Portugal gewinnt EM-Viertelfinale: Ronaldo besiegt Tschechien
Der erste Halbfinalist steht fest: Portugal hat dank eines überragenden Cristiano Ronaldo das EM-Viertelfinale gegen Tschechien für sich entschieden. Sein Team war klar überlegen und hätte durchaus höher gewinnen können - doch der Pfosten stand dem Superstar zweimal im Weg.
Hamburg - Cristiano Ronaldo konnte es nicht fassen. Er schlug die Arme über dem Kopf zusammen, verdrehte die Augen. Doch all seine exzentrische Gestik und Mimik änderte nichts daran, dass er in der 50. Minute erneut nur den Pfosten getroffen hatte. Wie schon in der ersten Halbzeit. Umso enthusiastischer fiel schließlich sein Jubel in der 80. Minute aus, nachdem er per Kopf für das entscheidende 1:0 (0:0) im Viertelfinale gegen Tschechien gesorgt hatte.
Da herzte er die TV-Kameras und ließ sich von seinen Teamkollegen feiern. Aus gutem Grund, war er doch der entscheidende Mann und an nahezu allen gefährlichen Aktionen seiner Mannschaft beteiligt. Im Halbfinale trifft Portugal nun auf den Sieger der Partie Spanien gegen Frankreich am Samstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).
"Wir sind jetzt sehr zuversichtlich. Cristiano Ronaldo hat die entscheidenden Tore für uns geschossen. Aber er hat auch eine starke Mannschaft hinter sich, nur deshalb hat er so viele Chancen", sagte Portugals Nani.
Bei den Tschechen musste Nationaltrainer Michal Bilek auf Tomas Rosicky verzichten. Er wurde nach seinen Achillessehnenproblemen nicht rechtzeitig fit. Für ihn spielte diesmal Wladimir Darida, zuletzt hatte Daniel Kolar Rosicky noch vertreten. Portugals Coach Paolo Bento setzte auf die gleiche Elf wie auch bei allen Spielen in der Vorrunde.
Die Portugiesen um Superstar Ronaldo galten vor der Partie als klarer Favorit, die tschechische Elf hatte die Rolle des Außenseiters dankend angenommen. Im Spiel war von den vermeintlichen Kräfteverhältnissen zunächst nicht viel zu spüren - beide Teams spielten gleich schlecht. Das Bemühen, auf keinen Fall in Rückstand zu geraten, war auf beiden Seiten deutlich zu sehen und hemmte jegliche Offensiv-Initiativen.
Doch es lag nicht nur daran, dass beide Mannschaften nicht zum Torabschluss kommen wollten. Vielmehr waren es technische Unzulänglichkeiten. Kaum eine Kombination ohne finalen Fehlpass, ständige Stockfehler, das Niveau des Viertelfinals war schwach. Es dauerte bis zur 18. Minute, ehe es zum ersten Mal gefährlich wurde: Baros rutschte nach einer Hereingabe von Darida knapp am Ball vorbei.
Weil Ronaldo auf der linken Außenbahn von Theo Gebre Selassie extrem eng gedeckt wurde, wich er mit fortlaufender Spieldauer immer häufiger in die Mitte aus. In der 25. Minute tauchte er sogar zentral freistehend vor Cech auf und scheiterte - die Szene war aber zuvor wegen eines Fouls von Ronaldo abgepfiffen worden. Aufgeschreckt durch Ronaldos neuen Bewegungsradius kam es hin und wieder vor, dass Gebre Selassie ihn über das halbe Spielfeld verfolgte. Man kann das übervorsichtig nennen - oder antiquiert.
Ronaldo gegen Tschechien
Hatten die Zuschauer bis dahin nahezu nichts gesehen, was die teils horrenden Eintrittspreise gerechtfertigt hätte, kamen sie in der 33. Minute immerhin etwas auf ihre Kosten. Ronaldo setzte im Strafraum der Tschechen zum Fallrückzieher an, der ging aber vorbei. Kurz darauf legte er noch einen Freistoß nach (35.). Und es blieb auch Ronaldo vorbehalten, in der Nachspielzeit der ersten Hälfte den Ball an den Pfosten zu befördern. Das erste Viertelfinale der Europameisterschaft 2012 konnte bis dahin auf eine einfach Formel gebracht werden: Ronaldo gegen Tschechien. Letztlich blieb es aber vorerst beim 0:0.
Gab es in den ersten 45 Minuten eher fußballerische Magerkost zu sehen, dauerte es in Halbzeit zwei gerade einmal zwanzig Sekunden, bis es zu einer Torchance kam: Der bereits in der ersten Hälfte für den angeschlagenen Helder Postiga eingewechselte Hugo Almeida köpfte einen Ball aus guter Position über das Tor. Und nur fünf Minuten später traf Ronaldo nach einem Freistoß erneut den Pfosten.
Die Tschechen gerieten nun stärker unter Druck, Cech musste in der 58. Minute einen Schuss von Nani abwehren. Bei Almeidas Treffer in derselben Minute war Cech machtlos - doch der ehemalige Stürmer von Werder Bremen stand im Abseits. Der tschechische Keeper rückte immer stärker in den Blickpunkt, in der 64. Minute parierte er einen Schuss von Moutinho, Nani verzog wenig später nur knapp (75.).
Für den erlösenden Treffer aus portugiesischer Sicht sorgte schließlich Ronaldo, der nach einer Flanke von Moutinho das entscheidende Tor markierte und sein Team ins Halbfinale köpfte. "Ich bin traurig, dass wir es nicht geschafft haben. Die Portugiesen waren einfach am Ball stärker, am Ende hat uns die Kraft verlassen", sagte Tschechiens Darida.
Tschechien - Portugal 0:1 (0:0)
0:1 Ronaldo (79.)
Tschechien: Cech - Gebre Selassie, Sivok, Kadlec, Limbersky - Hübschman (ab 86. Pekhart), Plasil - Jiracek, Darida (ab. 61. Rezek), Pilar - Baros
Portugal: Rui Patricio - Joao Pereira, Pepe, Bruno Alves, Fabio Coentrao - Raul Meireles (ab 88. Rolando), Miguel Veloso, Joao Moutinho - Nani (ab 84. Custodio), Helder Postiga (ab 40. Almeida), Cristiano Ronaldo
Schiedsrichter: Howard Webb (England)
Zuschauer: 55.590
Gelbe Karten: Limbersky - Nani, Veloso
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