Fußballer des Jahres Philipp Lahm Die große Fehlentscheidung

Zu seinem Karriereende ist Philipp Lahm erstmals zu Deutschlands Fußballer des Jahres gekürt worden. Toni Kroos geht nach einer perfekten Saison leer aus. Mit sportlichen Kriterien hat das nichts zu tun.

Philipp Lahm
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Philipp Lahm ist einer der besten Spieler in der deutschen Fußballgeschichte. Das will einiges heißen. Es sollte aber nicht heißen, dass Lahm deshalb Deutschlands Fußballer des Jahres ist, weil er jetzt seine illustre Karriere beendet hat. Die entsprechende Kür Lahms durch den Verband deutscher Sportjournalisten und die Zeitschrift "Kicker" ist jedenfalls ein trauriges Fehlurteil, das erneut den Sinn solcher Auszeichnungen in Frage stellt.

Vielleicht wollten die Kollegen die letzte Chance ergreifen, Lahm zum Fußballer des Jahres zu küren - er hatte diese Auszeichnung noch nie erhalten. Das liegt daran, dass defensive Feldspieler es auch in Deutschland traditionell schwer haben, Anerkennung zu finden: Nach den Zeiten von Franz Beckenbauer sind häufiger Torhüter zum Fußballer des Jahres gewählt worden als Abwehrspieler.

Lahm hätte es in seiner Karriere also sicher auch verdient gehabt, einmal gewürdigt zu werden. In der abgelaufenen Saison aber gab es einen deutschen Profi, der nicht nur Meister geworden ist, sondern auch die Champions League gewonnen hat, und das als Schlüsselspieler. Wenn das nicht ausreicht, um zum besten DFB-Profi der Saison gekürt zu werden, dann kann Toni Kroos es wahrscheinlich abschreiben, jemals die Anerkennung zu bekommen, die seine Weltklasse verdient.

Toni Kroos
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Toni Kroos

Die Wahrheit ist: Um eine rein sportliche Bewertung geht es ohnehin selten. Josep Guardiola, einer der besten Trainer der Welt, holte 2016 das Double mit dem FC Bayern, aber Dirk Schuster bekam fünfmal so viele Stimmen wie der Bayern-Coach dafür, dass er Darmstadt 98 mit Steinzeitfußball in der Bundesliga gehalten hatte. In den beiden Vorjahren war Guardiola bei der Wahl jeweils deutlich hinter Markus Weinzierl gelandet.

Dass nun Lahm eine Art Oscar fürs Lebenswerk bekommt, ist schön für ihn. Noch schöner wäre es, wenn der beste Fußballer des Jahres zum Fußballer des Jahres gewählt würde.

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widower+2 23.07.2017
1. Volle Zustimmung!
Es hätte eigentlich nur Kroos werden können.
joe.micoud 23.07.2017
2.
In der abgelaufenen Saison hätte Toni Koos die Wahl ganz bestimmt verdient. So ist ein Fehler. Andererseits hat Lahm gerade in den Jahren so von 2007-2014 sehr gute Leistungen gebracht und da wurde er unberechigt nie gewählt. Vielleicht ist das jetzt ein Ausgleich dafür.
sylkeheimlich 23.07.2017
3.
Fehlentscheidung? Ich sehe das nicht ganz so extrem falsch. Immerhin spielte Lahm in der DEUTSCHEN Bundesliga als Kapitän des Deutschen Meisters. Nichts gegen Toni Kroos, er ist zweifelsfrei einer der besten deutschen Fußballer, er spielt aber nicht in Deutschland Fußball. Vielleicht wird er ja Europas Fußballer des Jahres. Meine Stimme hätte er.
HasiHase 23.07.2017
4. zwei Fragen
Für mich als Fußball-Laie stellen sich zwei Fragen: 1.: Wann ist man ein deutscher Fußballer (H. Kroos spielt für keinen deutschen Verein, hat vermutlich seinen ersten Wohnsitz nicht in Deutschland, bezahlt keine Steuern und Abgaben in Deutschland, hat keinen Titel in oder für Deutschland gewonnen)? 2.: Wann ist man bester Fußballer (viele Tore geschossen, viele Tore verhindert, viele gute Pässe gespielt, viel Fairness gezeigt ...)?
Sponatiker 23.07.2017
5. Sie haben Recht
Aber ich muss sagen dass ich mich bei Lahm nicht ärgere, man kann das als eine Auszechnung für seine Karriere werten. Und das obowhl Toni Kroos mein Lieblingsspieler ist und er e sicherlich verdient hätte, hält sich mein Ärger in grenzen. Letztes Jahr war für mich viel ärgerlicher, wir wissen alle weshlab Boateng ausgezeichnet wurde, nämlich als Reaktion der Pseudolinken auf Gaulands absurde Hetze. Überhaupt sind Einzelauszeichnungen immer sehr fragwürdig im Fussball.
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