Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Pokal-Randale in Berlin: Schwere Vorwürfe gegen Dynamo-Ordner

Beim Pokalspiel zwischen Dynamo Berlin und dem 1. FC Kaiserslautern war es zu heftigen Krawallen gekommen, nun erhebt die Berliner Polizei schwere Vorwürfe gegen den Ordnungsdienst: Wurde den Hooligans absichtlich das Tor zum Gästeblock geöffnet?

Ausschreitungen in Berlin: Rauchbomben und Randale Fotos
DPA

Hamburg - "Es gibt den Verdacht, dass Leute des Sicherheitsdienstes bewusst ein Tor offen gelassen haben, um Krawallmacher in den Block zu lassen." Dieser Satz eines Berliner Polizeisprechers birgt Zündstoff. Am vergangenen Samstag hatten rund 300 Dynamo-Hooligans im Anschluss an das DFB-Pokalspiel des BFC Dynamo gegen den 1. FC Kaiserslautern (0:3) den Gästeblock gestürmt und mit Stangen und Fäusten auf die Lauterer Fans eingeprügelt. Sogar Kinder wurden verletzt.

Kaiserslauterns Club-Chef Stefan Kuntz griff ein, holte zwei Kinder aus dem Block und brachte sie zum Mannschaftsbus in Sicherheit. Am Ende gab es 18 verletzte Polizisten, zwei von ihnen wurden im Krankenhaus behandelt. 27 Krawallmacher wurden vorläufig festgenommen.

Die Polizei konnte erst nach mehreren Minuten eingreifen, da das Tor, durch die ein Teil der Randalierer zum Gästeblock gelangt waren, anschließend wieder verschlossen wurde. Am Montag kritisierten sowohl die Polizei als auch der Verband die Sicherheitskräfte scharf. Maßnahmen des Ordnungsdienstes hätten "zu den Problemen geführt bzw. den Verlauf begünstigt", hieß es.

"Wer jetzt noch glaubt, unsere Beamte gehen gerne zum Fußball, irrt gewaltig. Wir werden verletzt, verprügelt, bespuckt und nichts passiert", sagte Rainer Wendt von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Für Wendt ist eine Ursache des Übels weiterhin der Alkoholausschank. "Wir müssen zu einem Alkoholverbot rund um den Fußball kommen. Da sind ja auch mal die Politiker gefordert."

Dynamo droht Ausschluss aus Pokalwettbewerb

Auch Wilfried Riemer zeigte sich erschüttert: "Ich bin fassungslos, wie es passieren kann, dass von Ordnern Tore geöffnet werden, die den Chaoten freien Zugang zum Gästeblock gewähren", sagte der Leiter Spielbetrieb im Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV). Er kündigte eine Überprüfung aller Sicherheitskonzepte des BFC Dynamo an.

Den Deutschen Fußball-Bund (DFB) trafen die schlimmen Vorfälle im Ludwig-Jahn-Sportpark nicht unvorbereitet. "Die Partie war als Sicherheitsspiel eingestuft. Unser Beobachter hat einen Bericht verfasst, dieser wird an den Kontrollausschuss weitergeleitet", sagte DFB-Sprecher Maximilian Geis. In solchen Fällen sind Geldstrafen oder Platzsperren üblich. Doch Dynamo ist Wiederholungstäter, und die Vorfälle von Samstag wiegen schwer. Ein Ausschluss aus dem Pokalwettbewerb im kommenden Jahr ist denkbar.

Der Verein reagierte mit einer Entschuldigung auf seiner Homepage. "Was passiert ist, tut uns sehr leid", teilte Peter Meyer mit. Der Vorsitzender des Wirtschaftsrates versicherte, dass man alle juristischen Mittel ausschöpfen werde, um die Gewalttäter zu identifizieren. "Keiner von ihnen soll ein Schlupfloch finden", so Meyer. In Absprache mit Kaiserslautern wolle man sich um die Verletzten kümmern und "Wege suchen, ihnen einen kleinen Ausgleich für die Momente der Angst zukommen zu lassen".

Unterdessen überlegen die Verantwortlichten des Berliner Oberligisten LFC Berlin 1892, zum ersten Meisterschaftsspiel der neuen Saison am Sonntag gegen den BFC Dynamo nicht anzutreten. Der Vorstand des Vereins hege Bedenken, ob die Sicherheit der Zuschauer im heimischen Stadion angesichts der Vorkommnisse vom vergangenen Wochenende noch gewährleistet sei, schrieb der LFC in einer Mitteilung.

