Ex-Bayern-Kapitän Augenthaler Der Häuptling mit dem Vokuhila

Sieben Meisterschaften, drei Pokalsiege: Klaus Augenthaler prägte die erfolgreichen achtziger Jahre des FC Bayern. Unvergessen ist sein Tor des Jahrzehnts gegen Frankfurt - aber auch sein Wechselfehler als Aushilfstrainer. Das Buch "Die besten Bayern" erinnert an den früheren Kapitän.

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Von Heinrich Geiselberger, Tobias Moorstedt und Jakob Schrenk


Über Klaus Augenthaler heißt es ja immer, dass ihm das Weißbier recht gut schmeckt, und vielleicht liegt es tatsachlich am Restalkohol nach den Feierlichkeiten anlässlich des Uefa-Pokal-Siegs 1996, dass "Auges" einzige Partie als Chefcoach der Bayern ein wenig danebengeht.

Augenthaler, der an diesem Nachmittag Franz Beckenbauer vertritt, wechselt zur Halbzeit gleich viermal aus. Weil das Spiel bereits bedeutungslos ist, legt Fortuna Düsseldorf keinen Protest ein. Der Niederbayer wird später stets grinsen, wenn man ihn auf diesen Fehler anspricht. Und mit genau dieser Mischung aus Bauern- bzw. Bayernschläue und einem Schuss lässiger Souveränität hält Augenthaler auch als Libero etwa 15 Jahre lang die Abwehr der Münchner zusammen.

In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre kaufen die Bayern keine Starensembles zusammen, sie legen Wert auf Spieler aus der Region, die reden (und vielleicht auch aussehen) wie die eigenen Fans. Präsident Wilhelm Neudecker gibt die Parole aus: Wir brauchen keine Ausnahme-Toremacher. Den Nachwuchs ziehen wir selbst auf - aus der eigenen Jugend, aus Provinzclubs hinterm Wald. Und von dort, aus dem niederbayerischen Vilshofen, kommt 1975 Klaus Augenthaler, eigentlich Stürmer, der dann aber doch den Libero-Platz von Franz Beckenbauer übernehmen soll.

Augenthaler, der seinen Vokuhila immer so würdevoll tragt wie ein Irokese seinen Kamm, wird der Häuptling einer sehr bayerischen Bayernmannschaft.

Schafkopf- statt Kopfballtraining

Mit Hans Pflügler, Norbert Eder, Helmut Winklhofer und Augenthaler ist die Abwehr in vielen Spielen zu 100 Prozent bayerisch. Und die Stammeskultur wird freilich auch gepflegt: Schafkopf- statt Kopfballtraining. Am 19. August 1989 bolzt Augenthaler den Ball in einem Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt aus knapp 50 Metern in den gegnerischen Kasten, als werfe er seinen Tomahawk nach einem Bleichgesicht - der Treffer wird zum Tor des Jahrzehnts gewählt.

Nur mit viel Pech verpasst der FCB in dieser Zeit den Landesmeister-Pokal, zwei Finale gehen unglücklich verloren: 1982 gegen Aston Villa und 1987 gegen den FC Porto.

Der Mann, der einmal gesagt hat, Kaiserslautern oder Stuttgart seien für ihn genauso weit weg wie die Türkei, bleibt den Bayern auch nach dem Karriereende zunächst treu. Er hilft ab und an noch bei den Amateuren aus, arbeitet lange Jahre klaglos als Assistenztrainer der ersten Mannschaft und pflegt sein Image als Grantler und Vorzeigebajuware. Nur seine angebliche Liebe zum Weißbier bestreitet Augenthaler: "Ich trinke zu Hause viel lieber Rotwein als Weißbier. Einen Italiener. Hin und wieder auch einen Chilenen."



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Seite 1
pnin05 20.04.2012
1.
war ein wirklich großer. Er kam aber nicht, wie im Artikel behauptet, 1976, sondern bereits 1975. Und er kam mitnichten als Nachfolger für Beckenbauer. Augenthaler war beim FC Vilshofen Mittelstürmer gewesen und wurde als möglicher Nachfolger für Gerd Müller geholt. Defensiv umgeschult wurde er dann in der 2. Mannschaft des FCB (teils wegen Personalnöten). Warum ist es Spiegel-Redakteuren nicht möglich, halbwegs sauber zu recherchieren?
Augustusrex 20.04.2012
2. Mario Basler
Zitat von sysopGetty ImagesSieben Meisterschaften, drei Pokalsiege: Klaus Augenthaler prägte die erfolgreichen achtziger Jahre des FC Bayern. Unvergessen ist sein Tor des Jahrzehnts gegen Frankfurt - aber auch sein Wechselfehler als Aushilfstrainer. Das Buch "Die besten Bayern" erinnert an den früheren Kapitän. Ex-Bayern-Kapitän Augenthaler: Der Häuptling mit dem Vokuhila - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,826126,00.html)
war nicht launig sondern launisch.
Stelzi 20.04.2012
3. Darum
Zitat von pnin05war ein wirklich großer. Er kam aber nicht, wie im Artikel behauptet, 1976, sondern bereits 1975. Und er kam mitnichten als Nachfolger für Beckenbauer. Augenthaler war beim FC Vilshofen Mittelstürmer gewesen und wurde als möglicher Nachfolger für Gerd Müller geholt. Defensiv umgeschult wurde er dann in der 2. Mannschaft des FCB (teils wegen Personalnöten). Warum ist es Spiegel-Redakteuren nicht möglich, halbwegs sauber zu recherchieren?
Die wissen halt nicht wie man Wikipedia bedient. Kannst ja mal Nachhilfeuntericht geben.
ostanleger 20.04.2012
4. Die besten fouls
Zitat von sysopGetty ImagesSieben Meisterschaften, drei Pokalsiege: Klaus Augenthaler prägte die erfolgreichen achtziger Jahre des FC Bayern. Unvergessen ist sein Tor des Jahrzehnts gegen Frankfurt - aber auch sein Wechselfehler als Aushilfstrainer. Das Buch "Die besten Bayern" erinnert an den früheren Kapitän. Ex-Bayern-Kapitän Augenthaler: Der Häuptling mit dem Vokuhila - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,826126,00.html)
Wird in dem buch auch das foul des jahrzehnts beschrieben, durch das Bayern 1986 deutscher fussballmeister wurde? Das an Rudi Völler, als er im liegen noch den über ihn springenden Rudi niedermähte? Freistoss für Werder gab es. Und einen schwerverletzten Rudi Völler mit 16 spielen pause, in denen Werder seinen vorsprung verlor und Auge nicht einmal eine karte bekam. Bravo, Auge, das hat sich gelohnt. Bestimmt noch mehr als das 60-meter-tor.
Diskutierender 20.04.2012
5. Rustikale Härte
Zitat von ostanlegerWird in dem buch auch das foul des jahrzehnts beschrieben, durch das Bayern 1986 deutscher fussballmeister wurde? Das an Rudi Völler, als er im liegen noch den über ihn springenden Rudi niedermähte? Freistoss für Werder gab es. Und einen schwerverletzten Rudi Völler mit 16 spielen pause, in denen Werder seinen vorsprung verlor und Auge nicht einmal eine karte bekam. Bravo, Auge, das hat sich gelohnt. Bestimmt noch mehr als das 60-meter-tor.
Das war halt rustikale Härte und kein Kindergeburtstag. Neben Augenthaler war auch Hansi Pflügler ein Experte für angemessene Gegnerbehandlung. Ist es vielleicht besser, dass die Bayern bei jedem Spiel gegen Werder Bremen unerträglichen Fischgestank ertragen müssen.
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