Polizeieinsätze beim Fußball "Sollen wir uns Wasserwerfer kaufen?"

Spiele ohne Polizisten, Kostenübernahme durch Vereine: Politiker und Fußballfunktionäre haben kein Verständnis für die Pläne Bremens und Nordrhein-Westfalens. Bayern kündigt eine andere Gangart an.

Fans von Schalke 04, Polizisten: "Das kann kein Verein im Griff haben"
DPA

Fans von Schalke 04, Polizisten: "Das kann kein Verein im Griff haben"


Hamburg - Die Ankündigung von Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger, bei einigen Fußballspielen der ersten drei Ligen keine Polizei mehr einsetzen zu wollen, hat für gespaltene Reaktionen gesorgt. "Es gibt Aufgaben im Umfeld der Stadien und auf dem Weg dorthin, die nur die Polizei wahrnehmen kann", sagte etwa Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) der "Bild"-Zeitung.

Im Zentrum der Kritik an den Jäger-Plänen steht die Frage: Wer soll gegen Randalierer und gewaltbereite Anhänger vorgehen, wenn keine Polizei vor Ort ist? "Der Schutz der friedlichen Fans vor solchen Gruppen gehört zu den Kernaufgaben der Polizei. Und daran wird sich auch nichts ändern", sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

"Der Staat hat im öffentlichen Raum das Gewaltmonopol. Das kann kein Verein im Griff haben", sagt Dynamo Dresdens Geschäftsführer Robert Schäfer der "Bild"-Zeitung und fragt rhetorisch: "Sollen wir uns jetzt Wasserwerfer und Waffen kaufen und vielleicht von Schusswaffen Gebrauch machen?"

Jägers Vorstoß ist ein weiteres Kapitel in der Diskussion um die Streitfrage, wie viel den Steuerzahler der Einsatz von Polizisten bei Fußballspielen kosten darf und wer dies bezahlen soll. Das Bundesland Bremen hatte jüngst angekündigt, die DFL an den Kosten für Polizeieinsätze bei Risiko-Heimspielen von Werder Bremen beteiligen zu wollen. Dafür haben Vereinsvertreter kein Verständnis.

Polizeieinsätze bei Fußballspielen
"Wenn ich sehe, wie viel Geld der Fußball unserer Wirtschaft bringt, wie viele Steuern und Arbeitsplätze da dranhängen, dann muss der eine oder andere Politiker mal aufwachen, bevor er sich selbst darstellen will", sagt Fredi Bobic, Manager des VfB Stuttgart. Sein Mainzer Kollege Christian Heidel wirft die Fragen auf: "Wo will man da zukünftig eine Grenze ziehen, was ist mit Konzerten? Oder muss ich demnächst als Steuerzahler auch bei einem Auffahrunfall die Polizei bezahlen?"

Als Reaktion des Bremer Vorstoßes hatte der DFB das EM-Qualifikationsspiel am 14. November gegen Gibraltar von Bremen nach Nürnberg verlegt. Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, sagte dazu nun der "Passauer Neuen Presse": "Das war ein dreistes Stück, auf diesem Wege zu versuchen, ein frei gewähltes Parlament unter Druck setzen zu wollen."

Wendt ist ein Befürworter der Bremer Pläne und hatte jüngst gefordert, von den Vereinen eine jährliche Pauschale in Höhe von insgesamt 50 Millionen Euro zu erheben. Damit sollen seiner Ansicht nach die erhöhten Einsatzkosten bei Risikobegegnungen aufgefangen werden, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Kommentar zu Polizeieinsätzen bei Fußballspielen

ham

insgesamt 168 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
peter_30201 05.08.2014
1.
"Wer soll gegen Randalierer und gewaltbereite Anhängern vorgehen, wenn keine Polizei vor Ort ist?" "Wo will man da zukünftig eine Grenze ziehen, was ist mit Konzerten?" Danke Herr Heidel, das Problem der randalierenden Konzertbesuch wird völlig unterschätzt!
quark@mailinator.com 05.08.2014
2. Der Grund ...
Viele denken ja, wenig Steuern sind suuuuper, der Staat wisse ja eh nicht mit Geld umzugehen. Dumm nur, daß viele wichtige Dinge von Naturschutz und Schulen bis hin zur Sicherung der öffentlichen Ruhe und Ordnung halt stark davon abhängig sind, daß genug Steuern eingenommen werden. Und wenn immer mehr Geld bei den wenigen Superreichen landet, die sich vor Steuern bestmöglichh drücken, dann bekommt der Staat halt immer weniger ab. Es wäre wichtig, die Einkommen der breiten Masse des Volkes wieder zu stärken. Dann ist auch genug Geld da, um Fußballspiele u.a. anzusichern. Im Moment hat die Polizei doch ein Problem mit dem Personalrückbau ...
frankasten 05.08.2014
3.
Dem kann ich nichts mehr hinzufügen. Das bringt es so dermaßen auf den Punkt, daß ich applaudieren möchte. Wo ist ein Fußballstadion "Öffentlicher Raum"? Nicht mal aufm Klo, vermute ich, nicht aufm Parkplatz und schon gar nicht aufm Platz oder Tribüne. Also laßt sie bezahlen für die Spiele und klaut es nicht den Leuten, denen jedes Sportgedöns kilometerweit am Allerwertesten vorbei geht.
make_it_sexy 05.08.2014
4. Es soll zahlen, wer auch daran verdient
Ich bin Fußballfan und will auch entspannt die Spiele sehen. Aber warum soll stets der Steuerzahler hierfür aufkommen, wenn DFL und DFB unendliche Millionen scheffeln. Und wo sind den die ganze Hundertschaften in den vierten und fünften Ligen, also da wo wirklich mal etwas passiert. Ach ne, das interessiert uns ja nicht, weil dort keine Kameras laufen.
bayern2.0 05.08.2014
5. Und wo....
steht jetzt was über die "andere Gangart" Bayerns. Ich hab nur ein Statement aus Bayern gelesen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.