Chelsea-Sieg gegen Arsenal Was machen Außenverteidiger eigentlich beruflich?

Das Londoner Derby zwischen Chelsea und Arsenal bot 45 Minuten beste Unterhaltung. Inklusive Verteidigern, die lieber stürmen, und einem Stürmer, der das Toreschießen verlernt hat.

Marcos Alonso
AFP

Marcos Alonso


Der Matchwinner: Natürlich ein Außenverteidiger! Wer außer Marcos Alonso hätte das Londoner Derby zwischen Chelsea und Arsenal entscheiden sollen? Zehn Minuten vor Schluss gewann er den Ball in der gegnerischen Hälfte, bediente auf links Eden Hazard, schlich sich in die Mitte und schob die flache Hereingabe vom kurzen Pfosten ins lange Eck (81. Minute). Es war der Siegtreffer und das folgerichtige Ende einer zumindest vor der Pause höchst unterhaltsamen Partie.

Das Ergebnis: Chelsea schlägt Arsenal 3:2 (2:2).

Die erste Hälfte: War ein Riesenspektakel. Zunächst setzte Mesut Özil einen Volley aus spitzem Winkel knapp neben das Tor (8.). Dann schlug Chelsea eiskalt zu: Alonso startete links durch und bediente Pedro, der ohne Gegenwehr zum 1:0 einschob (9.). Pierre-Emerick Aubameyang vergab eine Riesenchance zum Ausgleich (siehe unten), dann genügte ein langer Ball von César Azpilicueta, um die aufgerückten Gunners auszuspielen. Morata wackelte Shkodran Mustafi aus und schob gegen den Lauf von Petr Cech ein (20.). Als alles nach einem klaren Chelsea-Sieg aussah, drehten Alex Iwobi und Henrikh Mkhitaryan auf und in nur vier Minuten die Partie. Iwobi auf Mkhitaryan zum Anschluss (37.), Mkhitaryan auf Iwobi zum Ausgleich (41.).

Was ist denn mit dem los? 98 Tore hat Aubameyang in 144 Bundesligaspielen für Borussia Dortmund erzielt. Eine sensationelle Quote, an die der Gabuner nach seinem Wechsel zu Arsenal mit zehn Treffern in 13 Partien in der Rückrunde der vergangenen Saison nahtlos anschloss. Angesichts seines Auftritts gegen Chelsea sind diese Zahlen kaum zu glauben. In der 20. Minute stand Aubameyang nach Vorarbeit von Héctor Bellerín vollkommen frei vorm leeren Tor - und schoss aus sieben Metern drüber. Im direkten Gegenzug erzielte Álvaro Morata das 2:0 für die Blues. Kurz vor der Pause vergab Aubameyang die nächste Großchance, als er sich zwei Meter vor dem Tor selbst anschoss (44.). Es gibt so Tage...

Die zweite Hälfte: Offensichtlich gab es in beiden Kabinen relativ deutliche Ansagen. Oder die Spieler mussten sich vom hohen Tempo der ersten 45 Minuten erholen. In jedem Fall standen beide Mannschaften nach der Pause defensiv deutlich besser. Dementsprechend gab es weniger Torszenen. Die besseren Möglichkeiten hatte Chelsea. Insofern war Alonsos Siegtreffer verdient (81.).

Vorne hui, hinten pfui: Ja, im modernen Fußball sind Außenverteidiger wichtig für den Spielaufbau und sollen sich in die Offensive einschalten. Der Berufsbezeichnung nach ist ihre eigentliche Kernkompetenz aber das Verteidigen. Das scheint in London nicht zu gelten. Alonso entschied mit dem 3:2 die Partie, außerdem bereiteten er und sein Chelsea-Teamkollege Azpilicueta je ein Tor vor. Arsenals Bellerín und Nacho Monreal leiteten die Treffer ihres Teams und weitere gute Chancen ein. Fällt Ihnen etwas auf? Genau: Wenn die Außenverteidiger offensiv glänzen, öffnen sich hinter ihnen Räume - für die gegnerischen Außenverteidiger. Insofern passten die Teams gut zueinander. Für das Publikum war das schön anzusehen, den Trainern dürfte es nicht gefallen haben.

