Borussia Dortmund Aubameyang vor dem Absprung nach London

Beim Spiel gegen Wolfsburg fehlte Pierre-Emerick Aubameyang aus disziplinarischen Gründen. Die BVB-Bosse sind sauer. Ein Wechsel zum FC Arsenal dürfte die wahrscheinlichste Lösung sein.

Pierre-Emerick Aubameyang
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Pierre-Emerick Aubameyang

Aus Dortmund berichtet


Pierre-Emerick Aubameyang musste ein paar Minuten nachsitzen. Mit dem Ball am Fuß sprintete er einen kleinen Hügel auf dem Trainingsgelände hoch. So etwas gibt es bei Borussia Dortmund sehr selten. Die Frage, ob Aubameyang ein Straftraining habe absolvieren müssen, lag daher nahe.

"Dann hätte ich daneben gestanden", sagte Trainer Peter Stöger, der darum bemüht war, seine gewohnte Ruhe auszustrahlen. Aber so einfach ist es dann doch nicht.

Das Röhren des Motors hatte Aubameyang schon angekündigt, als sein Auto noch außerhalb der Sichtweite war. Mehr als eine Stunde vor dem Trainingsbeginn rauschte der extravagante Fußballer am Montag mit einer seiner noblen Karossen heran. Aubameyang hat häufig Probleme, pünktlich zu sein. Am Tag, nachdem er wieder mal wegen seiner Eskapaden im Blickpunkt stand, erwies er sich in dieser Beziehung als Musterprofi.

"Ich bin immer davon ausgegangen, dass er zum Training kommt und pünktlich erscheint", so Stöger, der offenließ, ob Aubameyang für das Spiel am Freitag bei Hertha BSC (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wieder in den Kader rücken wird: "Er hat jetzt die Möglichkeit, dass er sich wieder so aufstellt, Teil der Mannschaft zu werden."

Affront des Top-Stürmers

Pierre-Emerick Aubameyang spielt seit 2013 für Borussia Dortmund. Von den möglichen 154 Bundesligapartien bis heute bestritt er 143. Die verpassten Spiele sind auf die seltenen Verletzungen zurückzuführen, manchmal wurde er auch geschont. Zwei Spiele der laufenden Saison, jenes beim 1:2 in Stuttgart und das am Sonntag beim 0:0 gegen den VfL Wolfsburg, verpasste er "aus disziplinarischen Gründen", wie es vonseiten des Vereins jeweils hieß.

Dahinter steckte aktuell ein Affront, der den Wunsch Aubameyangs, einen Abschied aus Dortmund zu forcieren, nahelegt. Der Stürmer schwänzte eine Mannschaftssitzung am Samstag, in der Trainer Peter Stöger auch und vor allem über Teamgeist, Ziele, mittelfristige Planungen sprechen wollte.

Der Torjäger blieb ihr fern, ein deutliches Signal an den Verein und die Kollegen.

"Kontroverses Gespräch"

Am Spieltag folgte ein "sehr kontroverses Gespräch", wie Michael Zorc berichtete. Der Sportdirektor wollte Aubameyang zusammen mit Stöger wieder in die für den Verein nützliche Spur bringen. Aber das erscheint aussichtslos. "Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht. Ein solches Verhalten kannte ich vorher von ihm nicht", ließ Zorc die Öffentlichkeit an der Auseinandersetzung teilhaben.

Hans-Joachim Watzke will es bei der Darstellung seines Sportdirektors belassen. "Michael Zorc hat alles gesagt. Es gibt zwischen ihm, Peter Stöger und mir eine hundertprozentige Übereinstimmung", so Dortmunds Geschäftsführer.

Schon in der vergangenen Saison war Aubameyang bestraft worden. Ein Kurztrip nach Mailand gegen jegliche Absprache führte dazu, dass er ein Spiel in der Champions League aussetzen musste. Im folgenden Bundesligaspiel schoss Aubameyang vier Tore. Alle hatten sich wieder lieb, alle hatten ihn wieder lieb.

