Fall Aubameyang Andere Zeiten, gleiche Sitten

Nach dem Streik von Pierre-Emerick Aubameyang reden jetzt viele über den Sittenverfall im Fußball. Dabei ist das Verhalten des Stürmers in der Geschichte der Liga wirklich nichts Neues.

BVB-Profi Pierre-Emerick Aubameyang
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BVB-Profi Pierre-Emerick Aubameyang

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Ein neues Wort ist in die Fußball-Bundesliga eingezogen. Es ist das Wort "Sittenverfall" - und viele fühlen sich im Moment bemüßigt, davon zu sprechen. Die Wechselambitionen von Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang und dessen Fernbleiben von der BVB-Mannschaftssitzung sind der Anlass, dass in der Liga einige den Untergang des Abendlandes näherkommen sehen.

"Bei uns gab es so was früher nicht" schimpft Frankfurts Trainer Niko Kovac. "Wo endet das denn? In Anarchie!" Eurosport-Experte Matthias Sammer nennt die streikenden Profis "faule Äpfel", die Situation sei "nicht mehr kontrollierbar", und Bayern-Trainer Jupp Heynckes spricht von einer "ganz neuen Dimension".

Früher war alles besser. Zum Beispiel im Jahr 1995, als der damalige Gladbacher Torjäger Heiko Herrlich seinen Wechsel zu Borussia Dortmund durchsetzen wollte, indem er das Training bei den Gladbachern boykottierte. Herrlich berief sich auf eine mündliche Zusage, sein Verein ließ das nicht gelten. Wochenlang ging der Zoff zwischen dem Spieler und den beiden Vereinen, bis man sich unter Vermittlung des DFB doch noch einigte. Herrlich durfte zum BVB gehen, vonseiten der Dortmunder, heute selbst die Leidtragenden, war damals relativ wenig über den Niedergang der Moral in der Liga zu hören.

Rummenigge hat auch mal gestreikt

Früher war alles besser. Zum Beispiel im Jahr 1979, als die Profis des FC Bayern, angeführt von Paul Breitner, Sepp Maier und dem heutigen Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge das Training bestreikten, um den Trainer Max Merkel zu verhindern. Präsident Wilhelm Neudecker trat daraufhin nach fast 17 Jahren an der Spitze des Vereins zurück.

Früher war alles besser. Zum Beispiel 1978, als Bernd Schuster, genannt "der blonde Engel", sowohl beim 1. FC Köln als auch bei Borussia Mönchengladbach Verträge unterschrieb und sich dann für den lukrativeren entschied. Zuvor hatte er auch schon bei seinem bisherigen Klub FC Augsburg einen Vertrag unterzeichnet.

Früher war alles besser. Zum Beispiel 1992, als sich Nationalspieler Thomas Berthold beim FC Bayern ein Jahr lang auf die Tribüne hockte und ungerührt seinen Vertrag absaß, bevor er den von ihm gewünschten Wechsel zum VfB Stuttgart durchziehen konnte. Oder 2007, als HSV-Star Rafael van der Vaart rotzfrech mit einem Trikot des FC Valencia posierte, weil er den Abgang nach Spanien provozieren wollte.

Sein Teamkollege und Landsmann Khalid Boulahrouz verletzte sich 2006 vermeintlich beim Aufwärmen zum Champions-League-Qualifikationsspiel des HSV gegen Osasuna und wechselte ein paar Tage später zum FC Chelsea - wo er für die Champions League spielberechtigt war, weil er für den HSV ja verletzungsbedingt nicht auflaufen konnte. Bei SPIEGEL ONLINE erschien damals ein aufgeregter Text unter der Überschrift "Die Transfer-Trickser". Alles schon so oft dagewesen. Gespielt wurde dennoch weiter, getrickst auch.

Heynckes hat gesagt, er würde sich weigern, solch einen Spieler wie Aubameyang zu verpflichten, wenn er der Trainer des entsprechenden Vereins wäre. Im Kader des FC Bayern stehen Spieler, die schon einmal vor Gericht erscheinen mussten wegen sexuellen Kontakts mit einer Minderjährigen, wegen Trunkenheit am Steuer, wegen häuslicher Gewalt. Man könnte fast über Sittenverfall reden.



insgesamt 87 Beiträge
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StefanXX 24.01.2018
1. Autor hat nicht verstanden worum es geht
Was für ein dummer Artikel. Ist der Autor also dafür, dass Leute, die sich mal was zu Schulden kommen ließen, keine Arbeit mehr bekommen sollen? Na dann sollten in Deutschland ruckzuck mal eben viele Hunderttausend Arbeitnehmer entlassen werden. Wenn jemand z.B. betrunken Auto fährt, dann ist das falsch und schlimm und gehört bestraft, hat aber keine Auswirkungen auf seine Leistungen als Fußballer und DARUM geht es. Das scheint der Autor irgendwie nicht verstanden zu haben oder verstehen zu wollen.
gammoncrack 24.01.2018
2. Seltsamer Journalismus!
"Heynckes hat gesagt, er würde sich weigern, solch einen Spieler wie Aubameyang zu verpflichten, wenn er der Trainer des entsprechenden Vereins wäre. Im Kader des FC Bayern stehen Spieler, die schon einmal vor Gericht erscheinen mussten wegen sexuellen Kontakts mit einer Minderjährigen, wegen Trunkenheit am Steuer, wegen häuslicher Gewalt. Man könnte fast über Sittenverfall reden." Jetzt frage ich mich, was dieses jetzige Aussage von Jupp Heynkes mit dem angegebenen Verfehlungen heutiger Spieler zu tun hat. Er hat ja wohl von "verpflichten" gesprochen und nicht von "im Verein halten". Richtig dummer Vergleich, sagt ein BVB-Fan.
bakero 24.01.2018
3.
Manchmal muss mal nicht viel schreiben und es reicht ein Wort: Zustimmung!
muellerthomas 24.01.2018
4.
Zitat von gammoncrack"Heynckes hat gesagt, er würde sich weigern, solch einen Spieler wie Aubameyang zu verpflichten, wenn er der Trainer des entsprechenden Vereins wäre. Im Kader des FC Bayern stehen Spieler, die schon einmal vor Gericht erscheinen mussten wegen sexuellen Kontakts mit einer Minderjährigen, wegen Trunkenheit am Steuer, wegen häuslicher Gewalt. Man könnte fast über Sittenverfall reden." Jetzt frage ich mich, was dieses jetzige Aussage von Jupp Heynkes mit dem angegebenen Verfehlungen heutiger Spieler zu tun hat. Er hat ja wohl von "verpflichten" gesprochen und nicht von "im Verein halten". Richtig dummer Vergleich, sagt ein BVB-Fan.
Naja, schon etwas heuchlerische Doppelmoral über den angeblichen Sittenverfall in anderen Vereinen zu sprechen, aber die Sitten im eigenen Verein nicht zu thematisieren.
ts1 24.01.2018
5. Bekanntlich wurde Ribery (falls der Autor den meint) freigesprochen
Es ist imo ganz schlechter Stil, jemanden vorzuwerfen, dass er sich vor Gericht verantworten musste, aber "vergessen" zu erwähnen, dass er dann _freigesprochen_ wurde. Möchte sich der vergessliche Autor deswegen vor Gericht verantworten und - unabhängig vom Ausgang - nirgendwo mehr einen Job bekommen?
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