Hamburg - Der 1. FC Köln hat den Vertrag mit Kevin Pezzoni aufgelöst. So lautete die offizielle Nachricht am Freitag. Was nicht in der Meldung stand: Der Verteidiger flieht vor den eigenen Fans. Pezzoni wurde in den vergangenen Tagen von Teilen des FC-Anhangs bedroht. Das bestätigte Kölns Trainer Holger Stanislawski nach der 0:1-Niederlage seines Teams am Freitagabend gegen Energie Cottbus.
"Eine Gruppe von Menschen hat Pezzoni in dieser Woche vor dessen Privatwohnung aufgelauert, ihn angepöbelt und ihn massiv bedroht", sagte Stanislawski: "Sie haben Zettel an sein Auto geklebt und ihm klar gemacht, dass sie ihm wehtun wollen. Damit haben diese Leute eine Grenze überschritten."
Daraufhin habe Pezzoni erklärt, nicht mehr für den FC spielen zu wollen, und seinen Vertrag aufgelöst. "Bei jedem Ball, das hat er mir berichtet, ging es ihm nur noch darum, keinen Fehlpass zu spielen. Das ist nicht zu tolerieren", sagte Stanislawski. Kölns Abwehrspieler Christian Eichner sagte, die gesamte FC-Mannschaft stehe "unter Schock". Er selbst berichtete, er habe im Mai nach dem Bundesliga-Abstieg der Kölner das Stadion aus Sicherheitsgründen im Kofferraum des Autos seiner Eltern verlassen.
"Es wäre untragbar gewesen, hier weiter zu spielen"
Zum Fall Pezzoni sagte Stanislawski: "Wir haben die beste Lösung für Kevin gesucht. Dabei ging es nicht um finanzielle Dinge. Ich hoffe, er findet wieder Spaß am Fußball." Franco Pezzoni, Vater des 23-Jährigen, sagte der "Bild"-Zeitung: "Es wäre untragbar gewesen, hier weiter zu spielen." Bereits Anfang des Jahres war sein Sohn in einen Zwischenfall verwickelt gewesen, als ihm während der Karnevalstage die Nase gebrochen wurde.
Pezzoni selbst äußerte sich nicht zu den Drohungen, stellte am Samstagmittag aber eine Nachricht auf seine Facebook-Seite. "Es freut mich, zu lesen, wie viel Verständnis für unsere Entscheidung entgegengebracht wird und wie viel Unverständnis wir gemeinsam gegenüber Mobbing, Beleidigungen, Gewalt und Co. haben", schrieb er. "Dies hat weder auf noch neben dem Platz oder im privaten Umfeld etwas zu suchen." Die positiven, aufmunternden Rückmeldungen blieben ihm gemeinsam mit "vielen schönen und erfolgreichen Spielen mit dem FC" in Erinnerung.
Zur Rückrunde der Saison 2007/2008 war Pezzoni von der Reservemannschaft des englischen Clubs Blackburn Rovers zum 1. FC Köln gewechselt. Unter dem damaligen Trainer Christoph Daum debütierte Pezzoni im März 2008 beim 2:1-Heimsieg gegen den SV Wehen-Wiesbaden in der zweiten Bundesliga für den FC. Seitdem absolvierte er 99 Pflichtspieleinsätze für Köln. In der Bundesliga spielte er insgesamt 80-mal für den Club, in der zweiten Liga zehnmal, im DFB-Pokal kam er neunmal zum Einsatz.
ham/sid
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