Es ist sehr zweifelhaft, dass dies wieder passieren wird. Viel wahrscheinlicher ist ein Wechsel zum FC Arsenal in die Premier League.

Angebliche Vereinbarung mit Arsenal

Bei dem Klub aus London deutet alles auf einen Transfer von Alexis Sánchez zu einem der großen Vereine aus Manchester hin. "In den nächsten 48 Stunden", so Arsenals Trainer Arsène Wenger nach dem 1:2 beim AFC Bournemouth, erwarte er eine Entscheidung im Fall des chilenischen Stürmers. Sánchez war von Wenger aus dem Kader für das Spiel an der Südküste Englands gestrichen worden. Auch das gilt als Indiz für einen bevorstehenden Abgang.

Englische Medien berichteten darüber, dass der FC Arsenal schon eine Vereinbarung mit Aubameyang getroffen habe. Der Kapitän der Nationalmannschaft Gabuns solle demnach zum bestbezahlten Profi in der Klubgeschichte werden.

Borussia Dortmund war lange gewillt, Aubameyang frühestens im Sommer 2018 ziehen zu lassen. Aufgrund der neuerlichen Entwicklung könnte es nun viel schneller gehen. "So kann es nicht weitergehen", sagte Zorc.

Sportlich wäre der Verlust Aubameyangs gravierend, aber der Verein ist fast schon zum Verkauf gezwungen. Der Stürmer, so heißt es, zeige keine Einsicht. Der wirtschaftliche Schaden, einen auf weit über 50 Millionen Euro Ablöse taxierten Profi für längere Zeit zu suspendieren, könnte schmerzlich sein.

Noch gebe es kein Angebot des FC Arsenal, heißt es aus dem Klub. Vereine aus China hatten immer mal wieder angefragt, aber Aubameyang scheint auch noch der Sport zu interessieren. Das Sportliche in Dortmund scheint dabei jedoch keine Rolle mehr zu spielen.



insgesamt 91 Beiträge
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titoandres 15.01.2018
1. 60 Mio?
Man liest ja von einer Ablöse von ca. 60 Millionen. Das ist doch ein lächerlicher Betrag in diesen Tagen. Man muss bedenken, dass der Mann seit Jahren 25-28 Ligatore pro Saison liefert. Klar, er ist nicht 21, aber gerade auch deshalb kann man annehmen, dass er seine Leistung weiterhin bringen wird. Der Spieler müsste um die 90 Millionen einbringen.
molli55 15.01.2018
2. Wenn
Auba auch in London mit einem seiner Boliden zu spät kommt, kann er es zumindest mit dem ungewohnten Linksverkehr begründen.
t.buning 15.01.2018
3. "So kann es nicht weitergehen"
Hat Herr Zorc damit den vertraglichen Status von Aubameyang gemeint, oder ist dieses Zitat völlig aus dem Zusammenhang gerissen worden? Ich dachte, ich bin hier beim Spiegel und nicht bei der Sensationspresse.
ssc58 15.01.2018
4. Verträge sind das Papier nicht wert...
... auf dem sie geschrieben sind. Früher war der Handschlag sogar noch was wert, heute nicht mal mehr juristisch von allen Seiten abgeklopfte Verträge. Geld verdirbt eben doch den Charakter.
femdoc 15.01.2018
5. Watzke muss weg
Das Missmanagement bei BVB ist erschütternd. Erst die Tuchel-Katastrophe, dann lässt man den genialen Talententdecker ziehen, nun den Torschützenkönig womöglich weit unter Preis verkaufen... Das alles ist zu viel des Guten und das Ergebnis zeigt sich ja im Tabellenranking. Trotz hervorragender Besetzung ein mittelprächtiges Ergebnis. Herr Watzke, lassen Sie bitte los, lassen Sie einen fähigen Manager dran!
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