Pfeiftöne im Stadion: Hoffenheim gesteht mehrfachen Tröten-Terror

Von

Die TSG Hoffenheim hat zugegeben, dass die Beschallung der Fans von Borussia Dortmund kein Einzelfall war. Gegenüber SPIEGEL ONLINE räumte der Bundesligist nun ein, dass gegnerische Anhänger auch bei anderen Spielen einem lauten, schrillen Ton ausgesetzt waren.

dapd

Der Hoffenheimer Pfeifen-Skandal erreicht eine neue Dimension. Der Bundesligist hat gegenüber SPIEGEL ONLINE zugegeben, dass nicht nur bei der Partie gegen Borussia Dortmund am vergangenen Samstag (1:0) die gegnerischen Fans durch ein Gerät mit einem lauten, schrillen Ton beschallt wurden.

"Die Vereinsführung erlangte gestern am späten Abend davon Kenntnis, dass das eingesetzte Gerät bereits während der letzten Saison an vier Spieltagen aufgebaut, aber nicht immer zum Einsatz gebracht wurde", ließ der Club mitteilen. Zuvor war in Internetforen und in sozialen Netzwerken heiß diskutiert worden, vermeintlich echte und vermeintlich unechte Beweisfotos zirkulierten. War die Aktion vom vergangenen Wochenende ein Einzelfall oder nicht? Jetzt ist klar: Schon bei den Partien aus der vergangenen Spielzeit gegen Borussia Dortmund, Mainz 05, den 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt war im Hoffenheimer Stadion eine Apparatur vorhanden, die Fans und ihre Gesänge in der Gästekurve übertönen sollte.

Die TSG Hoffenheim beruft sich dabei auf Aussagen eines Mitarbeiters, nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ein Stadion-Hausmeister. Er soll nach Polizeiangaben ausgesagt aben, die Lautsprecheranlage zusammen mit einem Bekannten in der Hoffenheimer Arena installiert zu haben. Inzwischen hat die TSG die Vorfälle aus der vergangenen Saison auch offiziell eingeräumt. Neben der Polizei erwägt auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB), weitere Ermittlungen einzuleiten.

Am vergangenen Samstag wurde beim Bundesliga-Spiel zwischen Hoffenheim und Borussia Dortmund der Block von etwa 3000 mitgereisten BVB-Fans mit einem lauten Ton beschallt, sobald die schwarz-gelben Anhänger zu Schmähgesängen gegen Dietmar Hopp oder den von ihm finanziell unterstützen Club ansetzten. Dass diese Gesänge selten den Charakter eines sanften Gute-Nacht-Lieds haben, sondern gezielt auf Diffamierung ausgerichtet sind, ist unbestritten. Dass aber nun gezielt gegen solche Schmähungen vorgegangen wird, ist ein Bundesliga-Novum.

Fotostrecke

6  Bilder
Lärm in Hoffenheim: Der Krachmacher aus den Katakomben
Am Montag erklärte die TSG Hoffenheim in einer veröffentlichten Stellungnahme, dass ein einzelner Mitarbeiter nach "eigener Aussage 'ein Gegenmittel' gegen die aus seiner Sicht nicht mehr erträglichen Beleidigungen gegenüber Herrn Dietmar Hopp einsetzen" wollte. Eine Involvierung des Vereins TSG Hoffenheim in die Benutzung der Apparatur oder sogar die Auftragserteilung dazu weisen alle Club-Verantwortlichen von sich.

Lautsprecher schon häufiger eingesetzt

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen soll die Lautsprecher-Apparatur aus zwei Signal-Hörnern bestehen, die auf einem Bollerwagen befestigt und von einer Plane abgedeckt sind. Außerdem sollen die Töne im Gästeblock auch bei den Hoffenheimer Heimspielen gegen den VfB Stuttgart und den VfL Wolfsburg stattgefunden haben. Am 17. April schrieb der Nutzer "KirnerFFM" im Fanforum von eintracht.de: "Man sollte erwähnen, dass bei Anti-Hopp-Gesängen immer eine Sirene abgespielt wurde, die die Gesänge übertönen sollte."

Von der Partie zwischen Hoffenheim und Dortmund gibt es zudem Bildaufnahmen, die Ordner der TSG mit einem Gehörschutz zeigen. Sie stehen neben der Anlage und scheinen darauf aufzupassen. Die Stromversorgung war über eine Steckdose des Stadions gewährleistet. "Die Anlage wurde immer mal wieder eingesetzt. Mal etwas lauter, mal leiser. Gegen Dortmund war sie so laut wie noch nie", sagte eine Person aus dem Hoffenheimer Sicherheitsteam SPIEGEL ONLINE.

Apparatur offenbar per Fernbedienung gesteuert

Die Anlage funktionierte demnach über eine Fernbedienung, gesteuert von einer Person, die das gesamte Spiel über zwischen Tor und Gästeblock-Kurve saß. Sobald diese Person einen Schmähgesang vernommen hatte, betätigte sie die Anlage, um die Fans zu übertönen. Ob es sich dabei um den Mann handelt, den die TSG Hoffenheim gestern zum Haupttäter deklarierte, ist bislang nicht geklärt.

