Möglicher Aubameyang-Wechsel Stürmer-Domino

Wechselt Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang zum FC Arsenal? Der Klub sucht Ersatz für einen Profi, der wohl bei Manchester United landen wird. Das Spieler-Karussell ist typisch für die Transferphase im Winter.

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Von , Manchester


Die Pressesprecherin von Manchester United wusste vermutlich, dass ihr Anliegen nur geringe Berücksichtigung finden würde. Sie begleitete José Mourinho in den Medienraum des Old Trafford und bat um Fragen zum Spiel.

Doch das Interesse an dem gerade vollbrachten 3:0-Pflichtsieg gegen Stoke City war ziemlich überschaubar. Nachdem der Trainer aus Portugal kurz darüber sprechen durfte, dass er mit der ersten Halbzeit nicht richtig zufrieden gewesen sei, mit der zweiten dafür umso mehr, wurde er mit dem eigentlichen Thema konfrontiert, das in diesen Tagen das Fußball-Publikum in England in Atem hält.

Es gilt als ausgemacht, dass der chilenische Offensivspieler Alexis Sánchez in Kürze den FC Arsenal verlässt. Sein Vertrag endet im Sommer. Um noch Geld mit ihm zu verdienen, muss ihn der Klub in der laufenden Wechselphase abgeben. Sánchez selbst will offenbar so schnell wie möglich weg. Und wie es aussieht, hat Manchester United die besten Aussichten auf seine Verpflichtung.

Mourinho wollte das nach dem Sieg gegen Stoke natürlich nicht in dieser Deutlichkeit sagen. Er gab sich zurückhaltend. "Wir sind entspannt. Er ist ein Arsenal-Spieler. Er kann dort bleiben oder gehen. Wenn er geht, haben wir eine Chance", bekannte er höchst nebulös.

Erst Sánchez - dann Auba?

Die Geschichte um den möglichen Sánchez-Wechsel ist bemerkenswert, weil sie Irrungen und Wendungen aller Art enthält. Und weil sein Abschied aus Nordlondon ein europaweites Transfer-Domino auslösen könnte, wie es typisch ist für den Januar-Handel. In dieser hektischen Zeit geht es den Klubs in der Regel nicht darum, die langfristige Planung voranzutreiben - sondern Löcher zu stopfen, kurzfristigen Zwängen gerecht zu werden oder plötzlich entstehende Möglichkeiten zu nutzen. Weshalb einer der Steine in diesem Spieler-Domino Borussia Dortmunds Exzentriker Pierre-Emerick Aubameyang sein könnte.

Laut Medienberichten in England hat Arsenal den Stürmer aus Gabun als Ersatz für Sánchez vorgesehen. Sein aktueller Arbeitgeber ist nach wiederholten Eskapaden offenbar bereit, ihn trotz seines bis 2021 geltenden Vertrags zu verkaufen. Eigentlich sollte Sánchez längst weg sein. Im Sommer galt sein Transfer zu Manchester City für mehr als 67 Millionen Euro als beschlossen. Das ist eine beachtliche Summe für einen Spieler mit nur noch einem Jahr Vertrag.

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Premier League: Erst Sánchez, dann Auba?

Das Geschäft scheiterte am letzten Tag der Wechselfrist, weil es Arsenal nicht gelang, Ersatz zu beschaffen. Zu Beginn der aktuellen Transferphase sah es danach aus, als würde der Sánchez-Wechsel zu City einfach nachgeholt werden. Genau wie auch der im Sommer nicht vollzogene Wechsel von Philippe Coutinho vom FC Liverpool nach Barcelona mit viermonatiger Verzögerung über die Bühne gebracht wurde. Doch die Verhandlungen stockten. Am Montagabend zog City offiziell das Interesse zurück. Angeblich wurde dem Klub das Sánchez-Geschäft zu teuer. Was gut nachvollziehbar ist, wenn die Zahlen stimmen, die sich im Umlauf befinden.

Nach Angaben der "Times" fordert Arsenal eine Ablösesumme von umgerechnet fast 40 Millionen. Der Spieler besteht laut der Zeitung auf mehr als 22 Millionen Euro bei Vertragsunterschrift und ein Gehalt von fast 400.000 Euro in der Woche, sein Berater auf eine Vermittlungsgebühr in zweistelliger Millionenhöhe.

