Polizeieinsatz gegen Fußballfans "Die haben alles weggehauen, was im Weg stand"

Pfefferspray im Gesicht, einen bissigen Hund am Arm: Die Fans des Sechstligisten KFC Uerdingen mussten bei einem Auswärtsspiel in Ratingen einiges einstecken. Auch der Präsident des Ex-Bundesligisten wurde verletzt. Gemeinsam mit den Fans hat er jetzt Anzeige gegen die Polizei erstattet.

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Auseinandersetzungen in Ratingen: Polizeihund am Arm, Pfefferspray im Gesicht (o.l.)
Tim Krug / KFC Uerdingen

Auseinandersetzungen in Ratingen: Polizeihund am Arm, Pfefferspray im Gesicht (o.l.)


Es ist ein Bild, dessen bloße Betrachtung Schmerzen bereitet. Ein Anhänger vom KFC Uerdingen steht bei einem Auswärtsspiel in Ratingen im Gästeblock, umringt von der Polizei. Einer der Polizisten schießt dem Mann Pfefferspray aus kurzer Distanz direkt ins Gesicht. Der Fan hat keine Chance, den schmerzbringenden Strahl abzuwehren: An seinem linken Oberarm hat sich ein Polizeihund festgebissen, mit der rechten Hand versucht er, das Tier abzuwimmeln.

Dieses Bild entstand am vergangenen Sonntag bei einem Spiel in der sechsten Liga. Es war die 73. Minute, als ein Rauchkörper auf die Tartanbahn flog - allerdings nicht aus dem Gästeblock, "sondern aus einer Gruppe Fans, die rund 60 Meter entfernt stand", sagte KFC-Geschäftsstellenleiter Gerald Judenau. Einige dieser Anhänger konnten mittlerweile dem Fanlager von KFC-Erzrivale Fortuna Düsseldorf zugeordnet werden.

Ein Teil der KFC-Fans traten vor Wut über diese Provokationen gegen die Werbebanden und den Stahlzaun. "Daraufhin ist die Polizei unter massiven Pfefferspray-Einsatz in den Block", so Judenau. Eindrucksvoll beschreibt ein KFC-Fan, der laut eigener Aussage selbst auch gegen die Werbebanden getreten hatte, die Situation im Block. "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich gerne mal 'ne große Fresse habe - aber heute hatte ich echt die Tränen in den Augen stehen", beginnt er sein Posting in einem Fanforum. Was dann folgt, ist eine Anklageschrift gegen die Polizei.

Die Sicherheitskräfte hätten "ihre Helme aufgesetzt, Pfefferspray, Schlagstock und Hunde rausgeholt und sind einmal quer durch den Uerdinger Block und haben alles weggehauen, was im Weg stand", schreibt der Fan und lässt durchscheinen, dass die Reaktion auf diesen Einsatz in der Kurve ebenfalls nicht besonders deeskalierend war: "Dass manche sich nicht alles gefallen lassen, ist doch normal."

"Mit dem Kauf der Eintrittskarte auf unser Menschenrecht verzichtet?"

Der Anhänger bemüht einen Vergleich. Wenn in der Straßenbahn jemand gegen einen Sitz tritt, kämen auch keine 50 Polizisten mit Pfefferspray und würden die Insassen auseinanderknüppeln, so sein Gleichnis. "Haben wir mit dem Kauf einer Eintrittskarte auf unser Menschenrecht verzichtet?", fragt der Anhänger, der auch von verletzten Frauen und Kindern schreibt.

Auch KFC-Präsident Agissilaos Kourkoudialos wurde bei dem Zwischenfall verletzt. "Als die Situation zu eskalieren drohte, hat er sich bei einem der Beamten als KFC-Präsident vorgestellt und angeboten, für Ruhe im Block zu sorgen", sagt Judenau. Dafür gebe es mehrere Zeugen. Doch statt das Angebot anzunehmen, sprühte ihm der Polizist Pfefferspray ins Gesicht. Der gesamte Einsatz sei überzogen gewesen, sagt Kourkoudialos. Gemeinsam mit zwei Fans stellte er Strafanzeige gegen die Polizei.

Die sieht die Geschehnisse naturgemäß anders. Sie haben einen Verletzten aus dem Block der Gäste herausholen wollen, dabei sei die Situation eskaliert. "Im Block standen rund 300 Leute, davon waren etwa 50 stark alkoholisiert, und wiederum 30 davon waren der Kategorie B- und C-Fans zuzuordnen", sagte Polizeisprecher Frank Sobotta WDR.de. Fans der Kategorie B und C gelten als gewaltbereit beziehungsweise gewalttätig.

Zu dem Pfefferspray-Einsatz gegen den KFC-Präsidenten sagte Sobotta: "Er hat sich ins Feld begeben, als die Auseinandersetzung bereits eskaliert war. In einer solchen Situation, in der alles sehr schnell geht, kann ein Einsatzbeamter nicht unterscheiden, wer guten Willens ist und wer nicht. Wir raten Friedlichen immer dazu, sich von solchen Situationen fernzuhalten, damit so etwas nicht passiert."

