Wolfsburg-Pleite gegen Mainz Magaths Maßnahmen greifen nicht

Der VfL Wolfsburg kommt in dieser Saison nicht in Tritt. Die Defensive patzt, der Angriff trifft das Tor nicht. Das Resultat? Der Relegationsrang. Zu wenig für eine Mannschaft dieser Preisklasse. Trainer Felix Magath kämpft mit etlichen Problemen - das größte ist ein altbekanntes.

DPA

Von Jan Reschke


Felix Magath hat viel versucht. Der Wolfsburger Trainer hatte Extra-Training angesetzt. Er kanzelte die Spieler nach der 0:3-Pleite gegen Bayern München öffentlich ab. Er führte Einzelgespräche und beschwor das Prinzip Hoffnung. Doch es half alles nichts. Wieder einmal ging der VfL als Verlierer vom Platz. Diesmal 0:2 (0:2) gegen Mainz 05.

Im Vergleich zur peinlichen Schlappe gegen den FC Bayern gab es aber einen entscheidenden Unterschied: Wolfsburg war das bessere Team. Zeigte Einsatz und Siegeswillen. Und - auch das muss beim VfL Wolfsburg in diesen Tagen erwähnt werden - kam zu Torchancen. Angesichts des Dauerdrucks und der starken Leistung der Gastgeber musste selbst Mainz-Trainer Thomas Tuchel anerkennen: "In der zweiten Halbzeit hat es sich angefühlt wie die letzten fünf Minuten in einem Pokalspiel - aber es waren 45 Minuten. Wir haben nur noch verteidigt, aber das war der Qualität von Wolfsburg geschuldet."

Was ist also das Problem des VfL?

"Abwehr, Mittelfeld und Sturm - dazwischen haben wir zu viel Raum - das ist unser Problem. Wir müssen endlich kompakter werden", hatte Abräumer Josué schon vor der Partie der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" gesagt. Und recht behalten. Denn trotz des verbesserten Auftritts gegen Mainz wurde dem Gegner in entscheidenden Momenten zu viel Platz gelassen. Wenn der dann wie von Adam Szalai und Júnior Díaz derart effektiv genutzt wird, fallen zwangsläufig Gegentore.

Zuletzt hatte die Defensive um die beiden Innenverteidiger Emanuel Pogatetz und Naldo sowie die Außenverteidiger Fagner und Ricardo Rodríguez viel Kritik einstecken müssen, auch von Magath. Doch durch die großen Lücken vor der Abwehr ist die Vierer- meist nur das Ende einer Fehlerkette. Auch das wird Magath erkannt haben, denn in den bisherigen sechs Bundesliga-Partien bot er stets die gleichen Verteidiger auf und verzichtete somit auf personelle Korrekturen.

Ohnehin hätte das Team gegen Mainz trotz der zwei Gegentore locker gewinnen können - wären nur die eigenen Chancen besser genutzt worden. Ein Problem, das sich ebenfalls schon durch die gesamte Saison zieht. Lediglich zwei erzielte Treffer sind ein eindeutiger Beleg für die Wolfsburger Schwäche im Angriff.

"Uns fehlt das Selbstvertrauen"

"Der Aufwand, den wir geleistet haben, war sehr hoch, und man hat gesehen, dass wir über die gesamten 90 Minuten versucht haben, ein Tor zu erzielen. Da müssen wir wohl am Torabschluss arbeiten", befand denn auch Magath. Selbst als der Trainer in der zweiten Hälfte auf die Doppelspitze Bas Dost und Ivica Olic setzte, wurde es nicht besser. "Uns fehlt das Selbstvertrauen", erklärte Naldo.

Sorgen im Angriff, Defizite in der Defensive, zu große Abstände zwischen allen Mannschaftsteilen: Macht in der Summe ein nicht funktionierendes Team, das in der Tabelle auf den Relegationsrang abrutschte.

Verwundern kann das eigentlich nicht. Es ist das alljährliche Problem einer Mannschaft, die wieder einmal auf knapp einem halben Dutzend Positionen verändert wurde. Im Vergleich zum letzten Spiel der vergangenen Saison fanden sich gegen Mainz lediglich fünf Profis in der Startformation wieder, die auch damals aufgelaufen waren, darunter Keeper Diego Benaglio. Ein funktionierendes Gerüst sieht anders aus.

Sicherlich hat der VfL Wolfsburg großes Potential. Sicherlich werden es noch mehr Siege in dieser Saison werden. Sicherlich wird das aber noch dauern.

VfL Wolfsburg - FSV Mainz 05 0:2 (0:2)
0:1 Díaz (27.)
0:2 Szalai (37.)
Wolfsburg: Benaglio - Fagner, Naldo, Pogatetz (76. Schäfer), Rodríguez - Josué, Kahlenberg (46. Dost) - Träsch (46. Hasani), Diego, Vieirinha - Olic
Mainz: Wetklo - Pospech (24. M. Caligiuri), Bungert, Noveski, Díaz (68. Zabavnik) - Baumgartlinger - Polanski (59. Kirchhoff), Soto - Ivanschitz - Szalai, Rukavytsya
Schiedsrichter: Fritz
Zuschauer: 23.795
Gelbe Karten: Josué, Träsch, Olic (2) - Soto, Baumgartlinger, M. Caligiuri

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