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05. August 2014, 11:56 Uhr

Polizeieinsätze beim Fußball

"Sollen wir uns Wasserwerfer kaufen?"

Spiele ohne Polizisten, Kostenübernahme durch Vereine: Politiker und Fußballfunktionäre haben kein Verständnis für die Pläne Bremens und Nordrhein-Westfalens. Bayern kündigt eine andere Gangart an.

Hamburg - Die Ankündigung von Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger, bei einigen Fußballspielen der ersten drei Ligen keine Polizei mehr einsetzen zu wollen, hat für gespaltene Reaktionen gesorgt. "Es gibt Aufgaben im Umfeld der Stadien und auf dem Weg dorthin, die nur die Polizei wahrnehmen kann", sagte etwa Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) der "Bild"-Zeitung.

Im Zentrum der Kritik an den Jäger-Plänen steht die Frage: Wer soll gegen Randalierer und gewaltbereite Anhänger vorgehen, wenn keine Polizei vor Ort ist? "Der Schutz der friedlichen Fans vor solchen Gruppen gehört zu den Kernaufgaben der Polizei. Und daran wird sich auch nichts ändern", sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

"Der Staat hat im öffentlichen Raum das Gewaltmonopol. Das kann kein Verein im Griff haben", sagt Dynamo Dresdens Geschäftsführer Robert Schäfer der "Bild"-Zeitung und fragt rhetorisch: "Sollen wir uns jetzt Wasserwerfer und Waffen kaufen und vielleicht von Schusswaffen Gebrauch machen?"

Jägers Vorstoß ist ein weiteres Kapitel in der Diskussion um die Streitfrage, wie viel den Steuerzahler der Einsatz von Polizisten bei Fußballspielen kosten darf und wer dies bezahlen soll. Das Bundesland Bremen hatte jüngst angekündigt, die DFL an den Kosten für Polizeieinsätze bei Risiko-Heimspielen von Werder Bremen beteiligen zu wollen. Dafür haben Vereinsvertreter kein Verständnis.

"Wenn ich sehe, wie viel Geld der Fußball unserer Wirtschaft bringt, wie viele Steuern und Arbeitsplätze da dranhängen, dann muss der eine oder andere Politiker mal aufwachen, bevor er sich selbst darstellen will", sagt Fredi Bobic, Manager des VfB Stuttgart. Sein Mainzer Kollege Christian Heidel wirft die Fragen auf: "Wo will man da zukünftig eine Grenze ziehen, was ist mit Konzerten? Oder muss ich demnächst als Steuerzahler auch bei einem Auffahrunfall die Polizei bezahlen?"

Als Reaktion des Bremer Vorstoßes hatte der DFB das EM-Qualifikationsspiel am 14. November gegen Gibraltar von Bremen nach Nürnberg verlegt. Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, sagte dazu nun der "Passauer Neuen Presse": "Das war ein dreistes Stück, auf diesem Wege zu versuchen, ein frei gewähltes Parlament unter Druck setzen zu wollen."

Wendt ist ein Befürworter der Bremer Pläne und hatte jüngst gefordert, von den Vereinen eine jährliche Pauschale in Höhe von insgesamt 50 Millionen Euro zu erheben. Damit sollen seiner Ansicht nach die erhöhten Einsatzkosten bei Risikobegegnungen aufgefangen werden, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

ham

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