Klassenerhalt für Huddersfield Zwei Tage Londoner Nachtleben

Huddersfield Town hat Erstaunliches geschafft – zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres. Nach dem Aufstieg in die Premier League gelang jetzt der Klassenerhalt. Das macht Trainer David Wagner zu einem gefragten Mann.

David Wagner
Getty Images

David Wagner

Von


David Wagner arbeitet schon seit einer Weile im Ausland. Im November 2015 trat er seinen Dienst als Trainer bei Huddersfield Town an. Doch manchmal hat er immer noch Probleme mit der fremden Sprache. "Mir fehlt das englische Vokabular, um zu beschreiben, wie stolz ich bin, dass wir es aus eigener Kraft geschafft haben", sagte er nach dem 1:1 beim FC Chelsea. Es - damit war der Klassenerhalt in der Premier League gemeint.

Kürzlich sah es noch danach aus, als sei der kleine Klub aus West Yorkshire dem Untergang geweiht wegen des komplizierten Restprogramms mit Spielen beim neuen Meister Manchester City, beim alten Meister Chelsea und gegen den FC Arsenal zum Abschluss. Es sah danach aus, als könnte die Mannschaft in letzter Sekunde in die Abstiegszone rutschen und zur neuen Saison in die zweite Liga zurückkehren.

Partyerlaubnis und zwei Tage frei

Doch Huddersfield punktete doppelt, erst beim 0:0 bei Manchester City, dann gegen Chelsea. Das Saisonfinale gegen Arsenal ist daher gar kein Finale. Die Partie hat keine Bedeutung mehr. Huddersfield kann schon jetzt für die kommende Spielzeit in der Premier League planen. Wagner gestattete seiner Mannschaft nach der Partie bei Chelsea deshalb eine Exkursion ins Londoner Nachtleben und gab zwei Tage frei.

Der Klassenerhalt ist die zweite Errungenschaft des Klubs innerhalb eines Jahres nach dem Aufstieg am Ende der vergangenen Saison. Wagner ging sogar noch weiter: "Das ist eine noch größere Leistung. Wir waren der Abstiegskandidat Nummer eins."

Ein Märchen aus knapp 90 Millionen

Wenn Geschichten aus dem Milliardenbetrieb Profifußball zu Märchen verklärt werden, ist immer Vorsicht angebracht. Doch Huddersfield hat mit dem Verbleib in der Premier League tatsächlich Erstaunliches erreicht. Die Mannschaft hat in dieser Saison den mit Abstand kleinsten Etat in der Liga. Der Kader ist nach Schätzungen nur knapp 90 Millionen Euro wert. Die Gesamtmarktwert von Manchester Citys Team wird ungefähr auf das Zehnfache taxiert.

Es ist symbolisch für den erfolgreichen Überlebenskampf von Wagners Mannschaft, dass sie die beiden entscheidenden Punkte gegen die Spitzenteams Manchester City und Chelsea holte. Der Verein von Besitzer Roman Abramowitsch hat in dieser Saison bewiesen, dass Geld alleine keinen Erfolg bringt, wenn es falsch eingesetzt wird und die Stimmung vergiftet ist.

David Luiz (l.) und Olivier Giroud nach den 1:1 gegen Huddersfield
Getty Images

David Luiz (l.) und Olivier Giroud nach den 1:1 gegen Huddersfield

Der Ex-Meister hat den Einzug in die Champions League durch das Remis gegen Huddersfield fast sicher verpasst. Der Abschied von Trainer Antonio Conte gilt schon seit Beginn der Saison als beschlossen. Huddersfield dagegen hat gezeigt, dass ein Verein auch ohne große Möglichkeiten bestehen kann, wenn Einstellung und Kampfgeist stimmen, er über einen guten Trainer verfügt und Krisen geschickt moderiert.

Was nun, David Wagner?

Krisen gab es in Huddersfields Saison durchaus. Um den Jahreswechsel konnten die Terriers acht Spiele nacheinander nicht gewinnen. Doch der Klub hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und hat - das ist vermutlich die größte Leistung - immer dann gepunktet, wenn es wirklich wichtig war, wenn der Druck zu groß zu werden drohte. "Wir hatten drei, vier Spiele, in denen klar war, dass wir etwas holen müssen. In diesen Spielen haben wir immer performt", sagte Wagner. Sein Team stand deshalb nur einmal auf einem Abstiegsplatz. Der Klassenerhalt ist mehr als nur Glück. Er ist die logische Folge der ganzen Saison.

