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Fußballer Akinfenwa: Biest und Fettsack

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Fußballer Akinfenwa: Kultfigur in England

Adebayo Akinfenwa hat einen Brustkorb und Arme wie Arnold Schwarzenegger. Aber er ist nicht etwa Bodybuilder, sondern Fußballer - und eine Kultfigur in England. Das Magazin "11FREUNDE" über Akinfenwas Leben zwischen Kraftraum und Rasen.

Vor wenigen Wochen wurde Adebayo Akinfenwa in London von der Polizei angehalten. Der Polizist fragte ihn nach seinem Beruf. Akinfenwa antwortete wahrheitsgemäß: "I'm a footballer." Der Beamte sagte: "Ich liebe Football. Der Super Bowl war klasse." Akinfenwa entgegnete: "Nein, ich bin Fußballer. Ich spiele in der vierten Liga." Der Polizist sagte: "Fußballer? Dafür sind Sie doch viel zu schwer."

Zu schwer zum Fußballspielen: Diesen Satz hat sich Akinfenwa in seiner Karriere schon oft anhören müssen. Zugegeben, der 31-Jährige, Sohn nigerianischer Eltern, geboren in London, misst 1,80 Meter und wiegt 108 Kilo. Wahrlich keine Idealmaße für einen Profi. Seine Erscheinung polarisiert. "Das Biest" nennen ihn seine Fans, "Fettsack" rufen die Gegner.

"Mir hat mal jemand erklärt, dass man im Fernsehen immer etwas dicker aussieht. Darauf berufe ich mich", sagt Akinfenwa und lacht. Er ist nicht fett, sondern vollbepackt mit Muskeln. Die Macher der Computerspielreihe Fifa ernannten ihn jüngst zum stärksten Fußballer der Welt. Eine britische Zeitung ermittelte, dass seine Oberarme einen größeren Umfang haben als die Oberschenkel von Chelsea-Verteidiger John Terry. "Wenn die Fans ihre Späße über mich machen, muss ich lachen. Das motiviert mich", sagt er. Nach 110 Toren in 315 Spielen in der dritt- und vierthöchsten englischen Liga sind zumindest die Rufe der Gegner leiser geworden.

Von England in die litauische Liga

Dabei wäre die Karriere des Stürmers fast vorbei gewesen, bevor sie überhaupt angefangen hatte: Mit 18 wurde er beim FC Watford wegen mangelnder Fitness aussortiert und ging zum FK Atlantas in die zweite litauische Liga. Der Schwager seines Beraters war ein Bekannter des dortigen Trainers.

Akinfenwa erlebte einen Kulturschock. "Ich war der erste dunkelhäutige Spieler in der Liga und einer der wenigen Dunkelhäutigen in der Stadt", erinnert er sich. Zuschauer begleiteten seine Ballberührungen mit Affenlauten. Als ihn eines Tages ein Mädchen mit dem Hitlergruß auf dem Trainingsgelände begrüßte, packte er seine Koffer und kündigte seinem älteren Bruder an, dass er nun nach Hause kommen werde. Der sagte nur: "Willst du diese Arschlöcher gewinnen lassen oder bleiben und ihnen zeigen, dass sie Idioten sind?" Worte, die sich Akinfenwa einprägten.

Akinfenwa entwickelte mit "Beast Mode" seine eigene Marke

Er blieb, schoss Atlantas zum Pokalsieg 2001, der Club qualifizierte sich erstmals seit 15 Jahren für den Uefa-Cup. Von einem Tag auf den nächsten war er der Publikumsliebling. Er hatte gesiegt und erkannt, dass er aus seiner Rolle als ständig Verspotteter eine Tugend machen muss. Er nennt es: den "Beast Mode".

"Im 'Beast Mode' geht es darum, an sich selbst zu glauben und die Grenzen zu überwinden, die andere einem setzen", sagt er. Dafür arbeitet er hart. Auf dem Rasen und im Kraftraum. Beim Bankdrücken schiebt er ohne große Mühe 180 Kilo in die Luft - also zweimal Mario Gomez. Oder dreimal Marko Marin.

Mittlerweile inszeniert er sich und seinen Lifestyle auf allen Kanälen, lädt Trainingsvideos direkt von der Hantelbank ins Netz, twittert Fotos, auf denen er und seine Muskelfreunde sich ihre T-Shirts zerreißen. Darauf steht: "Beast Mode" - er vertreibt sie selbst. Journalisten begrüßt er gerne mit dem Satz: "Keine falschen Fragen, sonst werfe ich dich aus dem Fenster." Doch dann muss er lachen. Akinfenwa lacht gerne und nimmt sich selbst nicht allzu ernst.

So wurde er in England zur Kultfigur. Zum Relegationsspiel für die dritte Liga im Wembley-Stadion, bei dem er mit Northampton Town knapp an Bradford City scheiterte, trugen Tausende Fans sein T-Shirt mit dem "Beast Mode"-Schriftzug.

"Als ich mit dem Krafttraining anfing, stellte ich meine Ernährung um. Ich wurde fett, und es war mir egal. Ich hatte vergessen, dass ich hauptberuflich Fußballer bin." Seine fußballerischen Qualitäten sind ohnehin bestenfalls simpel. Vor seinem mächtigen Oberkörper wirkt der Ball wie eine Murmel, er pflügt mehr über den Rasen, als dass er läuft. Man nennt diesen Spielertypus gerne Kraftpaket, doch Akinfenwa ist mehr: Er ist eine Dampframme. Dass er es überhaupt zum Profi geschafft hat, zeigt, wie weit man mit bloßem Willen - und einem starken Körper - kommen kann.

Ob er sich vorstellen könne, in der Premier League zu spielen? "Natürlich! Ein Typ wie Emile Heskey war doch auch Nationalspieler", sagt er. Doch der Weg dorthin ist weit. Dass er tatsächlich in seinem Karriereherbst mit 31 Jahren in der ersten Liga landen wird, gilt als ausgeschlossen. Im Sommer wurde sein Vertrag beim Viertligisten Northampton nicht verlängert.

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insgesamt 5 Beiträge
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1. optional
Altesocke 12.07.2013
Erinnert mich an Briegel. Ok, ein maechtiger Briegel. Der war auch nicht grad der excellente Techniker. Und schaffte es in D. in die Nationalelf.
2. Vertrag nicht verlängert?
LapOfGods 12.07.2013
"Im Sommer wurde sein Vertrag beim Viertligisten Northampton nicht verlängert." Er spielt jetzt beim Drittligisten FC Gillingham. Ist doch eher eine Verbesserung, oder?
3.
lequick 12.07.2013
Cooler Typ :>
4. Schlecht recherchiert
Malshandir 12.07.2013
Also er hat ein gewicht von 85,8 kg und nicht 108 und spielt nun fuer FC Gillingham, Aufsteiger aus der 4. Liga und nun 3. Liga. Im Uebrigen hat er in den letzten Jahren fast ausschliesslich fuer Gillingham oder Northamptom gespielt.
5. Premier League
anteater 12.07.2013
Er hat doch schon in der Premier League gespielt. Halt nur nicht in der Englischen, sondern in der Walisischen.
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