Podolski bei Inter Mailand Willkommen im Mittelmaß

Lukas Podolski ist in Mailand gelandet, den Medizincheck hat er bereits bestanden. Inter - das klingt nach Glamour und Erfolgen. Doch die großen Zeiten des Klubs sind Geschichte, für die Champions League wird es wieder nicht reichen.

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Podolski bei der Ankunft in Mailand: "Ich bin sehr glücklich"
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Podolski bei der Ankunft in Mailand: "Ich bin sehr glücklich"


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Hamburg - Die Verkündung des Wechsels ist nur noch Formsache: Lukas Podolski hat bereits den Medizincheck in Mailand bestanden, zuvor war er von Hunderten Fans am Flughafen empfangen worden. "Forza Inter, ich hoffe auf eine großartige Saison. Ich bin sehr glücklich, hier angekommen zu sein", sagte der deutsche Nationalspieler, um den Hals einen blau-schwarzen Schal. Der 29-Jährige soll bis zum Saisonende vom FC Arsenal an Inter Mailand ausgeliehen werden, der Vertrag könnte noch heute unterzeichnet werden.

Was erwartet Podolski in Italien? Alles Wichtige zum Serie-A-Klub und Podolskis Chancen auf einen Stammplatz.

Die aktuelle Lage: In den vergangenen drei Jahren reichte es für Inter in der italienischen Liga nur zu den Plätzen sechs, neun und fünf. Das langte in dieser Saison immerhin zur Rückkehr auf die internationale Bühne, in der Europa League heißt der Gegner in der Zwischenrunde Celtic Glasgow. In der Serie A steht der 18-fache italienische Meister mit der ausgeglichenen Bilanz von fünf Siegen, fünf Niederlagen und sechs Remis auf dem elften Rang.

Trainer Walter Mazzarri musste im November gehen und wurde durch Roberto Mancini ersetzt. Einen Aufwärtstrend schaffte Mancini in seiner zweiten Amtszeit aber auch nicht, der Rückstand auf einen direkten Champions-League-Platz beträgt 15 Punkte. Kurz: Inter Mailand ist nur noch Mittelmaß, das will Podolski ändern: "Ich will in Europa weiterkommen und der Mannschaft helfen, in die Champions League zurückzukehren", sagte er.

Die Stars: Im Kader der Mailänder standen bislang 30 Spieler. Wirkliche Top-Stars sucht man vergebens. Im Mittelfeld spielt mit Mateo Kovacic ein großes Talent. Der kroatische WM-Fahrer hat noch einen Vertrag bis 2017, wird aber immer wieder bei großen europäischen Klubs gehandelt. Im Sturmzentrum wird es Podolski schwer haben, Mauro Icardi wächst in seinem zweiten Jahr bei Inter mit acht Saisontoren immer mehr in die Rolle des Torjägers hinein.

Die Schwarz-Blauen haben ohnehin mehr Probleme in der Defensive. 23 Gegentore waren zu viel, der italienische Nationalspieler Andrea Ranocchia tat sich schwer, die Abwehr zusammenzuhalten. Mit Nemanja Vidic sollte eigentlich alles besser werden, der Zugang von Manchester United war zuletzt aber kein Stammspieler mehr.

Mittelfeldspieler Kovacic: Einer der wenigen Stars von Inter
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Mittelfeldspieler Kovacic: Einer der wenigen Stars von Inter

Das Umfeld: Seit etwas mehr als einem Jahr ist die Ära von Massimo Moratti bei Inter beendet. Der Öl-Magnat führte den Verein seit 1995, investierte viel Kapital, feierte mit dem Champions-League-Titel 2010 unter Trainer José Mourinho den größten Erfolg und musste dann doch erkennen, dass das Mäzenatentum im italienischen Fußball überholt ist. Moratti verkaufte an den Indonesier Erick Thohir, der Inter internationaler aufstellen möchte. Bisher hat Thohir wenig in die Mannschaft investiert, stattdessen mit dem Trainerwechsel Kontinuität vermissen lassen.

Was Podolski sportlich erwartet: Dem deutschen Nationalspieler geht es darum, wieder Spielpraxis zu bekommen. Das hat er zuletzt selbst betont und auch Bundestrainer Joachim Löw sprach in Bezug auf den 121-fachen Nationalspieler von der Wichtigkeit regelmäßiger Einsätze. Die wird er unter Mancini in dem mittelmäßigen Team bekommen, er könnte schon am 6. Januar gegen Tabellenführer Juventus Turin in der Startelf stehen.