Auch die Einbindung der Polizei und des Ordnungsdienstes in die Vorkommnisse wirkt dubios: "Da standen ungefähr 50 Sicherheitsleute drum herum, und keiner hat etwas dagegen unternommen. So etwas muss doch vom Verein bezahlt worden sein", mutmaßt Thilo Danielsmeyer, der seit knapp 20 Jahren im "Dortmunder Fanprojekt" tätig ist. Die Polizei habe ihm erklärt, "dass der Lautsprecher von jemandem bedient wird, der hinter dem Tor sitzt. Wenn diese Person Schmähgesänge wahrnimmt, wird der Piepston über den Lautsprecher aktiviert".

Dass eine solche Anzahl an Personen involviert gewesen sein soll, mindert die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich nur eine Einzelperson für die Benutzung und Einführung der Anlage verantwortlich sein soll. Bisher war aus Hoffenheim lediglich zu hören gewesen, dass durch die von Dortmunder Fans gestellten Anzeigen ein mögliches juristisches Verfahren bevorstehe und man dementsprechend mit "Auskünften vorsichtig ist, solange der gesamte Fall nicht abschließend recherchiert wurde".

Neben juristischen Konsequenzen kommt eventuell auch noch eine sportliche dazu. "Wir werden die Sachlage klären und dann abwägen, ob wir ein Verfahren einleiten werden", sagt Anton Nachreiner, Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses. Er könne sich aber "kaum vorstellen, dass es hier in irgendeiner Weise Punktabzüge für die Hoffenheimer geben könnte".

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 351 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Und?
Nonvaio01 16.08.2011
Was die Fans in Hoffenheim machen ist nicht so schlimm, in Dortmund muss mir auch die gesaenge der Dortmunder Fans anhoeren. (die sidn um ein vielfaches lauter) Auf Schalke muss ich auch dumme spruchbaender lesen. In Bayern muss ich die ganze Zeit auf das weisse T schauen (das an der Eckfane) Am besten wir setzten uns alle ins stadion und sind ruhig, wer etwas sagt wird des Stadions verwiesen. Dann ist ruhe und es ist nicht zu laut. Es hat einen grund warum es AUSWAERTS spiel heisst. Man ist in einem anderen Stadion, der gegner und seine Fans werden immer verhoehnt und verbal angegriffen, das gehoiert dazu. Wer das nicht mag soll zuhause bleiben und SKY schauen.
2. Aller guten Dinge sind nochmal was?
boysetsfire 16.08.2011
Zitat von sysopDie TSG Hoffenheim hat zugegeben,*dass die Beschallung*der Fans von Borussia Dortmund kein Einzelfall war.*Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE*räumte der*Bundesligist*ein,*dass gegnerische Anhänger auch bei anderen Spielen einem lauten, schrillen Ton ausgesetzt*waren. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,780548,00.html
Da können die BVB-Hater ja jetzt auch auf die anderen Vereine einschießen. Vermutlich wurde da auch nur bei nichtgewollten Äußerungen der Gegnerfans getutet....
3. Soweit ist es schon?
thomas l. 16.08.2011
Es werden schon Schallwaffen eingesetzt?! Die Bundesliga ist durch und durch korrupt. Wer Spiele mit offenen Augen sieht, der weiss warum der Eine gewinnt und der Andere verliert! Und warum meistens "ein" Verein am Ende Meister wird. Ich verlange eine NEUTRALE Einsicht und Durchsicht der Bundesliga Spiele (ab letzter Saison), da man klar Schiebereien erkennen kann!! Was ist los in diesem Land?! Ein bisschen weniger Fluor und Aspartam, sollte so manchen schon die Augen öffnen.
4. ...
Barksdale 16.08.2011
Der BVB Fan ist ein ungebärdiger Typus, den es in seiner pöbelnden, Horden ähnlichen Art, zu erziehen gilt. Da ist es erfreulich, dass sich die Hoffenheimer dieser ehrbaren und salbungsvollen Aufgabe annehmen.
5. Wie war das Statement vom Verein gestern noch?
jaguar16 16.08.2011
Sollte sich das tatsächlich schon mehrmals so abgespielt haben, kann man nicht mehr vom noch zuvor vom Verein genannten "Einzelfall" sprechen - dann wurde vom Verein hochoffiziell gelogen und evtl vertuscht! Strafe? Vielleicht ne minimale Geldbuße (Wer wirds zahlen?). Mehr wirds eh nicht geben - das löst man gemeinsam mit dem DFB in "Zwanziger/Blatter-Manier": einfach aussitzen. Wer will denn auch was gegen den armen Herrn Hopp machen? Mal ein Spiel ohne Zuschauer - das wäre richtig - damit es auch die Hoffenheimer mal merken, was "Gast" bei Gästeblock bedeutet.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fußball-News
RSS
alles zum Thema Fußball-Bundesliga
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 351 Kommentare
Themenseiten Fußball
Tabellen