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Dutzende Verletzte: Blocksturm der Polizei empört HSV-Fans

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Polizei im HSV-Block: Vorgehen gegen Transparente Zur Großansicht
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Polizei im HSV-Block: Vorgehen gegen Transparente

Beim HSV-Spiel gegen Bayern haben Polizisten einen Block der Ultras gestürmt und Pfefferspray eingesetzt. Die Beamten wollten beleidigende Plakate konfiszieren. Ein Augenzeuge spricht von zahlreichen Verletzten, die Fans sind wütend.

Hamburg - Die Spieler waren längst in der Kabine, doch auf den Zuschauerrängen herrschte in der Halbzeitpause des Spiels Hamburger SV gegen Bayern München (1:4) trotzdem Aufregung. Ohne Vorwarnung waren behelmte Polizisten in die beiden Ultra-Blöcke in der Hamburger Arena marschiert. Ihr Ziel: das Entfernen zweier Transparente mit der Aufschrift "A.C.A.B.". Die Abkürzung gilt bei Demonstranten wie auch bei Fußballfans als Provokation gegen die Sicherheitskräfte des Staates. Sie bedeutet "All Cops Are Bastards" - alle Polizisten sind Bastarde.

Eine Gruppe der Polizei versuchte, eines der Banner, das im Unterrang vor Block 25 hing, zu beseitigen. In diesem Bereich des Stadions steht unter anderem die Ultra-Gruppe Poptown. Aus dem Innenraum heraus versuchten die Polizisten, an das Transparent zu kommen - ohne Erfolg. Zu einer direkten Konfrontation mit den Fans kam es an dieser Stelle nicht.

Die gab es dafür im Oberrang und das in ziemlich drastischer Form. Denn zeitgleich marschierten mehrere Dutzend Einsatzkräfte in den voll besetzten Block 22C - Heimat der Hamburger Ultra-Gruppe Chosen Few Hamburg (CFHH). Dort hing das zweite "A.C.A.B"-Transparent. Es kam zu hässlichen Szenen: "Ich war gerade zurück von der Toilette, als mir am Eingang des Blocks die ersten Verletzten entgegenfielen", beschreibt ein Augenzeuge, der nicht namentlich genannt werden möchte, die Situation. Die Polizei setzte in dem Bereich, in dem auch Familien mit Kindern sitzen, Schlagstöcke und Pfefferspray ein.

Die HSV-Anhänger reagierten entsprechend heftig und versuchten, die Polizisten aus dem Block zu drängen. Dabei hat es - so der Augenzeuge - auf Seiten der HSV-Anhänger "mehrere Dutzend Verletzte gegeben". Keiner habe damit gerechnet, "dass die Polizei unter Anwendung solch massiver Gewalt einen ganzen Block unter Pfefferspray setzt, um ein - zugegeben - provozierendes Transparent zu entfernen".

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Doch warum hingen diese Plakate überhaupt in den Blöcken? Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hatte es bereits vor dem Spiel Auseinandersetzungen zwischen einigen Fans und der Polizei gegeben. Dabei soll neben zwei Beamten auch ein HSV-Fan verletzt worden sein. Die Anhänger, die im Stadion über einen eigenen Raum für die Vorbereitung ihrer Choreografien verfügen, malten daraufhin spontan die beiden Protestplakate.

Der HSV-Supporters-Club und das Fanprojekt verurteilten den Einsatz der Polizei. "Ein Banner als Grund zu nehmen, in einem vollen Stadion einen Block unter dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken zu stürmen, ist vollkommen inakzeptabel. Die Inkaufnahme von Verletzten im dreistelligen Bereich steht in keinem Verhältnis zu einer solchen Provokation", hieß es in der Stellungnahme.

