Mario Götze: Bayern-Fan wird Bayern-Spieler

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20 Jahre alt, 37 Millionen Euro teuer - Mario Götze ist bereits ein Superstar. Der Edel-Techniker schaffte bei Borussia Dortmund den Sprung zum Profi, Nationalspieler und Meister, der BVB wurde zur Zweitfamilie. Doch sein Jugendtrainer glaubt: Er wird sich auch in München wohlfühlen.

DPA

"Sensation", "Wahnsinn", "Supertransfer" - die Fußballwelt staunt, seit der Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern bekannt geworden ist. Dabei hätte dem BVB eigentlich seit dem 2. Juli 2012 klar sein müssen, dass ihr Riesentalent eher früher als später zum Rekordmeister wechseln wird. Damals verkündeten die Münchner, wer neuer Sportchef an der Säbener Straße wird: Matthias Sammer.

Sammer war bis dahin Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund und als solcher auch verantwortlich für die Nachwuchsförderung. Unter all den Talenten hatte es einer Sammer besonders angetan. "Mario Götze ist eines der größten Talente, das wir je hatten", sagte er vor zwei Jahren dem "Kicker".

Damals war Mario Götze erst 18 Jahre alt. "Ich versuche immer, etwas zu einem Zeitpunkt zu sagen, wo es die anderen vielleicht noch nicht sehen", so Sammer: "Jetzt etwas zu Mario Götze zu sagen, das braucht es nicht. Er ist außergewöhnlich."

Das war auch Borussia Dortmund früh klar, seit 2001 spielt Götze für die "Schwarz-Gelben". Im Sommer geht mit dem Wechsel nach München eine bisher steile Erfolgsgeschichte des 20-Jährigen beim BVB zu Ende.

Was Jürgen Klopp jetzt durchmachen muss, das kann Christian Droese ein bisschen nachvollziehen, auch er verlor einst mit dem kleinen Mario seinen besten Spieler. Droese war Götzes Jugendtrainer beim FC Eintracht Hombruch. "Spielwitz und Intelligenz - und eine unglaubliche Technik", das habe den kleinen Kicker damals schon ausgezeichnet. So habe er auch mühelos seine körperlichen Defizite ausgleichen können.

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Wechsel nach München: Götze kassierte Millionen vom BVB
Die Familie Götze war damals gerade aus Ronsberg im Ostallgäu nach Dortmund gezogen. Vater Jürgen, Professor für Datentechnik, hatte einen neuen Job an der TU Dortmund angetreten. Nach drei Jahren beim SC Ronsberg lief Mario Götze nun für Hombruch auf, schon damals im offensiven Mittelfeld. "Hinter den Spitzen war er einfach am stärksten" erinnert sich Droese, "Mario hat für uns jede Menge Tore geschossen". Schon seien Mario und der Ball unzertrennlich gewesen, "er musste nie runtergucken, wie die anderen Jungs", so Droese, "Mario wusste einfach immer, was der Ball macht".

So gut war der Supertechniker laut Droese, dass er mit den ein Jahr älteren Jungs in einer Mannschaft spielte - und auch da jeden Ball bekam. Als er einmal, im Alter von acht Jahren, gar bei den drei Jahre Älteren aushalf, habe er sich mühelos durchgesetzt. "Er war schon immer der Ehrgeizigste bei uns", so Droese, "auf dem Platz ist es egal, wie alt du bist. Da zählt nur, ob du kicken kannst. Und Mario war einfach der Beste." Der Beste, aber nicht der Lauteste. Als seine Mannschaft ihn zum Kapitän wählte, habe er abgelehnt, erzählt Droese: Er wollte eben nur kicken.

Nur ungern ließ ihn Droese dann zum BVB ziehen, aber der Weg des Riesentalents war vorgezeichnet. In Dortmund durchlief Götze die Jugendteams, auch in den Nachwuchs-Nationalmannschaften hatte er einen Stammplatz sicher. 2009 (U17) und 2010 (U18) verlieh ihm eine Jury, bestehend aus Vertretern des DFB-Präsidiums, des DFB-Jugendausschusses und des DFB-Trainerstabes, jeweils die Fritz-Walter-Medaille in Gold für den besten Nachwuchsspieler.

Bei der EM nur Reservespieler

Doch das Wort "Nachwuchs" täuscht, Götze war da längst angekommen im Profifußball. Unter Jürgen Klopp feierte er am 21. November 2009 im Alter von 17 Jahren und fünf Monaten beim 0:0 gegen Mainz 05 sein Bundesliga-Debüt. "Wir sind Marios Vater sehr dankbar, dass er damals aus dem Allgäu nach Dortmund gezogen ist", sagte Klopp 2010. In seiner ersten Saison kam Götze zwar nur auf insgesamt 42 Minuten Einsatzzeit, doch das sollte sich zur nächsten Spielzeit grundlegend ändern: Nur eine Partie verpasste er in der Meistersaison 2010/2011.

Wegen einer langwierigen Schambeinentzündung fiel Götze dann bei der Titelverteidigung 2011/2012 fast die gesamte Rückrunde aus, doch Sorgen um seinen Stammplatz musste er sich nicht machen. In dieser Saison gehörte er wieder regelmäßig zu den besten Spielern der Liga.

Auch in der Nationalmannschaft schaffte Götze schnell den Sprung in den Stammkader. Unter Bundestrainer Joachim Löw wurde er im Alter von 18 Jahren und fünf Monaten jüngster Debütant in der A-Nationalelf seit Uwe Seeler (10. November 2010 beim 0:0 in Schweden), viertjüngster Torschütze der A-Nationalelf (10. August 2011 beim 3:2 gegen Brasilien) sowie jüngster Schütze eines Pflichtspieltreffers in der A-Nationalelf (2. September 2011 beim 6:2 gegen Österreich).

Bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine kam er allerdings nur zu einem Kurzeinsatz im Viertelfinale gegen Griechenland. Die Konkurrenz im DFB-Mittelfeld war groß, neben Mesut Özil von Real Madrid besetzten unter anderem Thomas Müller und Toni Kroos die offensiven Positionen. Auf beide wird Götze ab Sommer jeden Tag im Bayern-Training treffen.

Leicht wird es für ihn nicht werden beim neuen Club, fern der BVB-Familie. Aber Jugendtrainer Droese ist zuversichtlich, dass sein ehemaliger Schützling in München gut klarkommen wird. Zum einen sei da sein Talent und sein Ehrgeiz. Zum anderen, so erinnert sich Droese, "war Mario zu Beginn großer Bayern-München-Fan, als er zu uns gekommen ist. Das hatte er aus dem Süden mit nach Dortmund gebracht."

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