Pokal-Sensation Holstein Kiel, wie es singt und lacht

Es ist die Überraschung im DFB-Pokal: Viertligist Holstein Kiel steht im Viertelfinale und besiegt dabei einen großen Gegner nach dem anderen. So kommt der Club langsam aus dem Schatten eines prominenten Stadtrivalen.

Von Sebastian Krause, Kiel


"Ohh, wie ist das schön. Ohh, wie ist das schön", hallte es schon lange vor dem Abpfiff durch das Holstein Stadion in Kiel. Doch als Schiedsrichter Günter Perl das DFB-Pokal-Achtelfinale zwischen Holstein Kiel und Mainz 05 abpfiff und damit den 2:0-Erfolg der Gastgeber perfekt machte, kannte der Jubel endgültig keine Grenzen mehr. Ersatzspieler und Trainerstab rannten auf das Spielfeld, der Viertligist feierte den größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte, die Sensation war perfekt.

Sie hatte sich mehr als nur angedeutet in den 90 Minuten vor der Kieler Jubelarie. Der Außenseiter dominierte gegen den Bundesligisten, der Sieg war absolut verdient. "Wir haben heute von der ersten Sekunde an an uns geglaubt, diesen Sieg haben wir unseren Fans zu verdanken", sagte Rafael Kazior. Der Mittelfeldspieler hatte bei Kiel Regie geführt, von Beginn an beeindruckte der Gastgeber die Mainzer mit engagiertem Spiel nach vorne.

"Wir wollten uns nicht hinten reinstellen und haben versucht, das Spiel offen zu gestalten", erklärte Kiels Defensivspieler Tim Siedschlag die taktische Anweisungen von Trainer Thorsten Gutzeit. Mainz hingegen spielte ängstlich, bereits nach sechs Minuten wurde dies deutlich. Nach einer Ecke köpfte 05-Angreifer Anthony Ujah den Ball unglücklich ins eigene Tor. "Das 1:0 hat uns natürlich in die Karten gespielt", sagte Seidschlag, der den Eckball zur Führung getreten hatte.

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Pokal-Sensation Kiel: Glückseligkeit bei den "Störchen"
Mainz zeigte sich nicht nur beim 0:1 inkonsequent, sondern auch beim Versuch, die drohende Niederlage abzuwenden. Mehr als halbherzig vorgetragene Angriffe hatte das Team nicht zu biete, Torchancen waren Mangelware. Phasenweise musste sich der Kieler Schlussmann Morten Jensen vor lauter Unterbeschäftigung selber warm halten. Denn eine ernsthafte Drangphase hatte er von Mainz nicht zu überstehen.

Vielmehr waren es seine Vorderleute, die die Entscheidung suchten. Nach einem Freistoß aus der Distanz versuchte der Mainzer Jan Kirchhoff die Situation zu klären. Doch der Versuch missglückte ihm und er köpfte den Ball nach hinten, wo Steve Müller frei stand und aus spitzem Winkel ins Tor schoss. Wieder war es eine Nachlässigkeit, die Mainz das Gegentor einbrachte. "Die Niederlage war heute ein reines Kopfproblem. Einige Spieler müssen sich da mal hinterfragen", sagte Mainz-Manager Christian Heidel.

Mit dem Sieg haben die Kieler ihr bisheriges Pokal-Meisterstück abgeliefert. Das Team hat im Wettbewerb noch kein Gegentor kassiert, zuvor gab es Siege gegen Cottbus (3:0) und der MSV Duisburg (2:0).

"Diesen Erfolg haben wir uns erarbeitet. Jedes Spiel im DFB-Pokal ist für uns ein Highlight. Diesen Erfolg kann man nicht beschreiben", sagte Müller. Dieser Trend hatte sich schon in den Liga-Spielen der Regionalliga Nord angedeutet. Denn im heimischen Stadion haben die "Störche" in dieser Saison noch kein Spiel verloren, aktuell liegen sie auf Rang zwei.

Im Schatten von Stadrivale THW

Mit einer derartigen Heimbilanz konnte in Kiel bislang nur eine Mannschaft von sich reden machen: Der THW. Der Handball-Rekordmeister ist seit Jahren sowohl national als auch international das Maß der Dinge, in dieser Saison feierte er bisher 17 Siege in 17 Spielen. Wenn man an sportliche Erfolge in Kiel dachte, dann fiehl automatisch immer der Name vom THW.

Jetzt spielt sich auch Holstein Kiel in die breite Öffentlichkeit. Zudem hatte man mit 10.649 Zuschauern erstmals seit langem mehr Anhänger im eigenen Stadion als der THW. In den meist ausverkauften Handball-Tempel des THW passen 10.250 Zuschauer.