Unterschiedliche Gefühlswelten: Sowohl Chelsea als auch Arsenal gingen mit neuen Trainern in die Saison. Für die Blues hätte der Start unter Maurizio Sarri kaum besser laufen können: Zwei Spiele, zwei Siege, 6:2 Tore - vorerst Platz eins. Davon können die Gunners und Unai Emery nur träumen. Nach der Auftaktniederlage gegen Manchester City setzte es im zweiten Spitzenspiel gleich die zweite Pleite.

FC Chelsea - FC Arsenal 3:2 (2:2)
1:0 Pedro (9.)
2:0 Morata (20.)
2:1 Mkhitaryan (37.)
2:2 Iwobi (41.)
3:2 Alonso (81.)
Chelsea: Kepa - Azpilicueta, Rüdiger, Luiz, Alonso - Kanté, Jorginho, Barkley (60. Kovacic) - Pedro, Morata (75. Giroud), Willian (61. Hazard)
Arsenal: Cech - Bellerín, Mustafi, Sokratis, Monreal - Xhaka (46. Torreira), Guendouzi - Mkhitaryan, Özil (68. Ramsey), Iwobi (75. Lacazette) - Aubameyang
Zuschauer: 40.491
Schiedsrichter: Atkinson
Gelbe Karten: - / Mustafi, Xhaka



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Karlsson auf dem Dach 19.08.2018
1. Torquote
"98 Tore hat Aubameyang in 144 Bundesligaspielen für*Borussia Dortmund*erzielt. Eine sensationelle Quote,*..." Ja, aber wie lautet sie denn? Wie hoch ist sie denn, diese so gelobte Torquote. Dafür müsste man 98 durch 144 teilen, um das herauszufinden. Und dann könnte man das in Relation setzen zu den Torquoten anderer aktueller und früherer Stürmer. Wäre schön, wenn solche statistischen Basics in der Fußballberichterstattung mal Standard wären.
Blindman68 19.08.2018
2. also, was
Arsenal Ende der 1.Hz hat liegen lassen, an Chancen, ging ja fast nicht. Chelsea trotzdem verdient gewonnen. Dem Herrn Özil fehlt aber auch, ähnlich NM, in der Premier League der letzte Biss. Sobald es intensiver wird taucht er mit ab, obwohl er eigentlich ein Team-Leader sein sollte. Aubameyang? Wohl doch nur überschätzt, weil spielerisch limitiert, wie im 1 gegen 1. Naja, Arsenal wird mit einem möglichen Titel auch in dieser Saison nichts zu tun haben.
bedarogs 19.08.2018
3. Quo vadis Arsenal ?
Dem Eigner von Arsenal, Stan Kroenke geht es ums Geschäft. Sein Klub muss rentabel sein. Punkt. Dazu gehört das Erreichen der Champions League Plätze, ein Titel ist nur Beiwerk. Er wird daher nur soviel investieren wie nötig, die Summen ausgeben um Manchester City ernsthaft zu gefährden wird er nie tun.
hamburger.jung 19.08.2018
4.
Heftiger Spielplan. Arsenal gleich mal gegen City und Chelsea. In Deutschland nicht möglich. Da bekommen die Großen erst mal Wohlfühlgegner.
swandue 19.08.2018
5.
Zitat von Karlsson auf dem Dach"98 Tore hat Aubameyang in 144 Bundesligaspielen für*Borussia Dortmund*erzielt. Eine sensationelle Quote,*..." Ja, aber wie lautet sie denn? Wie hoch ist sie denn, diese so gelobte Torquote. Dafür müsste man 98 durch 144 teilen, um das herauszufinden. Und dann könnte man das in Relation setzen zu den Torquoten anderer aktueller und früherer Stürmer. Wäre schön, wenn solche statistischen Basics in der Fußballberichterstattung mal Standard wären.
Wir sind heute nicht mehr dazu verdammt, uns mit dem zufriedenzugeben, was uns die Medien liefern, sondern können viele Dinge online suchen und finden. Siehe zum Beispiel (mit Quote): https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_erfolgreichsten_Torschützen_der_Fußball-Bundesliga Und dann kann man via Forum sogar noch anderen Lesern mitteilen, dass Gerd Müller eine bessere Quote hatte, Robert Lewandowski eine bessere Quote hat und dahinter dann Aubameyang sich einreiht mit 0,68 Toren pro Bundesligaspiel.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.