mig/sid/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ...
steff261 01.08.2011
In einschlägigen Foren wurde von Augenzeugen der Verdacht geäussert, daß einige Ordner selbst zu den BFC-Ultras gehören sollen. Dies sei an Tätowierungen am Handgelenk erkennbar gewesen...
2. Unglaublich
kamillentee 01.08.2011
Und der Verein wäscht die Hände in Unschuld. Ob Eintracht Frankfurt, Hansa Rostock oder sonstige Deppenclubs (damit meine ich die aggressiven Anhänger)... Ich bin schwer dafür, das in solchen Fällen die Beamten da mal ordentlich reinkloppen dürfen - die meisten der Chaoten gehend doch lachend und gröhlend nach Hause und freuen sich aufs nächste Spiel!
3. Toll
Corbusier 01.08.2011
Da ist er erschüttert, weil man das tor offen gelassen hat und die chaoten in den gästeblock gelangen konnten...ich bin eher erschüttert, dass es solche leute gibt, sie überhaupt ins stadion dürfen und wahrscheinlich eh keine bestrafung zu befürchten haben...
4. Ist da noch wer?
franks meinung 01.08.2011
Ja HALLO Politik! Ist da noch wer? Es ist ja schon fast kriminell, dass der Steuerzahler diesen Irrsinn zahlen muss, damit ein paar sehr einfach strukturierte Menschen zum Zeitvertreib sich und anderen die Köpfe einhauen können. Ist es wirklich politisch gewollt, dass wir zu wenig Geld haben, Krippen zu bauen, Schulen zu renovieren usw, aber sich die als Wirtschaftsbetriebe komerziell ausgerichteten Vereine die Taschen voll hauen können? In Berlin merkt scheinbar keiner mehr irgendetwas. Weder beim Dynamo-Club, noch in der Politik.
5. Auch die Polizei hat versagt!
elchjr 01.08.2011
Zitat von sysopBeim Pokalspiel zwischen Dynamo Berlin und dem 1. FC Kaiserslautern war es zu heftigen Krawallen gekommen, nun erhebt die Berliner Polizei schwere Vorwürfe gegen den Ordnungsdienst: Wurde den Hooligans absichtlich das Tor zum Gästeblock geöffnet? http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,777832,00.html
Nicht nur die Ordner haben versagt, sondern auch die Berliner Polizei, die sich ja sonst rühmt alles im Griff zu haben. Das Roll-Tor im Umlauf war vor Spielbeginn geschlossen, aber spätestens ab Mitte der ersten Halbzeit war dieses Tor offen. Stattdessen wurden von den spärlichen Ordnern erst eine Reihe Gitter, in der zweiten Halbzeit dann eine zweite Reihe Gitter aufgebaut. Dort waren gefühlte drei Ordner zu sehen, von der Polizei war über die ganze Zeit nichts zu sehen, obwohl 20 m weiter ein Wagen der Einsatzleitung stand. Nach Spielende waren schon die ersten Idioten oberhalb des FCK-Blockes "zu Gange", welche auf anderen Wegen dorthin gekommen sein mussten. Erst dann schoben weitere halbstarke Idioten die beiden Gitterreihen zur Seite, wobei einige Anwesende (nicht etwa Ordner oder Polizei) versuchten, diese aufzuhalten. Von der Polizei habe ich erst kurze Zeit später auf dem Weg aus dem Stadion am anderen Ende des überdachten Umlaufes wieder etwas gesehen, als diese sich entgegengesetzt zur abströmenden Menge durch diese pflügte. Dabei kam es dann zu einem Scharmützel, was auch die Anzahl der verletzten Polizisten erklären dürfte.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Die 1. DFB-Pokalrunde im Überblick
Freitag, 29.07.
Rot-Weiss Essen - 1. FC Union Berlin 6:5 n.E.
RB Leipzig - VfL Wolfsburg 3:2
1. FC Saarbrücken - Erzgebirge Aue 1:3 n.V.
Jahn Regensburg - Bor. Mönchengladbach 1:3
SV Wehen Wiesbaden - VfB Stuttgart 1:2
VfL Osnabrück - TSV 1860 München 2:3 n.V.
Samstag, 30.07.
BFC Dynamo - 1. FC Kaiserslautern 0:3
Hallescher FC - Eintracht Frankfurt 0:2
1. FC Heidenheim - Werder Bremen 2:1
Dynamo Dresden - Bayer Leverkusen 4:3 n.V.
Eintracht Trier - FC St. Pauli 2:1
Arminia Bielefeld - 1. FC Nürnberg 1:5
Rot Weiss Ahlen - SC Paderborn 0:10
SV Babelsberg 03 - MSV Duisburg 0:2
VfB Oldenburg - Hamburger SV 1:2
Holstein Kiel - Energie Cottbus 3:0
SV Sandhausen - Borussia Dortmund 0:3
Kickers Emden - FSV Frankfurt 1:5 n.V.
Hansa Rostock - VfL Bochum 5:7 n.E.
Rot-Weiß Oberhausen - FC Augsburg 1:2 n.V.
Sonntag, 31.07.
Anker Wismar - Hannover 96 0:6
FC Oberneuland - FC Ingolstadt 04 1:4
SpVgg Unterhaching - SC Freiburg 3:2
Karlsruher SC - Alemannia Aachen 3:1
Eimsbütteler TV - SpVgg Greuther Fürth 0:10
ZFC Meuselwitz - Hertha BSC 0:4
Germania Windeck - 1899 Hoffenheim 1:3 n.V.
FC Teningen - FC Schalke 04 1:11
Hessen Kassel - Fortuna Düsseldorf 0:3
SVN Zweibrücken - FSV Mainz 05 1:2 n.V.
SC Wiedenbrück - 1. FC Köln 0:3
Montag, 01.08.
Eintr. Braunschweig - Bayern München 0:3

Themenseiten Fußball
Tabellen

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: