Huddersfields Traumstart in der Premier League Wer wenig Geld hat, muss klug einkaufen

Aufsteiger Huddersfield Town ist mit zwei Siegen in die Premier League gestartet. Nicht allein wegen klassischer Außenseitertugenden. Das Team von David Wagner spielt furchtlos - und profitiert von guten Transfers.

Huddersfields Aaron Mooy (r.)
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Huddersfields Aaron Mooy (r.)

Von , Manchester


Die vergangene Saison lief ziemlich schlecht für Huddersfield Town, zumindest zum Ende hin. Aus den letzten neun Spielen in Englands zweiter Liga holte die Mannschaft nur zwei Siege. Aus den letzten vier Partien sogar überhaupt keinen. Auch in der Aufstiegsrunde gab es: keinen Sieg. Das Halbfinale gegen Sheffield Wednesday wurde im Elfmeterschießen entschieden. Das Finale gegen den FC Reading ebenfalls. Wenn also jemand weiß, dass im Fußball alles passieren kann, dann Huddersfields deutscher Trainer David Wagner.

Trotz der trüben Bilanz zum Ausklang der vergangenen Spielzeit ist der Klub nun neuerdings in der Premier League aktiv. Zum ersten Mal seit 45 Jahren tritt Huddersfield wieder erstklassig an. Die Buchmacher gehen davon aus, dass es sich dabei um eine Laune des Schicksals handelt und der Verein am Ende der Saison wieder in die zweite Liga heruntergestuft wird. Doch wie es aussieht, hat Huddersfield darauf keine Lust. Dem 3:0 zum Auftakt gegen Crystal Palace ließ Wagners Team bei der Heimpremiere gegen Mitaufsteiger und Zweitliga-Meister Newcastle United ein 1:0 folgen und machte seinen Traumstart in das Premier-League-Abenteuer perfekt.

Eine Überraschung? Ein Wunder sogar? Immer mit der Ruhe, sagte der Trainer - und erinnerte an den seltsamen Aufstieg: "Seit der vergangenen Saison wissen wir, dass im Fußball alles möglich ist."

"Beide Siege waren verdient"

Wagner sieht die Lage sachlich. Trotzdem macht er natürlich kein Geheimnis aus seiner Freude über den erfolgreichen Einstand, der seine Mannschaft auf den zweiten Tabellenplatz hinter Manchester United befördert hat. "Wir wollen in jedem Spiel mutig sein, wir wollen unsere Chance suchen. Das ist uns bislang gut gelungen. Es freut mich sehr, dass unsere beiden Siege nicht glücklich waren - sondern verdient", sagte Wagner.

Auf der Suche nach Erklärungen für Huddersfields Traumstart drängt sich die klassische Außenseiterstrategie auf. In Abwesenheit teurer Einzelkönner ist die Teamarbeit die Basis. Mit der Betonung auf beidem: Team und Arbeit. "Wir haben großartig verteidigt. Jeder hat sich für die Defensive zuständig gefühlt. Dass wir Geduld haben mussten, um selbst zu Chancen zu kommen, wussten wir", sagte Wagner nach der Partie gegen Newcastle. Intensität und Einsatzbereitschaft seiner Elf seien entscheidend gewesen für den Sieg.

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Premier League: Die deutsche Fraktion bei Huddersfield Town

Doch Huddersfield hat mehr zu bieten als nur robuste Tugenden. Der deutsche Übungsleiter (und Trauzeuge Jürgen Klopps) hat das Spiel der Mannschaft in den knapp zwei Jahren seit seinem Amtsantritt revolutioniert. Er hat ihr das aus Tradition gepflegte Kick and Rush abgewöhnt und beigebracht, hoch zu verteidigen, den Gegner früh unter Druck zu setzen.

Diese Herangehensweise führte in der zweiten Liga zum Ziel, und auch eine Etage höher hält Wagners Team an diesem Vorgehen fest. "Es ist wichtig, dass wir unsere Strategie beibehalten. Was uns in der vergangenen Saison erfolgreich gemacht hat, macht uns auch jetzt erfolgreich", stellte Mittelfeldspieler Tom Ince zufrieden fest.

Wagners Bruch mit der Tradition

Neutrale Beobachter sind angetan vom ungewöhnlich furchtlosen Auftreten des Aufsteigers. "Wagner bricht mit der Tradition. Die Mannschaft mag defensiv sehr diszipliniert sein, aber es macht auch großen Spaß, ihr beim Fußballspielen zuzusehen", urteilte der "Daily Mirror".

Im Angriff ist Huddersfield erstaunlich effektiv: Für die insgesamt vier Treffer gegen Crystal Palace und Newcastle benötige das Team nur neun Torschüsse. Hinten lässt es kaum Gelegenheiten zu. Das führt zu vielen knappen Ergebnissen. In der vergangenen Saison holte Huddersfield 22 seiner 25 Siege in der zweiten Liga mit nur einem Tor Unterschied.

Rund 43 Millionen Euro hat der Klub zur neuen Spielzeit für neues Personal ausgegeben. Zum Vergleich: Manchester City investierte alleine mehr als 170 Millionen Euro in neue Verteidiger und einen Torwart. Manchester United soll für Angreifer Romelu Lukaku insgesamt rund 100 Millionen Euro bezahlt haben. Wer wenig Geld hat, muss damit schlaue Dinge tun. Und den ersten Eindrücken zufolge hat Huddersfield schlau eingekauft.

Huddersfield Town bejubelt den zweiten Sieg
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Huddersfield Town bejubelt den zweiten Sieg

Der für 13 Millionen Euro aus Montpellier gekommene Steve Mounié traf zum Auftakt gegen Crystal Palace doppelt. Dem zur neuen Spielzeit nach einer Leihe fest von Manchester City übernommenen Aaron Mooy gelang das Siegtor gegen Newcastle. Auch der von Derby County geholte Ince hat gleich eine tragende Rolle übernommen. Und der aus Mainz geliehene dänische Torwart Jonas Lössl war bislang immer zur Stelle, wenn er gebraucht wurde.

Der Unterstützung des Publikums kann sich die Mannschaft sicher sein. Die Euphorie in Huddersfield ist riesig. Trikots und Dauerkarten sind ausverkauft. Gegen Newcastle waren die Fans im John-Smith's-Stadion kaum noch zu halten nach dem ersten Erstliga-Heimsieg seit November 1971. "Das war richtige Premier-League-Stimmung, nicht wahr?", sagte Trainer Wagner. Und wollte damit ausdrücken: richtig gute Stimmung.

Passend dazu war seine Mannschaft aufgetreten wie ein richtiges Premier-League-Team. Schon zum zweiten Mal im zweiten Spiel.

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waswuerdeflassbecksagen 21.08.2017
1. Alle Jahre wieder
Gewinnt ein Aufsteiger mehr als ein Spiel drehen alle durch, vor 2,5 Jahren war es in Deutschland Paderborn, die am Ende der Saison wieder abstiegen und heute mit viel Glück weiter in der 3.Liga spielen dürfen (ok, jetzt Tabellenzweiter) - Huddersfield hat ein eingespieltes Team, das ist das Geheimnis, brechen in diesem Team 1 oder 2 Spieler weg (vor allem im Mittelfeld) wird es kritisch, meine Prognose: 30.06.2018 Abstieg in den Championship!
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