Pierre-Emerick Aubameyang Was will der FC Arsenal mit ihm?

Welche Rolle soll Pierre-Emerick Aubameyang bei Arsenal spielen? Eigentlich braucht der Klub gar keinen neuen Stürmer. Und noch ein anderes Fragezeichen hängt über dem Transfer.

Pierre-Emerick Aubameyang
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Pierre-Emerick Aubameyang

Von , Manchester


Arsène Wenger musste sich jahrelang dafür verspotten lassen, dass ihm der Mut zu teuren Transfers fehlt. "Gib endlich das verdammte Geld aus!", brüllten ihm die eigenen Fans zu.

Diese Zeiten sind vorbei.

Der FC Arsenal hat kürzlich eine Rekordsumme für einen neuen Angreifer überwiesen. Für einen Mann, der mit seiner Schnelligkeit, seiner Stärke im Abschluss und seinen Toren helfen soll, den Klub aus dem Norden Londons wieder an die Spitze der Premier League zu führen.

Weshalb sich die Frage stellt, was der Verein jetzt mit einem zweiten Stürmer-Zugang will, was der Klub mit Pierre-Emerick Aubameyang will.

Erst im Sommer hat Arsenal rund 53 Millionen Euro für Alexandre Lacazette von Olympique Lyon bezahlt, so viel hat der Klub vorher noch nie in einen Profi investiert. Die erste Saison des französischen Angreifers läuft durchschnittlich. Nicht herausragend, er hat Probleme mit dem körperbetonten Spiel, aber auch nicht schlecht: Mit neun Treffern in 25 Spielen in der Liga ist Lacazette Arsenals bester Schütze.

Alexandre Lacazette
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Alexandre Lacazette

Es gibt im Grunde keinen Anlass, ihm einen hochklassigen Konkurrenten vorzusetzen. Arsenals Hauptproblem ist nicht die Offensive. Trotzdem hat der Verein zum zweiten Mal innerhalb von sieben Monaten mit der Aubameyang-Verpflichtung für 63,75 Millionen Euro einen Rekordtransfer getätigt. Der "Telegraph" beschreibt die erstaunliche Personalpolitik des Klubs mit einem herrlichen Vergleich. Mit Arsenal-Stürmern sei es wie mit Londoner Bussen. Erst kämen überhaupt keine, dann würden plötzlich gleich zwei auf einmal vorfahren.

Weiter dem elitären Zirkel angehören

Als Grund für Aubameyangs Übernahme aus Dortmund nennt Wenger die Klasse des Angreifers. Und er hat natürlich recht damit, dass eine Mannschaft mit Aubameyang besser ist als ohne Aubameyang.

Außerdem ist der FC Arsenal derzeit schwer in seinem Stolz erschüttert. Er droht, zum zweiten Mal nacheinander die Champions League zu verpassen. Der beste Spieler (Alexis Sánchez) hat gerade den Verein verlassen. Immerhin: Der zweitbeste, Mesut Özil, steht trotz Wechselgerüchten offenbar vor einer Vertragsverlängerung. Mit dem Aubameyang-Transfer zeigt der Klub, dass er weiter dem elitären Zirkel der großen englischen Fußball-Marken angehören will und auch das Geld dafür hat.

Henrich Mchitarjan (l.)
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Henrich Mchitarjan (l.)

Arsenal hat mit Aubameyang neue Möglichkeiten in der Offensive, ist flexibler, kann mit verschiedenen Systemen und verschiedenen Besetzungen spielen. Doch es wird schwer für Wenger, den Zugang aus Dortmund in die Mannschaft einzubauen, wenn auch für Lacazette, Özil und den im Tausch für Sánchez von Manchester United gekommenen Henrich Mchitarjan Platz in der Startelf sein soll. Der Trainer hat ein kompliziertes Puzzle zu lösen.

Arsenal spielt in dieser Saison meistens mit einem 3-4-2-1-System, eher als Kompromiss. Zwar ist die Defensive gut abgesichert, die Offensivspieler stehen sich allerdings oft auf den Füßen. Zuletzt ordnete Wenger sein Team in einer 4-3-3-Formation an. In dieser Konstellation könnten Lacazette in der Sturmmitte und Aubameyang und Özil auf den Flügeln spielen. Mchitarjan würde im Mittelfeld auflaufen. Es wäre auch vorstellbar, dass Arsenal künftig mit einer 4-2-3-1-Struktur spielt, mit Lacazette im Angriff, Özil auf der Zehner-Position und Aubameyang und Mchitarjan auf den offensiven Außenposten.

Transfer mit Unwägbarkeiten

Auf jeden Fall muss sich Aubameyang darauf einstellen, bei Arsenal nicht in seiner Lieblingsrolle als Mittelstürmer zum Einsatz zu kommen, sondern über die Flügel zu attackieren, wie in seinen ersten anderthalb Jahren in Dortmund, als er Robert Lewandowski und Ciro Immobile zuarbeitete. Die Anlagen dafür hat er mit seinem Tempo und seiner Technik. Die Frage ist, ob er dazu auch dauerhaft Lust hat, und ob es nicht leichtfertig wäre, wenn Wenger auf das Potenzial des aktuellen Bundesliga-Torschützenkönigs als Mittelstürmer verzichtet.