Als nächstes muss im Pokal-Viertelfinale der Deutsche Meister Borussia Dortmund in Kiel antreten. Während die bisherigen Gegner im Formtief waren, kommt Dortmund auf einer Erfolgswelle daher. In der Liga ist man härtester Konkurrent von Bayern München um den Titel und auch im Pokal ist man - wenn auch nur 5:4 nach Elfmeterschießen gegen Fortuna Düsseldorf - weiter.

Als die Anhänger der Kieler von ihren kommenden Gegner im Pokal erfuhren, wechselte die überwiegend friedliche Stimmung in Schmähgesänge. "Im Überschwang der Freude sind einige Spieler verbal deutlich über das Ziel hinausgeschossen", gab der Verein zu. Einige Akteure des Pokalschrecks hatten während der Live-Übertragung der Viertelfinal-Auslosung ihren nächsten Gegner gut hörbar verunglimpft. Mittlerweile haben die Kieler Verantwortlichen sich beim BVB entschuldigt.

Für den BVB bedeutet das Los Kiel Fluch und Segen zugleich. Zum einen die große Chance, über einen unterklassigen Gegner das Halbfinale zu erreichen. Zum anderen droht die große Gefahr, bei einer Niederlage im selben Atemzug mit Cottbus, Duisburg und Mainz genannt zu werden. Sicherlich wird Trainer Jürgen Klopp seinen Spielern predigen, Kiel nicht zu unterschätzen. Aber Holstein hat mittlerweile Erfahrung im Umgang mit großen Gegnern und wird sich so teuer wie möglich verkaufen. Denn das Spiel David gegen Goliath kennen sie ja bereits.

insgesamt 19 Beiträge
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lupo_nd 22.12.2011
1. Ganz stark
Zitat von sysopEs ist die Überraschung im DFB-Pokal: Viertligist Holstein Kiel steht im Viertelfinale und besiegt dabei einen großen Gegner nach dem anderen. So kommt der Club langsam aus dem Schatten eines prominenten Stadtrivalen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,805256,00.html
Ganz starke Leistung. Hut ab und Gratulation. Und jetzt, liebe Kieler, macht ihr noch den BvB platt.
decebalus911 22.12.2011
2. THW vs Holstein
Zitat von lupo_ndGanz starke Leistung. Hut ab und Gratulation. Und jetzt, liebe Kieler, macht ihr noch den BvB platt.
Als ich gestern Abend noch kurz bei meinen Eltern vorbeischaute, begrüßte mich mein Vater mit den Worten:'Stell dir vor, der THW Kiel hat Mainz rausgeworfen...' Schade finde ich, das sie nicht Hoffenheim oder Hertha zugelost bekamen, da wären die Chancen auf die nächste Sensation ein bischen größer als gegen Dortmund. Trotzdem größten Respekt für den Einzug ins Viertelfinale! Vor allem wünsche ich mir jedoch, das sie, durch die zusätzlichen Einnahmen im Pokal verstärkt, in der Rückrunde RB Leipzig überholen und in die 3. Liga aufsteigen. Möge es noch über ein Jahrzehnt dauern, bis RB in der 1. liga ankommt ;)
Morten Hammerdahl 22.12.2011
3.
---Zitat von Artikel--- Als die Anhänger der Hanseaten von ihren kommenden Gegner im Pokal erfuhren, wechselte die überwiegend friedliche Stimmung in Schmähgesänge. "Im Überschwang der Freude sind einige Spieler verbal deutlich über das Ziel hinausgeschossen", gab der Verein zu. Einige Akteure des Pokalschrecks hatten während der Live-Übertragung der Viertelfinal-Auslosung ihren nächsten Gegner gut hörbar verunglimpft. Mittlerweile haben die Kieler Verantwortlichen sich beim BVB entschuldigt. ---Zitatende--- Hanseaten?! Kiel ist doch keine Hansestadt. Nur weil wir da nen Hafen haben heißt das ja nicht gleich, dass wir in den gleichen Topf wie Lübek oder Hamburch zu steckern sind! Neben Handball, Badminton und American Football können wir nun auch noch Fußball.. Läuft!
urach 22.12.2011
4. Das sind keine Hanseaten
Zitat von sysopEs ist die Überraschung im DFB-Pokal: Viertligist Holstein Kiel steht im Viertelfinale und besiegt dabei einen großen Gegner nach dem anderen. So kommt der Club langsam aus dem Schatten eines prominenten Stadtrivalen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,805256,00.html
Das sind keine Hanseaten, sondern Holsteiner, Ihr Landratten von SPON. Und eine Korrektur wäre auch nicht übel: "Fiel" schreibt man immer noch ohne "h".
Cobinja 22.12.2011
5.
Zitat von Morten HammerdahlHanseaten?! Kiel ist doch keine Hansestadt. Nur weil wir da nen Hafen haben heißt das ja nicht gleich, dass wir in den gleichen Topf wie Lübek oder Hamburch zu steckern sind! Neben Handball, Badminton und American Football können wir nun auch noch Fußball.. Läuft!
Vergiss' Segeln nicht :-)
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