Pokal-Sieg gegen Nürnberg Jungstar Draxler schießt Schalke ins Halbfinale

Die Entscheidung fiel erst in der Verlängerung: Schalke 04 hat im Viertelfinale des DFB-Pokals den 1. FC Nürnberg besiegt und darf weiter vom Titel träumen. Mann des Tages war der 17-jährige Julian Draxler, den Trainer Felix Magath erst wenige Minuten vor Spielende eingewechselt hatte.

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Hamburg - Wer erwartet hatte, dass dem 17-jährigen Gymnasiasten Julian Draxler nach seinem Gala-Auftritt im DFB-Pokal die Worte fehlen würden, sah sich getäuscht. Gerade erst hatte er den FC Schalke mit seinem Treffer in der 119. Minute zum 3:2 (1:2, 2:2) nach Verlängerung gegen Nürnberg und damit ins Halbfinale geschossen - da gab Draxler Interviews als hätte er nie etwas anderes gemacht.

"Was in mir vorgeht, kann ich mit Worten gar nicht beschreiben. Da brauche ich mich nur umschauen in dieser Arena, in der ich immer spielen wollte", sagte Draxler ins TV-Mikrofon. Auch sein Trainer Felix Magath, sonst eher als wortkarg bekannt, geriet ins Schwärmen: "Das ist ein toller Junge und schon ein toller Spieler. Julian hat ganz sicher eine große Zukunft beim FC Schalke vor sich."

Vor dem Jubel über den Pokal-Triumph hatte sich der Zehnte der Bundesliga-Tabelle allerdings reichlich schwergetan. Zwei Treffer von Julian Schieber (4./32. Minute) hatten jeweils für die Nürnberger Führung gesorgt, Mario Gavranovic (14.) und Ivan Rakitic (58.) für S04 ausgeglichen. Dann kam Draxlers großer Auftritt. Doch vor allem in der ersten Hälfte hatte wenig auf einen Schalker Sieg hingedeutet.

Schon in der vierten Minute blickte Magath, den Kopf in die Handfläche gestützt, mit fragendem Blick in die löchrige Decke der Schalker Arena. Nach einer Ecke für Nürnberg bekam seine Abwehr den Ball nicht weg, die Flanke in den Strafraum durfte Nürnbergs Mehmet Ekici verlängern und in der Mitte war Schieber schneller als Christoph Metzelder - 0:1. Es war der erste Torschuss der Gäste.

Und gerade, als sich bei dem als Ausdauersportler bekannten Magath der Puls wieder halbwegs normalisiert haben dürfte, lief Nürnbergs Christian Eigler vollkommen frei auf Manuel Neuer zu (6.). Doch statt die Führung auszubauen, vergab der Stürmer, den Trainer Dieter Hecking als offensiven Mittelfeldspieler aufgeboten hatte, die große Chance. Seinen Schuss aufs lange Eck lenkte Schalkes Torhüter mühelos um den Pfosten.

Gavranovic, bislang mit nur etwa sechs Minuten Bundesliga-Erfahrung, beruhigte Magaths Nerven dann etwas. Der 21-jährige Schweizer, der für den verletzten Klaas-Jan Huntelaar begann, verwertete eine scharfe Hereingabe von Christian Pander zum Ausgleich (14.). Danach versäumte es Schalke, in Führung zu gehen. In der 21. Minute pfiff Schiedsrichter Gagelmann einen Treffer von Raúl ab. Der Spanier hatte zuvor seinen Gegenspieler gefoult. Nur eine Minute später traf der Schalker Stürmer nach einen Doppelpass mit Rakitic den Außenpfosten.

Schieber schockiert Schalke

Mitten in dieser Drangphase schlug Nürnberg erneut zu. Ein Konter über Ekici landete bei Eigler, der sofort scharf in die Mitte passte, wo Schieber wieder schneller war als die Schalker Abwehr und Neuer keine Chance ließ (32.). Mit der dritten Möglichkeit ging der Club erneut in Führung.

Magath verzichtet nach der Pause auf einen Wechsel. Seine Mannschaft reagierte auch ohne personelle Veränderungen. Einen Weitschuss von Lukas Schmitz konnte Nürnbergs Rafael Schäfer noch mit einer Glanzparade halten. Philipp Wollscheid hatte den Ball abgefälscht (53.). Fünf Minuten später war es dann soweit: Nach einer Kombination am rechten Flügel zog Peer Kluge nach innen, passte auf Raúl, der sofort für Rakitic ablegte. Der Kroate traf mit einem überlegten Schuss ins rechte untere Eck zum Ausgleich (58).

