Von Mike Glindmeier
Es ist so etwas wie das Hassduell der 2. Fußball-Bundesliga: FC St. Pauli gegen den FC Hansa Rostock. Eine Konstellation, bei der es zwischen den verfeindeten Fangruppen in der Vergangenheit immer wieder schwere Ausschreitungen um und in den Stadien gab. Diesmal könnte es anders kommen. Beide Fangruppen haben diesmal einen gemeinsamen Gegner: die Hamburger Polizei.
Die Polizei hat durchgesetzt, dass der FC St. Pauli keine Eintrittskarten für das Spiel am Sonntag (13.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) an Fans des FC Hansa verkaufen darf. "Wir haben die Verhältnismäßigkeit geprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Untersagung die einzige Möglichkeit ist, sowohl die Fußball-Fans als auch Unbeteiligte zu schützen", hatte ein Polizeisprecher die Maßnahme gegenüber SPIEGEL ONLINE begründet.
Der FC St. Pauli legte dagegen Widerspruch ein, der allerdings vom Verwaltungsgericht Hamburg in einem Eilverfahren abgelehnt wurde. Später bestätigte das Oberverwaltungsgericht die Entscheidung. Der Zweitligist will dennoch weitere gerichtliche Schritte prüfen.
Demonstration gegen Kartenverbot angemeldet
Die Rostocker Fans konterten auf diese Art von Fanausschluss mit einer ganz eigenen Finte: Sie meldeten für den Spieltag schlicht eine Demonstration an. Das Motto: "Blau-weiß-rot gegen polizeiliches Kartenverbot." Die Polizei rechnet mit 2000 Teilnehmern.
Diese Anzahl Anhänger wäre auch zum Spiel gekommen - allerdings wären die Fans so wesentlich besser kontrollierbar für die Sicherheitskräfte gewesen. Wenn am Sonntag 2000 Rostocker durch Hamburg laufen, könnte sich die Maßnahme ganz schnell als polizeiliches Eigentor erweisen.
Sogar St. Paulis Ultras solidarisieren sich mit den eigentlich verhassten Rostockern. Zwar wird es keinen gemeinsamen Demomarsch geben, doch auch die Ultras werden am Sonntag um 13.30 Uhr nicht in ihrer Kurve am Millerntor stehen. Sie kündigten einen Boykott an, wollen das Spiel aus Solidarität mit den ausgesperrten Gästefans vor der Südkurve im Radio verfolgen.
Polizei erklärt St. Pauli zum Gefahrengebiet
Somit muss die Polizei auch während der 90 Minuten dafür sorgen, dass es auf St. Pauli nicht zu Ausschreitungen kommt. Um Randale zu verhindern, erklärten die Sicherheitskräfte daraufhin fast ganz St. Pauli zu einem Gefahrengebiet. "In dem Gefahrengebiet können Polizeibeamte lageabhängig Personen und mitgeführte Sachen kontrollieren, Platzverweise erteilen, Aufenthaltsverbote aussprechen und Personen in Gewahrsam nehmen."
Ob der eigentliche Zweck, damit gewalttätige Ausschreitungen abzuwenden, erreicht wird, wird von den meisten Fans angezweifelt. Schlimmer noch: Beide Fangruppen haben die Polizei zum Feindbild auserkoren.
Es wäre nicht das erste Mal, dass die Fans Maßnahmen zur Randaleabwehr torpedieren. So bevölkerten zahlreiche Fans von Eintracht Frankfurt die Ränge beim Auswärtsspiel bei Union Berlin, obwohl der DFB nach vorheriger Randale einiger Eintracht-Anhänger angeordnet hatte, dass dieses Spiel ohne Gästefans ausgetragen werden müsse. In Dresden wurde gar ein Geisterspiel dank symbolischer Eintrittskarten ausverkauft.
Neben Randale droht auf St. Pauli eine erneute Spaltung der Hamburger Fanszene. Zahlreiche Anhänger und die Vereinsverantwortlichen zeigen wenig Verständnis dafür, dass die Ultras eines der letzten drei Spiele im Kampf um den Relegationsplatz boykottieren.
"Da noch keine grundlegende Entscheidung getroffen ist und zudem auch eine sportlich extrem wichtige Partie ansteht, finden wir den von den Ultras gewählten Zeitpunkt für den Stadionboykott am kommenden Sonntag allerdings äußerst unglücklich und werden ihn deshalb auch nicht unterstützen", heißt es in einer Mitteilung des FC St. Pauli. Diese Meinung wird von vielen Anhängern geteilt.
Schon einmal war es bei einem ähnlichen Anlass zu Zerwürfnissen innerhalb der St.-Pauli-Anhänger gekommen. Auch damals ging es im Heimspiel gegen Rostock um die Beschränkung des Gästekontingents. Der damalige Protest der St.-Pauli-Ultras gegen diese Maßnahme lief aus dem Ruder und sorgte bei großen Teilen des Publikums für Verstimmung.
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