Manchester vs. Manchester: Die Flegel und der Gentleman
Es ist das Derby aller Derbys: 650 Millionen Zuschauer weltweit werden Zeuge, wenn sich im Manchester-Duell zwischen City und United die englische Meisterschaft entscheiden dürfte. Die Blauen hoffen auf den ersten Titelgewinn seit 1968 - motiviert werden sie durch die Erinnerung an das Hinspiel.
An dem Spieler Roberto Mancini wurde vor allem die Eleganz geschätzt. Die italienische Nationalmannschaft, in der er zwischen 1984 und 1994 aktiv war, war eine Ansammlung von Fußball-Gentlemen. Neben Mancini brillierten der feinsinnige Roberto Donadoni und der wuchtige Carlo Ancelotti, dahinter zelebrierten Franco Baresi und Paolo Maldini moderne Abwehrkunst. Das Wort Grandezza schien für dieses Team erfunden worden zu sein.
Heutzutage hat es der Trainer Roberto Mancini bei Manchester City mit einer Ansammlung von Fußballflegeln zu tun: Da ist der Argentinier Carlos Tévez, dem in dieser Saison der wenig schmeichelhafte Beiname Null-Bock-Profi angehängt wurde. Da ist der Niederländer Nigel de Jong, der sich durch einen Kung-Fu-Tritt im WM-Finale 2010 gegen Spanien unsterblich machte. Da ist Mario Balotelli, bei dem man nicht genau weiß, welche Qualität bei ihm stärker ausgeprägt ist: sein Talent oder sein Wahnsinn.
Mit dieser Truppe will der Gentleman Mancini einen Traum wahr machen. Seit 1968 ist Manchester City kein Meister mehr gewesen. Aber mit einem Sieg über den Liga-Spitzenreiter und Stadtrivalen United am Montag (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) würde City aufgrund der besseren Tordifferenz selbst die Tabellenführung übernehmen - und sie sich wahrscheinlich dann auch nicht mehr wegnehmen lassen.
650 Millionen Zuschauer aus 203 Ländern live dabei
Manchester gegen Manchester - früher waren das zwar emotional aufgeladene Partien, letztlich aber Pflichterfüllungen für den Marktführer United. Heute spricht dessen Coach Alex Ferguson vom "Derby aller Derbys", vom "ultimativen Spiel" - und er muss es wissen, hat doch der 70-Jährige in seinen 26 Jahren als Teammanager der Red Devils gefühlt die meisten dieser Spiele miterlebt.
650 Millionen Zuschauer aus 203 Ländern sollen an diesem Abend live zuschauen, wie eines der beiden Teams aus Manchester die Meisterschaft vorentscheidet. "Die Leute sagen sogar, dass es das größte Spiel in der Geschichte der Premier League ist", hat City-Mittelfeldspieler Gareth Barry mit Ehrfurcht in der Stimme festgestellt.
Dass die Partie dazu noch werden konnte, hat City, aufgepäppelt mit den Scheich-Milliarden aus Abu Dhabi, allerdings weniger sich selbst als der überraschenden Schwächephase des Lokalrivalen zu verdanken. Noch vor drei Wochen war der 20. Meistertitel für United eigentlich schon als sicher abgehakt, United thronte mit acht Punkten Abstand ungefährdet an der Spitze. Was sollte schon noch passieren?
Shoot-Out der Offensivreihen steht bevor
Es passierte folgendes: Erst unterlagen die Red Devils beim Kellerkind Wigan Athletic, anschließend leisteten sie sich die Fahrlässigkeit, ein sicher gewonnenes Match gegen den FC Everton noch mit 4:4 aus der Hand zu geben. Plötzlich betrug der Vorsprung nicht mehr acht, sondern nur noch drei Punkte - und auch die könnten am Abend aufgebraucht sein.
City hat unerwartet noch einmal die Chance bekommen, und die Blauen scheinen in der Lage, sie zu nutzen. Mancini hat es rechtzeitig zum Saisonfinale geschafft, alle Schwererziehbaren ins Team zu integrieren. Tévez, den Mancini noch im Vorjahr nie mehr einzusetzen geschworen hatte, legte zuletzt gegen Norwich einen Hattrick auf den Rasen. Auch Balotelli wollte Mancini, genervt von den ständigen Narrheiten seines Landsmanns, eigentlich nie mehr im Kader sehen. Vor dem Derby sagte der Coach: "Ich glaube, ich kann Mario in diesem Spiel vertrauen. Er kann für ein oder zwei Tore gut sein."
Es wird ein Shoot-Out der Offensivreihen: Auf der einen Seite Balotelli, Tévez und dessen Landsmann Sergio Agüero, auf der anderen Seite der 19-jährige Daniel Welbeck und natürlich Wayne Rooney, zuletzt mit 16 Treffern in 14 Pflichtspielen erfolgreich.
Es steht also Großes auf dem Spiel - auch wenn es kaum möglich sein dürfte, das Hinspiel-Ereignis noch zu übertreffen. 6:1 siegte City im vergangenen Oktober in Old Trafford, und Ferguson sagte anschließend, er habe "noch nie so verloren". Es kann am Montag passieren, was will: Die Erinnerung an den 23. Oktober 2011, als Manchester United die furchtbarste Niederlage der Vereinsgeschichte seit mindestens 20 Jahren bezog, ist den Citizen-Fans nie mehr zu nehmen.
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- Montag, 30.04.2012 – 16:17 Uhr
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