Der Gastgeber dominierte nun die Partie. Echte Torchancen sprangen zunächst aber nicht heraus. Die beste Möglichkeit vergab Jefferson Farfan in der 86. Minute. Frei vor Schäfer scheiterte er mit seinem Versuch, den Keeper zu tunneln. Zuvor hatte Gavranovic den Ball aus aussichtsreicher Position mitten in die Arme des Torwarts geköpft (78.).

Premiere eine Minute vor dem Ende

In der Verlängerung entwickelte sich die Partie endgültig zu einer Veranstaltung ohne Höhepunkte. Schalke kam selten vor das gegnerische Tor, Nürnberg noch seltener. Fünf Minuten vor Ablauf der Verlängerung hätte Gavranovic dann zu Schalkes Pokal-Held werden können, doch der Stürmer setzte einen Flugkopfball auf Höhe des Elfmeterpunkts genau in Schäfers Hände. Stattdessen bekam Draxler die Hauptrolle.

In der 116. Minute wechselte Magath den 17-Jährigen für Kluge ein. Als bereits alle mit einem Elfmeterschießen rechneten, düpierte Draxler Nürnbergs Kapitän Andreas Wolf per Übersteiger und traf mit einem sehenswerten Schuss aus 22 Metern ins linke Eck - die Entscheidung (119.). Es war der erste Treffer des Schülers für Schalke.

Schalke 04 - 1. FC Nürnberg 3:2 (1:2, 2:2) n.V.
0:1 Schieber (4.)
1:1 Gavranovic (14.)
1:2 Schieber (32.)
2:2 Rakitic (58.)
3:2 Draxler (119.)
Schalke 04: Neuer - Moritz (74. Papadopoulos), Höwedes , Metzelder , Pander (59. Jurado) - Kluge (116. Draxler) , Rakitic - Farfan , Schmitz - Raul , Gavranovic
Nürnberg: R. Schäfer - Judt (101. Mintal), Wolf , Wollscheid , Pinola - Simons , Cohen (88. Chandler) - Hegeler (65. Okotie), Ekici , Eigler - Schieber
Schiedsrichter: Gagelmann
Zuschauer: 49.191
Gelbe Karten: Farfan (2), Rakitic, Gavranovic - Cohen, Schieber (3)

chp/dpa/sid

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
waldbaer 26.01.2011
1. schöner pokalfight
gutes spiel war das, so mag ich fußball
wurstler 26.01.2011
2. Veranstaltung ohne Höhepunkte
Wer hier von "einer Veranstaltung ohne Höhepunkte" spricht, hat entweder das Spiel nicht gesehen oder keine Ahnung vom Fußball...
erich_der_rote 26.01.2011
3. schmerzhafte Angelegenheit
Hat der Verfasser des Artikels das Spiel überhaupt gesehen? Am Schuss von Eigler in der Anfangsphase war Neuer nichtmehr dran, Eigler schoß von selbst daneben, ohne dass Neuer abgewehrt hat. Außerdem fiel das 3-2 erst in der 119. Minute, nicht bereits in der 116. Als Clubfan blutet mir natürlich gerade das Herz. Ganz bitter, die Jungs hätten zumindest das Elfmeterschießen verdient gehabt.
Hardliner 1, 26.01.2011
4. ´Felix
Zitat von sysopDie Entscheidung fiel erst in der Verlängerung: Schalke 04 hat im Viertelfinale des DFB-Pokals den 1. FC Nürnberg besiegt und darf weiter*vom Titel*träumen.*Mann des*Tages war ein 17-Jähriger, den Trainer Felix Magath erst wenige Minuten vor Spielende eingewechselt hatte.***** http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,741633,00.html
Nomen est omen: Felix = der Glückliche.
frubi 26.01.2011
5. .
Zitat von sysopDie Entscheidung fiel erst in der Verlängerung: Schalke 04 hat im Viertelfinale des DFB-Pokals den 1. FC Nürnberg besiegt und darf weiter*vom Titel*träumen.*Mann des*Tages war ein 17-Jähriger, den Trainer Felix Magath erst wenige Minuten vor Spielende eingewechselt hatte.***** http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,741633,00.html
Man hat direkt gespürt, dass der Draxler gierig war. Aber das der dann den Wolf so stehen lässt und einen solchen Schuss auspackt war nicht vorhersehbar. Aber wieder mal ein unterhaltsamer Pokal-Abend.
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