Der Transfer hat seine Unwägbarkeiten für Arsenal. Dafür muss man gar nicht erst auf Aubameyangs eigenwilligen Charakter und die Umstände seines Abschieds aus Dortmund verweisen. Neben der Frage, auf welcher Position er spielen soll, ist auch sein Alter ein Grund zur Skepsis. Arsenal gibt sein Geld am liebsten für junge Spieler aus. Bislang war Lacazette mit 26 Jahren der älteste der teuersten acht Zugänge der Vereinsgeschichte. Aubameyang wird im Juni 29 Jahre alt. Er befindet sich eher am Ende als am Anfang seiner besten Fußballerjahre.

Pierre-Emerick Aubameyang (r.)
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Pierre-Emerick Aubameyang (r.)

Seine Verpflichtung ist aus dem Umstand geboren, dass er plötzlich auf dem Markt war. Der Transfer wirkt wie der Versuch, Arsenals gegenwärtig stattfindenden Niedergang zu bremsen. Es ist unwahrscheinlich, dass der Klub um ihn die Mannschaft der Zukunft aufbauen wird. Aubameyang wird eher keine Legende werden wie Thierry Henry, der 1999 im Alter von 21 Jahren nach London wechselte, und dem der Verein später eine Statue vor dem Stadion errichtet hat.

Nur die Zeiten, in denen Wenger der Mut zu teuren Transfers fehlte, sind vorbei. Das hat er mit dem zweiten Rekordeinkauf innerhalb einer Saison gezeigt.



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smartphone 31.01.2018
1. Erziehung usw
Eine Sache muß mal herausgestellt werden . Sicherlich verdirbt das viele Geld die EInstellung der meisten Spieler. Es ist ein Unterschied, ob einer zuschnelle Autos fährt und damit vor gewisse Etablissement etc, oder wenn einer eine lausige Berufsethik darstellt ... Darüber können Tore nicht hinwegtäuschen ( die ja das Quantifizierare letztlich sind für Team ) . Wenn Spieler sich einbilden quasi halberpresserisch ggüb dem Team agieren zu können uvm .... Das MUSS in Vertragsklauseln eingebracht werden ... Also bei Fällen wie A hieße das, dass er mindestens 1,5 Bruttojahresgehälter an Dortmund zahlen müßte ...das mit dem Gericht schlägt letztlich sowieso den Boden raus. Für Aussenstehende wirkt das als hohes Strafmaß - aber siehe Schweiz Autobusse...da wird auch mal schnell die Karre einkassiert..... und Gut isses...
Pongratz 31.01.2018
2. Gut für diee Bundesliga
der charakterlose Weggang von Aubameyang ist für die Bundesliga nur vom Vorteil. Spieler wie er, zerstören den Sport. Der BVB muss sich hinterfragen, ob er überhaupt noch Verträge abschließen soll. Es kann sich ja doch jeder wegstreiken.
Madagon 31.01.2018
3. Graue Maus
Christoph Metzelder hat bei Sky bezüglich internationaler Vermarktung gesagt, dass das Problem der Bundesliga die wenigen Stars seien. Einer der größten ist jetzt leider weg!!! Und ja Lewandowski ist besser und Müller so schön heimelig. Interessiert das den 15-jährigen Fussball-Fan in den USA, Thailand oder Mexiko? Wohl eher nicht. Die Bild weiß ja jetzt schon nicht mehr was sie in Sachen Bundesliga schreiben soll. Macht den Fußball bei uns leider langweiliger der Wechsel.
Greg84 31.01.2018
4.
Ich denke hier ist auch ein gutes Stück Aktionismus dabei. Wenger ist nicht gerade unumstritten in London und die Chancen stehen aktuell gut, dass Arsenal zum zweiten Mal in Folge nicht die Champions League erreicht. Aktuell 8 Punkte Rückstand auf Liverpool, das ist schon nicht wenig.
Inlinen 31.01.2018
5. Seltsam
Es ist schon komisch, dass in diesem Jahr 2 Spieler vom BVB ihre Verträge nicht eingehalten haben, und die Vereinsführung angeblich dagegen machtlos war. Ich bin kein Freund des FC Bayern, aber von dort hört man so was nicht. In Dortmund scheint es wohl auch daran zu liegen, dass das Innenverhältnis nicht mehr stimmt, wenn einer nach dem anderen das Weite sucht. Ansonsten ist beim Fußball einiges aus dem Ruder gelaufen. So gut kann gar kein Mensch Fußball spielen, das er Millionen wert sein soll. Man regt sich über Managergehälter auf, aber diese Typen werden von den Fans gefeiert, obwohl sie die Fans im Grunde durch ihr tun veralbern, die ihr sauer verdientes Geld ins Stadion tragen oder ein Abo bei Sky abschließen.
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