Pokal-Duell der Zweitligisten: Der ganz große Traum

Von

Mit dem MSV Duisburg und Energie Cottbus kämpfen zwei Zweitligisten um den Einzug ins Pokalendspiel. Dem Sieger winkt sogar die Teilnahme am internationalen Fußball. Allerdings hat ein Pokalerfolg nicht jedem Underdog Glück gebracht.

DFB-Pokal: Außenseiter in Berlin Fotos
dapd

Claus-Dieter Wollitz kennt das Gefühl gut. Als Underdog ins Pokalendspiel einzuziehen - das hat er schon 1995 mitgemacht. Mit dem VfL Wolfsburg hatte Wollitz damals als Zweitligist das Finale erreicht, in dem der Club gegen Borussia Mönchengladbach allerdings chancenlos war. Heute ist Wollitz Trainer bei Energie Cottbus und könnte am Dienstagabend das Erlebte von 1995 wiederholen. Das will allerdings auch der Klassengenosse MSV Duisburg. Im ersten Pokalhalbfinale (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) spielen die beiden Zweitligisten den ersten Endspielteilnehmer aus. In Duisburg und Cottbus kann von der Europa League geträumt werden.

Als Zweitligist im Endspiel: Das ist in der deutschen Pokalgeschichte nichts neues. Achtmal schaffte es ein Vertreter des Fußball-Unterhauses ins Finale - siegreich waren allerdings nur die Offenbacher Kickers 1970 und Hannover 96 1992. Dass Hannover in der Statistik dennoch als bisher einziger Pokalsieger-Zweitligist gilt, lag daran, dass die Kickers zum Zeitpunkt ihres Endspieltriumphes schon in die Erste Bundesliga aufgestiegen waren.

Ansonsten hatten in den Endspielen die Bundesligisten die Oberhand. Meistens waren die Finalduelle Erstligist gegen Außenseiter auch spannungsarme Partien, in denen sich die Routine und Qualität der Oberklasse-Clubs durchsetzten. Das Stadtduell zwischen dem 1. FC und Fortuna Köln 1983 war so ein Beispiel. Der Zweitligist, der noch im Halbfinale wie im Rausch agierte und Borussia Dortmund dank ihres überragenden Torjägers Dieter Schatzschneider mit 5:0 aus dem Stadion geschossen hatte, wirkte im Endspiel gegen den Stadtrivalen gehemmt und letztlich überfordert. Der FC, trainiert von Rinus Michels, entschied durch Pierre Littbarski die Partie.

Endspiele gegen Underdogs waren oft Langweiler

Ähnlich ging das Ganze auch vier Jahre später über die Bühne, als die Stuttgarter Kickers den Hamburger SV herausforderten. Der Zweitligist ging zwar nach einer Viertelstunde in Führung. Doch der schnelle Ausgleich, der HSV-Verteidiger Dietmar Beiersdorfer noch in derselben Minute gelang, nahm dem Außenseiter den Schneid. Die Siegtore zum 3:1 fielen erst spät, dennoch hatten die Kickers letztlich keine Chance.

In die Kategorie der Endspiel-Langweiler fällt auch das bisher letzte Kräftemessen zwischen Erster und Zweiter Liga im Finale. 2004 war Alemannia Aachen in einem beeindruckenden Siegeszug, dem unter anderem am Tivoli Bayern München und Borussia Mönchengladbach zum Opfer gefallen waren, ins Endspiel gestürmt. Dort wartete allerdings mit Werder Bremen die abgezockteste Pokalmannschaft der vergangenen 20 Jahre, zudem gerade mit dem Titel des Deutschen Meisters dekoriert. Die Angst vor der eigenen Courage lähmte den Außenseiter - das 3:2-Endergebnis für Werder vertuschte noch die klare Überlegenheit des Favoriten.

In diesem Jahr droht dem Olympiastadion ein ähnliches Szenario. Auf den Gewinner des Zweitligaduells warten schließlich entweder der FC Bayern München oder der FC Schalke 04. Und da diese beiden Zwölfender des deutschen Fußballs in der Liga hinter ihren Saisonzielen weit zurück sind, ist der Pokalsieg ein Muss. Auf ein nachlässiges Auftreten im Finale kann der Zweitligist in diesem Jahr keinesfalls spekulieren.

Aachen ist das gute Beispiel

Ob Duisburg oder Cottbus - sportlich und finanziell wäre das Erreichen des Endspiels auch im Fall, dass man dort verlieren würde, hochattraktiv. Die Finalteilnahme bringt dem Verein eine Millioneneinnahme - geschätzte 6,5 Millionen Euro wird der Zweitligist am Ende des Pokaljahres eingenommen haben. Zudem winkt die Teilnahme an der Europa League - zumindest wenn die Bayern im Finale warten und die Münchner sich über die Liga für die Champions League qualifizieren würde. Man muss nur in Aachen nachfragen, ob sich dies lohnt.

Für die Alemannia war Europa 2004 ein einziges großes Abenteuer, das den Club über den isländischen Vertreter Hafnarfjördur, den OSC Lille aus Frankreich und AEK Athen bis in die Zwischenrunde führte, wo man unglücklich dem niederländischen Spitzenclub AZ Alkmaar unterlag. Ein unvergessliches Jahr für jeden Alemannia-Anhänger.

Für Wollitz sind die Stories aus der Vergangenheit, auch die eigene Pokalhistorie, "olle Kamellen", wie er sagt. Dass er selbst ein Jahr nach der Wolfsburger Endspielniederlage wieder im Pokalfinale stand und diesmal mit dem 1. FC Kaiserslautern auch gewann, sei für ihn komplett uninteressant, hat er der "Frankfurter Rundschau" erzählt. Er erinnert lieber daran, dass es genug Vereine gab, für die es nach einer überraschenden Finalteilnahme in Pokal sportlich rasant abwärts ging.

Eine Warnung mit einem gewissen Recht: Nürnberg stieg nach dem Pokalsieg 2007, gestresst durch die Doppelbelastung, aus der Bundesliga ab. Rot-Weiß Essen erreichte 1994 das Endspiel als Zweitligist. Heute spielt der Traditionsclub aus dem Revier in der fünften Liga. Dort spielt RWE unter anderem gegen Fortuna Köln - den Pokalfinalisten von 1983.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fußball-News
RSS
alles zum Thema DFB-Pokal
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren
Themenseiten Fußball
Tabellen