Paolo Di Canio: Bekennender Faschist trainiert Premier-League-Club

Faschismus im Stadion: Paolo Di Canios umstrittener Jubel Fotos
AFP

Der FC Sunderland stärkt den rechten Flügel: Der abstiegsbedrohte Premier-League-Club hat als Trainer Paolo Di Canio verpflichtet. Der Italiener hat einen zweifelhaften Ruf; während seiner aktiven Karriere jubelte er mit Hitlergruß und sagte: "Ich bin ein Faschist, aber kein Rassist."

Hamburg - Im Abstiegskampf greift der FC Sunderland zu einer umstrittenen Verpflichtung: Der Italiener Paolo Di Canio wird neuer Trainer des englischen Erstligisten. Er ersetzt Martin O'Neill, der am Samstag nach der 0:1-Heimniederlage gegen Manchester United entlassen worden war. Di Canio werde einen Zweieinhalbjahresvertrag unterschreiben, gab der abstiegsbedrohte Tabellen-16. am Sonntag bekannt.

Zuletzt war der 44 Jahre alte Italiener im Februar beim Drittligisten Swindon zurückgetreten, nachdem er öffentlich seine Spieler kritisiert hatte. Es war seine erste Station als Trainer.

In seiner aktiven Karriere hatte Di Canio fast 200 Spiele für die englischen Clubs Sheffield Wednesday, West Ham United und Charlton Athletic absolviert, dabei hatte der Angreifer über 60 Tore geschossen.

Bekannt wurde Di Canio allerdings vor allem auch wegen seiner politischen Haltung, die zu seiner Zeit in Italien immer wieder für Negativschlagzeilen sorgte. "Ich bin ein Faschist, aber kein Rassist", sagte er 2005, nachdem er den "römischen Gruß" gezeigt hatte. "Der gestreckte Arm ist ein Gruß unter Kameraden. Ich will niemanden zu Gewalttaten oder Rassenhass anstacheln", so Di Canio damals. Zudem bekundete er mehrfach seine Sympathien für den faschistischen Diktator Benito Mussolini. In seiner Autobiografie schrieb der Fußballer, Mussolini sei im Prinzip eine höchst moralische Person gewesen, die völlig missverstanden worden sei.

Beim FC Sunderland sorgte die Verpflichtung sofort für Zwist. Der Labour-Politiker und frühere Außenminister Großbritanniens David Miliband legte aus Protest über die "vergangenen politischen Stellungnahmen" Di Canios sein Amt im Aufsichtsrat des Vereins nieder. Miliband hatte erst am vergangenen Mittwoch angekündigt, sich aus der Politik zurückzuziehen.

Sunderlands Besitzer verteidigte das Engagement des Italieners. "Paolo ist von der Herausforderung, die vor ihm liegt, begeistert", sagte Ellis Short. Jeder müsse sich nur auf die kommenden sieben Spiele konzentrieren, um genügend Punkte gegen den Abstieg zu sammeln. Die Chancen auf den Klassenerhalt seien "mit Paolo enorm gestiegen".

fab/leh/AP/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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1. In China fällt der Sack Reis um
m_scholz11@web.de 01.04.2013
Di Canio aha... Sunderland aha... Hochgeradig relevante Geschichte für ganz Fußballdeutschland. Aber egal, wenn in irgendeiner Agenturmeldung Stichworte wie "Faschist" zu finden sind, läuten bei SPON direkt die Alarmglocken. Außerdem kann man mal wieder mit dem Finger auf nen Italiener zeigen. In Deutschland haben wir ja niht genug Probleme mit rassistischen Fans sogar in der höchsten Spielklasse. Nein, da beschäftigen wir uns mit nem kaum bekannten Aushilfstrainer von nem Abstiegskandidaten aus England. Bravo, SPON! So kennen wir dich!
2.
l.burwitz 01.04.2013
Wenn es einen nicht interessiert, dann muss man es nicht lesen und erst recht nicht kommentieren. Mich hat es interessiert. Danke spon für diesen Artikel.
3. Lieber m_scholz11@web.de
maschie 01.04.2013
Ich finde es wirklich tragisch, dass Sie (durch irgendwen oder -was) gezwungen werden, hier Artikel zu lesen, die Sie für nicht relevant halten. Ach, etwa nicht?! Wie wäre es dann, nur die Artikel zu beachten, die für Sie relevant sind und die anderen einfach links liegen zu lassen? Andere Leser finden diese ja vielleicht interessant. Falls Sie denken, dass wegen solcher "Sack Reis in China"-Meldungen etwas "Wichtigeres" untergeht, kann man der Redaktion sicher per Email einen Hinweis geben.
4.
Indigo76 01.04.2013
Zitat von sysopDer FC Sunderland stärkt den rechten Flügel: Der abstiegsbedrohte Premier-League-Club hat als Trainer Paolo Di Canio verpflichtet. Der Italiener hat einen zweifelhaften Ruf; während seiner aktiven Karriere jubelte er mit Hitlergruß und sagte: "Ich bin ein Faschist, aber kein Rassist." Premier League: Di Canio neuer Trainer in Sunderland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/premier-league-di-canio-neuer-trainer-in-sunderland-a-891874.html)
Ich wirklich jeder Diskussion zu einem spon.artikel kommt irgendwann sojemand wie sie und stellt die Frage nach der Relevanz. Wenn wir ihrer Logik also folgen, können wir spon direkt dichtmachen, denn eine Nachricht, die einen Menschen nicht interessiert, scheint unwichtig zu sein. Oder stellen sie sich etwa über andere Menschen? Glauben sie wirklich, dass nur Dinge, die sie für relevant halten auch wirklich Relevanz besitzen? Sie armes "menschliches" Etwas!
5. Jedem seine Politik
clubzwei 01.04.2013
Hätte der spiegel die meldung gebracht, wenn der fussballer Kommunist wäre? Unnötige Meldung, die zudem keine Partei für die Meinungsfreiheit ergreift.
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