Innenministerium kündigt Untersuchung an

Eine interessante Aussage, schließlich fordert die Polizei seit Jahren friedliche Fans auf, regulierend auf potentielle Gewalttäter einzuwirken. Mittlerweile beschäftigt sich auch das Innenministerium in Nordrhein-Westfalen mit dem Polizeieinsatz. "Wir werden uns detailliert berichten lassen, wie der Einsatz verlaufen ist", sagte Wolfgang Beus, Sprecher des Innenministeriums der "Rheinischen Post".

Für die Krefelder ist dies ein schwacher Trost. Neben dem Imageschaden droht dem Verein eine sportlicher Rückschlag. Der ehemalige Bundesligist führt derzeit zwar die Tabelle der Niederrheinliga mit einem Punkt vor Verfolger TuRu Düsseldorf an. Doch der Club könnte jetzt ausgerechnet durch die Provokationen einiger Fortuna-Anhänger profitieren.

Das Spiel wurde beim Stand von 1:2 aus Sicht der Uerdinger abgebrochen, die zu diesem Zeitpunkt nach einer Roten Karte nur noch mit zehn Spielern auf dem Feld standen. Sollte der Verband die Vorkommnisse im Gästeblock als Ausschreitungen der KFC-Fans bewerten, würden die Punkte am grünen Tisch wohl an den Gegner gehen. Der Verein will alles dafür tun, dass die Partie wiederholt wird. Denn in der Niederrheinliga steigt nur der Tabellenerste direkt auf.

Immerhin eine gute Nachricht konnte der Club verbreiten: Allen 15 verletzten Fans gehe es mittlerweile besser.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 191 Beiträge
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Seite 1
kdshp 19.04.2011
1. Staplerschein
Zitat von sysopPfefferspray im Gesicht, einen bissigen Hund am Arm: Die Fans des Sechstligisten KFC Uerdingen mussten bei einem Auswärtsspiel in Ratingen einiges einstecken. Auch der Präsident des Ex-Bundesligisten wurde verletzt. Gemeinsam mit den Fans hat er jetzt Anzeige gegen die Polizei erstattet. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,757992,00.html
Hallo, ja unsere gesellschaft wird brutaler und das ist bei der polizei als teil dieser gesellschaft nicht anders.
raju1956 19.04.2011
2. jaja...
Zitat von sysopPfefferspray im Gesicht, einen bissigen Hund am Arm: Die Fans des Sechstligisten KFC Uerdingen mussten bei einem Auswärtsspiel in Ratingen einiges einstecken. Auch der Präsident des Ex-Bundesligisten wurde verletzt. Gemeinsam mit den Fans hat er jetzt Anzeige gegen die Polizei erstattet. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,757992,00.html
Da hat sich mal wieder eine Truppe der Polizei ausgetobt. Das ist eigentlich nichts neues. Man erlebt es überall wo die Polizei meint (oder aufgefordert ist), mit grossen Mengen an Polizisten anwesend zu sein. Man denke nur an S21!
svennic, 19.04.2011
3. Randalierer
Auf dem Video sieht es leider so aus, als ob die "Opfer" zurecht bearbeitet wurde. Beamten stark beleidigen und mit Gegenständen werfen. Sehr charmant.
Newspeak, 19.04.2011
4. ...
"In einer solchen Situation, in der alles sehr schnell geht, kann ein Einsatzbeamter nicht unterscheiden, wer guten Willens ist und wer nicht. Wir raten Friedlichen immer dazu, sich von solchen Situationen fernzuhalten, damit so etwas nicht passiert." " Wenn er das nicht kann, dann ist er für den Job ungeeignet. Wofür werden die Polizisten denn sonst ausgebildet und ausgewählt? Jeder Schläger unter den Polizisten muß sofort und dauerhaft rausgeschmissen werden. Aber es gibt keinen Staat der Welt, in dem Polizisten so sind, wie sie angeblich sein sollen. Egal, wohin man blickt, immer sind Polizisten zuallererst mit dabei, die Rechte der Staatsbürger mit Füßen zu treten. Ich verachte den ganzen Laden. Hooligans sind auch nicht schlimmer.
Kurti23 19.04.2011
5. .
Ich kann in dem Video ehrlich gesagt keinerlei Fehlverhalten der Polizei erkennen, ganz im Gegenteil. Wenn Fahnen etc. auf Polizisten geworfen werden erwarte ich eigentlich nicht so ein Verhalten seitens der Polizei wie es dort zu sehen ist, sondern eigentlich hartes Durchgreifen. Ich denke es wird schon eien Grund gegeben haben. Viele Fußballfans insbesondere der Art wie sie dort zu sehen sind sind nun mal kein Kinder von Traurigkeit die sich vornehm zurück halten.
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