Zudem stellten die Unterzeichner eine berechtigte Frage: "Man muss sich fragen, ob die Polizei aus den Vorfällen beim Champions-League-Qualifikationsspiel FC Schalke 04 - PAOK Saloniki überhaupt nichts gelernt hat", so Christian Bieberstein, Abteilungsleiter der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supporters Club. Auf Schalke hatten Polizisten im August 2013 ebenfalls unter Anwendung von Pfefferspray einen Block der Heimfans gestürmt, um eine provokative Fahne zu entfernen. Auch dabei hatte es Verletzte gegeben.

Kurz vor dem Blocksturm beim HSV am Samstagnachmittag sollen die Polizisten nach Informationen von SPIEGEL ONLINE Rücksprache mit dem Ordnungsdienst der Hamburger gehalten haben. Dieser habe sich angeblich gegen das Vorgehen der Polizei ausgesprochen. Doch die Bedenken hielt die Polizei nicht von ihrem Vorgehen ab.

In einem offiziellen Statement betont diese jedoch, dass die Gewalt von den Zuschauern ausgegangen sei: "Als der Ordnungsdienst in der Halbzeitpause versuchte, das Banner am Block 25A abzunehmen, wurde dieser durch Störer mit Gegenständen beworfen und angegriffen. Polizeibeamte unterstützten die Ordner in diesem Bereich", heißt es in der Mitteilung. Das Banner im Block 22C habe die Polizei selbst entfernt. "Dabei griffen Störer die Beamten massiv körperlich an, schlugen und bewarfen sie mit Stangen. Mehrfach mussten die Beamten Reizgas und Schlagstöcke gegen vermummte Straftäter einsetzen." Vier Polizisten seien verletzt worden.

"Provokationen hin oder her - dieser Polizeieinsatz war an Sinnlosigkeit nicht zu überbieten", so der Augenzeuge zu SPIEGEL ONLINE. Er vermutet eine Retourkutsche der Sicherheitskräfte, die nach der Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg zwischen die Fronten geraten waren, als frustrierte Anhänger des abstiegsbedrohten HSV vorm Spielereingang randalierten.

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1.
TS_Alien 04.05.2014
Die "Fans" sind wütend. Oje. Solchen "Fans" sollte man ein Stadionverbot erteilen. Mehr geht leider nicht.
2. Die berühmten Supporters...
retterdernation 04.05.2014
bestimmen jetzt also, was Recht und Gesetz ist, nein Danke - das braucht die Bundesliga nun wirklich nicht. Tschüss HSV - ihr nervt einfach nur noch, hoffentlich ist der Spuk am kommenden Wochende vorbei. Und - in einem Land, in dem Hooligans die Regeln bestimmen (siehe Ukraine) möchte ich nicht leben.
3. Diese ganzen
dennis_89 04.05.2014
sind alles gehirnamputierte, asoziale Vollidioten. Die einzigen, die nichts lernen sind diese geistigen Vollpfosten, die den Sport zum Anlass für ihre Gewaltorgien und Randalen nutzen. Die Polizei darf ruhig öfter so durchgreifen! - Wenn ihr den Kommentar jetzt nicht freigebt liebe SPON Redaktion, dann unterstützt ihr auch noch diese S/dummen Spinner!
4.
markusb 04.05.2014
Lasst die Polizei ganz aus den Stadien. Dann können sich die Spinner endlich ungebremst mit Pyrotechnik abzünden und krankenhausreif prügeln. Steuerverschwendung, diesen Mob zu bremsen.
5. Inakzeptabel
sumfuiesse 04.05.2014
Natürlich ist der Banner pure Provokation seitens sehr weniger Chaoten. Der Polizeieingriff steht aber in keinerlei Verhältnis dazu. Wie kann man gegen unbeteiligten Fans, Kinder und Frauen wahllos Pfefferspray einsetzen. Gerade bei der Polizei lernt man, dass Gewalt erst das allerletzte Mittel sein sollte. Es hätte viele verbale Alternativen gegeben...Und so wird es weiter, nicht unberechtigt, diese Banner geben.
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