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Dietmar Hamann über die Premier League: Leicester geht die Luft aus

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Drama in der Premier League: Sensationsteam Leicester verlor in letzter Sekunde bei Arsenal. Dietmar Hamann überrascht das nicht. In Sachen Jürgen Klopp und Liverpool bleibt er skeptisch.

Zur Person
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    Dietmar "Didi" Hamann (Jahrgang 1973) gab 1993 sein Bundesligadebüt für den FC Bayern. Fünf Jahre später wechselte er in die Premier League, wo er für Newcastle United, den FC Liverpool und Manchester City spielte. Hamann absolvierte 59 Länderspiele und wurde 2002 Vizeweltmeister. Heute lebt er in der Nähe von Manchester, arbeitet als Experte für den Sender Sky und kommentiert für SPIEGEL ONLINE regelmäßig Entwicklungen in der Bundesliga und im internationalen Fußball.
Was war das für ein spektakulärer Spieltag in der Premier League! Arsenal hat das Sensationsteam Leicester geschlagen, der Siegtreffer fiel in der fünften Minute der Nachspielzeit. Sind die Gunners jetzt Favorit auf den Titel?

Ja. Arsenal liegt zwar noch zwei Punkte hinter Leicester, aber sie sind trotzdem die Mannschaft, die es ab jetzt zu schlagen gilt. Für Leicester lief das Spiel unglücklich, sie haben wie schon die ganze Saison über toll gespielt. Aber Arsenal hat sich den Sieg verdient.

Trainer Arsène Wenger hat sich mit Arsenal den Ruf erworben, in den entscheidenden Momenten nicht da zu sein. Die letzte Meisterschaft liegt zwölf Jahre zurück.

Die Zeiten sind vorbei. Gegen Leicester hat die Mannschaft gezeigt, dass sie das Zeug zum Meister hat. Auch wegen Spielern wie Mesut Özil. Denken Sie an den entscheidenden Treffer: Es läuft die letzte Minute, du hast noch eine einzige Chance auf den Sieg. In solchen Momenten brauchst du Spieler wie Özil. Wie er den Freistoß auf Danny Welbeck schlug, war hervorragend. Auch wenn er ansonsten unauffällig spielte.

Für Leicester war das ein schwerer Schlag.

Das späte Gegentor könnte für einen psychologischen Knacks gesorgt haben. Ich habe aber schon vorher nicht geglaubt, dass es zum Titel reicht. Leicester geht die Luft aus. Zumal jetzt Spiele anstehen, bei denen jeder von ihnen erwartet, dass sie gewinnen. Diese Favoritenrolle kennt die Mannschaft nicht. Außerdem kann Leicester niemanden mehr überraschen. Das kann zum Problem werden.

Mannschaft des FC Arsenal: Siegtor in Minute 95 Zur Großansicht
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Mannschaft des FC Arsenal: Siegtor in Minute 95

Trainer Claudio Ranieri hat seinem Team spontan eine ganze Woche Urlaub gegönnt.

Nächstes Wochenende ist FA Cup, da ist Leicester nicht mehr dabei. Viele Klubs handhaben es so, den Spielern in solchen Situationen freizugeben. Das muss auch mal sein, denn die Premier League kennt keine Winterpause. Und die Mannschaft hat es sich mit ihren Leistungen verdient.

Was ist mit Tottenham? Die Spurs haben Manchester City bezwungen und liegen punktgleich mit Arsenal hinter Leicester.

Tottenham wird Meister? Ja, das kann passieren. Mich beeindruckt, wie geschlossen die Mannschaft auftritt. Die Spurs sind das Gegenteil von ManCity. Da vermisse ich den Zusammenhalt im Team, das hat man im Duell wieder gemerkt. In Manchester haben sie zu viele Einzelkönner geholt, ohne auf das Gefüge zu achten. Und die waren dann nicht mal Weltklasse.

Stars von ManCity: "In der Mannschaft stimmt vieles nicht" Zur Großansicht
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Stars von ManCity: "In der Mannschaft stimmt vieles nicht"

City droht die Champions League zu verpassen. Der neue Coach Josep Guardiola müsste dann in die Europa League - daran müsste man sich erst gewöhnen.

Das ist vielleicht gar nicht so schlecht für ihn, denn das würde die Erwartungen senken. Sonst verlangt jeder Wunderdinge von Guardiola. Dabei steht ihm die wohl schwierigste Aufgabe seiner Trainerkarriere bevor, weil bei City in der Mannschaft vieles nicht stimmt. Ich bin gespannt, wie er die Aufgabe angeht.