Wagners Erfolge mit dem Außenseiter machen ihn zu einem gefragten Mann. Leicester City soll ihn als Nachfolger für Claude Puel favorisieren, auch mit seinem Heimatverein Eintracht Frankfurt wird er in Verbindung gebracht. Der Trainer selbst - sein Vertrag läuft noch eine weitere Saison - hat die Spekulationen um seine Zukunft ausgeblendet in den vergangenen Wochen. Seine Haltung war: erst die Klasse halten, dann mit Klubchef Dean Hoyle sprechen, dann weitersehen.

Das mit dem Klassenerhalt wäre jetzt erledigt.



insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rhiax.guitars 10.05.2018
1. Na bitte!
Wenn man Leute in Ruhe und ohne Panik arbeiten laesst, klappt das auch. Da koennen sich fast alle anderen Auf-, Ab- und Sonstwie Kandidaten was abschneiden. Hoffe nur, dass der Coach bleibt und sich nicht vom Geld verruecktmachen laesst. Glueckwunsch!
bedarogs 10.05.2018
2. Gratulation !
Schön zu sehen dass auch noch Vereine wie Huddersfield die Klasse halten können. Ich drück die Daumen dass es nächste Saison auch klappt.
kopi4 10.05.2018
3.
Schöne Leistung. Aber eine große Sensation? Unterhalb der Top 6 nehmen sich die restlichen 14 Teams der PL nichts, da ist zwischen Rang 7 und 20 alles möglich. Ich würde da eher auf Darmstadt 98 verweisen. Als Underdog aufgestiegen, im ersten Jahr die Klasse gehalten. Dann folgten Trainer und Leistungsträger dem Ruf des Geldes und es ging im zweiten Jahr wieder runter.
MatthiasPetersbach 10.05.2018
4.
Nun ja, daß sich Erfolg mit nichts kaufen lässt - und das bezogene Geld von Spielern und Verantwortlichen wenig bis garnix mit Erfolg zu tun hat, ist ja ne Binsenweisheit. Ein Ribery spielt wie Ribery - ob er nun 8 Millionen (keine Ahnung) oder 80 000 im Jahr bekommt. Letzteres wäre ja auch üppig. Aber bezahlt wird der angebliche Marktwert. Eines Marktes, der so aussieht, weil unendlich viel Id*oten leistungsloses Spielgeld zu Verfügung haben und sich einen daran runterholen, das auf den Tisch blättern zu lassen. Wäre es ihr EIGENES (erarbeitetes) Geld, sähe das wohl anders aus. Es gibt nen ersten, nen letzten - und die Kämpfe darum. Immer. Und das hat mit dem ABSOLUTEN Niveau von Bezahlungen nichts zu tun.
andreasm.bn 10.05.2018
5. leichte Milchmädchenrechnung, oder?
Zitat von MatthiasPetersbachNun ja, daß sich Erfolg mit nichts kaufen lässt - und das bezogene Geld von Spielern und Verantwortlichen wenig bis garnix mit Erfolg zu tun hat, ist ja ne Binsenweisheit. Ein Ribery spielt wie Ribery - ob er nun 8 Millionen (keine Ahnung) oder 80 000 im Jahr bekommt. Letzteres wäre ja auch üppig. Aber bezahlt wird der angebliche Marktwert. Eines Marktes, der so aussieht, weil unendlich viel Id*oten leistungsloses Spielgeld zu Verfügung haben und sich einen daran runterholen, das auf den Tisch blättern zu lassen. Wäre es ihr EIGENES (erarbeitetes) Geld, sähe das wohl anders aus. Es gibt nen ersten, nen letzten - und die Kämpfe darum. Immer. Und das hat mit dem ABSOLUTEN Niveau von Bezahlungen nichts zu tun.
klar speilt ein Ribery wie ein Ribery und ein Robben wie ein Robben und ein Messi wie ein Messi. Auch für 80.000,- oder 8.000,- €/JKahr. Aber da ein Ribery eben für sein Spiel 8 Mio/Jahr bekommen kann, spielt er eben genau nicht für 80.000,- €. Und genau das ist der Grund, warum sich Vereine wie Huddersfield oder Darmstadt oder Kiel eben keine Ribery, Robben oder Messi leisten können. Die müssen mit dem auskommen, was eben für 500.000-1 Mio/Jahr spielt (im Verhältnis gesehen). Umso schöner, wenn sie ab und zu den großen, geldgeilen Vereinen schön eins auf die Fre..e geben und am Ende doch 3 hinter sich halten, die oftmals viel mehr Geld zur verfügung haben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.