Ein Zeichen an den Stadtrivalen

United stieg spät in das Rennen um Sánchez ein und hat plötzlich freie Bahn. Der Klub könnte - mehr oder weniger aus Versehen - einen Spieler bekommen, der dem oft drögen Spiel des Teams Kraft und Tempo im Angriff verleiht, der auf dem Flügel einsetzbar ist als Ergänzung zu Angreifer Romelu Lukaku, oder als alleinige Spitze spielen kann. Und das zu reduziertem Preis. Würde sich Sánchez nicht in den letzten Monaten seines Arbeitsverhältnisses mit Arsenal befinden, würde er vermutlich annähernd einen dreistelligen Millionenbetrag kosten, wenn man die Summen zum Maßstab nimmt, die im Moment auf dem Spielermarkt bewegt werden.

Mit der Sánchez-Verpflichtung würde United ein Zeichen an den Stadtrivalen und enteilten Premier-League-Tabellenführer City setzen, dass der Klub gewillt ist, den Rückstand in naher Zukunft zu verkürzen und, wenn nicht in dieser, dann zumindest in der kommenden Saison wieder um den Titel mitzuspielen.

Neben Aubameyang ist noch ein anderer Spieler mit BVB-Geschichte als Ersatz bei Arsenal im Gespräch, nämlich Henrich Mchtarjan. Der Armenier ist seit anderthalb Jahren bei United angestellt, fiel zuletzt allerdings in der internen Rangliste zurück und stand gegen Stoke wegen seiner ungeklärten Zukunft nicht im Kader. Er könnte im Tausch gegen Sánchez nach London wechseln.

Wobei sein Berater Mino Raiola im Gespräch mit der "Times" klarstellte, dass nicht Mchtarjan Teil des Sánchez-Deals sei - sondern umgekehrt: "Manchester United wird Sánchez nicht verpflichten, so lange sich Micki nicht für Arsenal entscheidet", sagte er. Oder, anders formuliert: sein Klient ist der entscheidende Stein im Transfer-Domino zwischen Manchester, London und Dortmund.

insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
gnarze 17.01.2018
1.
Und von Arsenal kommt dann Giroud zu Dortmund?
wi_hartmann@t-online.de 17.01.2018
2. Aubameyang
Hoffentlich ist dieser Störfaktor im Mannschaftsgefüge des BVB für möglichst viel Geld bald weg. Spielertypen dieser Art bringen auf Dauer den Niedergang.
Greg84 17.01.2018
3.
Zitat von gnarzeUnd von Arsenal kommt dann Giroud zu Dortmund?
Auf Sport1 wird berichtet, dass Dortmund an Michy Batshuayi von Chelsea interessiert sein soll als Nachfolger.
skeptikerjörg 17.01.2018
4. Warum all die Spekulationen
Ok, zur Zeit gibt es nicht so viel zu berichten, aber muss man deshalb Spekulationen und Hörensagen so viel Raum einräumen? Warten wir doch einfach bis zum 31. ab, dann wissen wir, was Sache ist und können die Ergebnisse diskutieren. Am Ende will niemand Aubameyang kaufen und er bleibt. Und dann? Fliegt er weiter zum Friseur nach Paris, zum Shoppen nach Mailand und vergisst, dass eine Mannschaftsbesprechung angesetzt wurde. Oder er geht doch zu Arsenal und die Sun hat künftig was zu schreiben.
treime 17.01.2018
5. Dortmund ist selbst Schuld
Der Verein lebt kein Credo vor. Auch wenn ich die Bayern nicht mag, eines muss man denen lassen: sie haben eine Leitkultur, wo der Verein über allem steht und das Team steht über jedem Spieler! In Dortmund (und anderen Clubs) meinen die jungen Leistungsträger immer direkt, sie wären der nächste Messi oder Ronaldo. Nur haben die schon viele Jahre konstant gute Leistungen gezeigt und Titel en masse geholt. Aubameyang sollte der BVB NICHT ziehen lassen, sondern bis zur Sommerpause/WM auf den Zuschauerrängen schmoren lassen. Er darf, wenn er sich benimmt und immer pünktlich ist, mit der 1. Mannschaft trainieren, verpaßt er wieder einen Termin, geht es ab zur 2. Garde. DAS würde ein Hoeneß machen. Arroganz darf nicht auch noch belohnt werden. Und Geld hat der BVB ja auch mehr als genug.
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