Bei Citys Stadtrivalen United hält die Krise an, am Samstag verlor man sogar beim Vorletzten Sunderland.

Der Klub muss aufpassen, dass er nicht den Anschluss verliert. Vor allem an City, deren Verpflichtung von Guardiola bei United viele nervös macht. Das nervt auch Trainer Louis van Gaal, der spürt, dass er bald ersetzt werden könnte, José Mourinho soll ja schon bereitstehen. Deshalb geht van Gaal schon mal auf Journalisten los.

Überrascht Sie, dass van Gaal keinen Erfolg hat?

Sportlich ist er über jeden Zweifel erhaben, das hat er oft genug bewiesen. Ob die enttäuschenden Ergebnisse zwischenmenschliche Gründe haben? Ich weiß es nicht. Aber van Gaal und Manchester United, das passt einfach nicht zusammen.

Liverpool-Trainer Klopp: "Oft genug enttäuscht" Zur Großansicht
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Liverpool-Trainer Klopp: "Oft genug enttäuscht"

6:0 bei Aston Villa - Jürgen Klopp hat den höchsten Sieg seit seinem Wechsel nach England gefeiert. Versteht die Mannschaft seine Taktik immer besser?

Moment! Liverpool hat beeindruckend gespielt, aber davor haben sie oft genug enttäuscht. Da bin ich vorsichtig. Und das, was Villa gezeigt hat, hatte mit Premier-League-Fußball aber wenig zu tun. Außerdem hatte der Sieg weniger mit Taktik zu tun als mit Rückkehrer Daniel Sturridge. Liverpool mit Sturridge und ohne - das ist ein riesiger Unterschied.

Neben Sturridge überzeugt eine ganze Reihe von jungen englischen Spielern. Muss man Englands Nationalmannschaft bei der EM im Sommer auf dem Zettel haben?

England bringt immer wieder gute Spieler hervor. Das Problem ist nicht mangelndes Talent, sondern ein Systemfehler. Wer in England überzeugt, bekommt früh einen üppigen Vertrag und hat mit Anfang 20 ausgesorgt. Oft fehlt dann der nötige Wille, um sich noch weiter zu verbessern - und der nächste Entwicklungsschritt, der den Unterschied zwischen Talent und Top-Spieler macht, wird nicht gemacht. Die Lösung wären vermehrt leistungsbezogene Verträge. Das läuft in Deutschland besser.

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Mist, einer war schneller
sltr 15.02.2016
Genau das wollte ich auch schreiben als ich den Artikel, bzw. seine Headline las. ;-)
2. Experte?
Mav24 15.02.2016
Ach Didi, seit sky doch neben Matthäus gesetzt hat, musst du auch zu allem deinen "Expertenmeinung" abgeben? Aber wie schon mein Vorredner sagte, dass ist nur gut für Leicester. So werden sie sicher Meister!
3.
johannesraabe 15.02.2016
Wir konstatieren mal, das LCitys letzte 5 PL spiele Liverpool x Pool mancity und arsenal hießen. Bei einem 30 Millionen Kader ist die Leistubg ordentlich. SPON sollte sich nen besseren Scout suchen.
4. Liverpool
eimsbusher 15.02.2016
Das mit Liverpool, Klopp und Sturridge kann man aber auch anders sehen: so langsam hat Klopp vielleicht wieder eine konkurrenzfähige Mannschaft am Start, da könnte dann auch mal was gerissen werden. Natürlich heißt es offiziell immer: egal, wir müssen auch mit denen gewinnen, die gesund sind, das macht keinen Unterschied - sich selbst stark reden und den verbleibenden Spielern keine Entschuldigung liefern - aber klar sind ein Haufen verletzte Stammspieler immer eine Hypothek.
5. Hamann redet wirres Zeug
aurichter 15.02.2016
als angeblicher Insider der PL. Hat der Experte einmal daran gedacht, daß Leicester fast eine Halbzeit nur mit zehn Mann gespielt hat und der Platzverweis im Grunde ein Witz war. Giroud handelt herum wie eine Mimose, wohl wissend daß der Spieler kurz zuvor den gelben Karton gesehen hat. Da nun von schwächen zu reden, ist aller feinster Blödsinn. Arsenal hatte ein leichtes Spiel mit Leicester und das entscheidende Tor fiel ja auch erst auf den allerletzten Drücker - als die Spieler aus dem letzten Loch pfiffen. Schauen wir mal, was Arsenal gegen die verbliebenen Mitkonkurrenten aus dem oberen Tabellendrittel noch zustande bringt, denn genau dort lässt Wengers Truppe sehr gern mal Punkte liegen. Meister wird Leicester oder Tottenham, da Wette ich drauf.
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