"Ich kenne ihn sehr gut, er kann auf verschiedenen Positionen spielen, hat sehr viel Erfahrung und Qualität", lobte der Trainer. "Und die deutschen Spieler haben in Italien immer sehr gute Leistungen gezeigt." Podolski tritt bei Inter in die Fußstapfen von Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann, das bringt ihm bei den Fans einen kleinen Bonus ein. Mancini suchte in seinen ersten Spielen noch das richtige System.

Unabhängig, ob Inter in einem 4-4-2, 4-2-3-1 oder 4-3-3 spielen wird, Podolski könnte als hängende Spitze hinter oder links neben Icardi die erhoffte Chance auf einen Stammplatz bekommen. Seine Konkurrenten heißen Rodrigo Palacio, Pablo Osvaldo oder Federico Bonazzoli - kein Vergleich zu den Möglichkeiten des FC Arsenal. Aber wie bei Arsène Wenger und Löw entscheidet auch bei Mancini die Leistung.



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Seite 1
mongolord 03.01.2015
1. War klar...
Das es bei nem Wechsel für Podolski zu keinem europäischen Topclub mehr reicht. Die italienische Liga ist seit Jahren auf dem absteigenden Ast und selbst in der ist Inter kein Topverein. Immerhin wird Poldi Spielzeit bekommen und darf in der EL spielen. Ob ausgerechnet die Serie A das richtige für Poldi ist wage ich zu bezweifeln, ein englischer Mittelklasse Verein wäre wahrscheinlich besser gewesen, aber auch da muss es erstmal Interessenten geben, die sich Poldis Gehalt auch leisten können.
Yogya 03.01.2015
2. Er hat als Kölner Karnevalsprinz begonnen
und wird auch in naher Zukunft dort seine Karriere beenden. Bei Bayern und Arsenal wurde er als zu leicht befunden. In der Nationalmannschaft wurde er die letzten Jahre nur noch als Klassenkasper gebraucht.
grizzlor 03.01.2015
3. Leistungsprinzip oder falsche Position
Ob bei Löw oder Wenger wirklich das Leistungsprinzip entscheidend ist, ist die Frage. In der N11 hat sich Podolski mit seinen sehr schwachen Leistungen bei der EURO 2012 ins Abseits gespielt. Wenger ist seit Jahren ein Kapitän ohne Kurs, die Kaderzusammenstellung für die aktuelle Saison spricht Bände. Podolski hatte letzte Saison 0, 4 Tore in der BPL, kein schlechter Schnitt eigentlich, besser als Schürrle z.B. Podolski spielt aber definitiv auf der falschen Position. Als hängende Spitze würden seine Qualitäten (kurzer Antritt und Abschluss) deutlicher besser zu Geltung kommen als auf links. Trotzdem muss er sicherlich auch an seiner Einstellung arbeiten und seine Trainer mit Leidenschaft überzeugen.
rhochschild 03.01.2015
4. Was soll denn der Hinweis mit dem Mittelmass?
Lukas Podolski ist ein guter Fussballer der die beste Zeit hinter sich hat. Arsenal und Herr Wenger übrigens auch. Seit wann hat die englische Liga Topvereine? Den Ball weit nach vorne schlagen, hauen und treten und das wars dann meistens. Fussball wird woanders gespielt.
derwel 03.01.2015
5. Da hat #2 aber viel Sachverstand...
Naja, die meisten Arsenal Fans die ich kenne (da ich in Schottland lebe und in den letzten Jahren viel in London war fuer die Arbeit sind das einige...) verstehen es nicht das Poldi nicht viel mehr spielt. Sobald er in den wenigen Spielen eingewechselt wurde hat er verdammt viel gemacht, viele Chancen vorbereited und selber einige Tore gemacht. Letzte Saison hat er relativ viel Assists gemacht, aber wurde leider durch die Verletzung zurueck geworfen. Die Entscheidung von Wenger koennte sich als Eigentor rausstellen, da Arsenal zur Zeit zu Abhaengig von Sanchez ist. Nun hoffe ich das Poldi mehr Glueck in Mailand hat. Er ist immer noch ein guter Spieler, und bei sehr vielen Fans sehr beliebt. Und man kann an dem Kommentar #2 erkennen das er nicht viel von Mannschaftsgeist versteht. Man hat ja bei Portugal gesehen wo das hinfuehrt wenn man nur egoistische Spieler hat. Also beim naechsten Mal ein wenig mehr nachdenken bevor man was schreibt....
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