, die Verantwortung, die vielen Reisen. Guardiola wurde geholt, um diesen Verein nach dem Triple unter Jupp Heynckes auf die nächste Stufe zu führen.

Die Entscheidung, nicht zu verlängern, ist auch ein gutes Zeichen für Bayern München. Sie zeigt, dass Guardiolas Job dort erledigt ist.

Wenn der Trainer im Sommer geht, nach Manchester, London oder noch mal nach New York für ein weiteres Jahr Auszeit, wird er seinem Nachfolger Carlo Ancelotti eine so gute Mannschaft übergeben, wie es sie in der jüngeren Geschichte des Vereins noch nicht gegeben hat.

Manch einem Fan mag es einen Stich ins Herz versetzt haben, als Mario Gómez eine Woche nach Guardiolas Amtsantritt im Sommer 2013 aus dem Verein gedrängt wurde. Deutlich lauter war der Aufschrei, als vor dieser Saison Bastian Schweinsteiger den Klub verließ. Zwischendurch erwischte es noch Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Aber Guardiola wurde nun mal geholt, um den Verein als Ganzes zu optimieren. Dass er dabei auf Laufwerte und Passstatistiken achtet, aber nicht auf große Namen, wusste der Verein von Anfang an.

Ancelotti wird an Guardiolas Stil anknüpfen und mit dem vorhandenen Kader bestens auskommen. Das eigentliche Vermächtnis von Guardiola ist, dass es egal gewesen wäre, wer sein Nachfolger wird: Diese Mannschaft hat die Spielertypen und das Wissen, um jede erdenkliche Taktik erfolgreich umzusetzen. Ballbesitz, Kontern, Kurzpassspiel oder viele Flanken - die Bayern können inzwischen eigentlich alles. Dank Guardiola.

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insgesamt 95 Beiträge
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1.
wo_ist_all_das_material? 20.12.2015
Mit Verlaub, auch eine Entlassung zeigt, daß der "Job erledigt" ist. Davon abgesehen, finde ich es erfrischend, einmal einen Artikel zum Thema Pep zu lesen, wurde doch bisher ein Mantel des Schweigens über die Causa gebreitet, der seinesgleichen sucht. Endlich gibt es auch die heißersehnte Themenseite! Hoffentlich werden wir angemessen über des Wundertrainers Zukunft informiert, die Befindlichkeiten der werten Gattin und der lieben Kleinen! Vielleicht macht er aber auch ein Jahr Pause, um in Krasnojarsk oder Innsbruck Englisch zu lernen?
2. kann ich nicht zustimmen
mike.bauer 20.12.2015
1 . Guardiola wurde lange vor dem Triple geholt. Dabei ging es ausdrücklich um den Sieg in der CL, wie er selbst sehr oft betonte. 2. Ob der Abgang von Müller-Wohlfahrt eine "Optimierung" darstellt, darf bezweifelt werden. Immerhin vertrauen viele Sportstars auf sein Wort. Zudem waren die durch zu frühen Einsatz bedingten, langen Verletzungspausen der Stars (zuletzt Ribery) häufig der Genickbruch in den entscheidenden Halbfinals. 3. Die Frage ist doch, was bleiben wird. Wird er zB Thiago mitnehmen? Ist die notwendige Verjüngung dann vollbracht? Warum hat er keinen Jungendspieler hochgebracht?
3. Und dann....??
aurichter 20.12.2015
Zitat/ Zu hoch ist die Belastung durch die langen Arbeitstage, die Verantwortung, die vielen Reisen. Guardiola wurde geholt, um diesen Verein nach dem Triple unter Jupp Heynckes auf die nächste Stufe zu führen./Ende. ......soll es in England beschaulicher zugehen? Dies als Erklärung und Ausrede gelten zu lassen, ist sehr billig. Die Arbeit wird dort nicht weniger. Was dort besser funktioniert, er wird Spieler und Ablösen mit dem Vereinsscheckbuch leichter einkaufen können. Da wird es nur so sprudeln an Ablösen, wobei man vermuten kann, daß die abgebenden Vereine hoffentlich so hoch pokern wie einst Mr.Levy bei dem Bale Transfer. Die Spieler werden teurer, denn Super Super Spieler sind halt kostspieliger. Mit Guardiola System wird es bei City einige, viele treffen, die da nicht passen. Geht er zu Chelsea, dann zahlt Abramo sicher auch gern - für einen weiteren CL Titel.
4.
peteatro 20.12.2015
Eine One-Mannschafts-Show ist zu langweilig für Guardiola. Die Schwäche der Bundesliga-Teams treibt ihn nach England. Nun scheint sein Bestreben zu sein als eine Art Messias mit seiner Spielweise den englischen Fußball zu erneuern und seine Botschaft in ein neues Land zu tragen. Es kann so nicht gedacht gewesen sein, denn man lernt normalerweise nicht Deutsch, um nach drei Jahren wieder zu verschwinden. Erneuert hat Guardiola noch etwas, die Interview-Technik: diese schleimigen roboterhaften Lobessätze (Super, Superspieler usw.) zu jedem Thema, hinter denen er zu nichts und niemand ernsthaft Stellung beziehen musste. Und nicht einmal habe ich von einem Journalisten gehört, dass er sich diese Art von Antworten verbitten möchte. Dieses "cleane" Verhalten muss nun England ertragen und den tollen Fußball bekommen sie noch als Zugabe.
5. Guter Kommentar
Sal.Paradies 20.12.2015
Ich kann Hr.Rilke in allen Punkten folgen. Die Entscheidung Guardiolas ist konsequent und richtig. Und auch der Zeitpunkt für einen Wechsel könnte nicht besser sein. Jetzt haben Trainer und Spieler Pause und können sich an die neue Situation gewöhnen. Und nach der Winterpause können alle nochmals mit vereinten Kräften ihre Ziele verfolgen. Pep hat eine tolle Mannschaft hinterlassen und alle wichtigen Spieler haben langfristige Verträge, so dass Ancelotti aus dem vollen schöpfen kann. Ich bin mir sicher, dass Ancelotti sehr gut zum FCB passt, da er genau die richtige Statur für einen Top-Verein wie die Bayern hat. Und das er auch Titel holen kann, hat er die letzten Jahre des öfteren bewiesen. Warum manche jetzt ein "Downgrade" des FCB sehen, kann ich nicht nachvollziehen. Ancelotti ist einer der Top-Trainer weltweit und passt auch charakterlich super zu den Bayern und deren Ansprüchen. Vermutlich wird es jetzt auch ander Aussenlinie ein wenig ruhiger, was ganz sicher nicht schaden kann. Für mich ist der FCB auf Kurs und wie so oft, hat der FCB alles richtig gemacht.... ;-)
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