Premier-League-Klub Burnley "Wir sind eine glückliche Familie"

Der FC Burnley ist sowohl bei Linken wie auch Rechten populär. Beheimatet in einer Brexit-Hochburg - zwischenzeitlich auf dem Sprung ins europäische Geschäft. Über einen Verein voller Widersprüche.

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Aus Burnley berichtet


Als klar war, dass es nichts wird mit dem Europapokal, wurde es laut im Stadion Turf Moor in Burnley im Norden Englands. Die Zuschauer erhoben sich und klatschten Beifall, wie am Ende eines gelungenen Theaterstücks. Sie jubelten und brüllten, der Beton der Tribünen bebte.

Es lief die Schlussphase des Rückspiels in der letzten Qualifikationsrunde zur Europa League gegen Olympiakos Piräus. Gerade hatte Burnley das 0:1 kassiert. Nach der 1:3-Niederlage im Hinspiel wären jetzt noch drei Treffer nötig gewesen, um sich in die Verlängerung zu retten. Ein aussichtsloses Unterfangen. Am Ende stand es 1:1, der Traum vom internationalen Geschäft war dahin.

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FC Burnley: Best of the Rest

Während die Profis von Olympiakos das Führungstor ausgiebig vor der Gästekurve feierten, nahmen Burnleys Spieler wieder ihre Positionen ein. Für ein paar Momente waren sie alleine auf dem Platz. Diese Momente wurden begleitet vom Lärm der Fans. Anstatt enttäuscht darüber zu sein, dass der Verein die Chance auf das internationale Geschäft verpassen würde, waren sie dankbar dafür, dass diese Chance überhaupt da war.

"Best of the Rest"

Burnley ist mit knapp 90.000 Einwohnern die kleinste Stadt der Premier League, der Klub hat einen der niedrigsten Etats der Liga. Dass die Mannschaft in der abgelaufenen Saison Siebter wurde und sich damit das Siegel "Best of the Rest" hinter den großen Teams aus Manchester (City und United), London (Tottenham, Chelsea, Arsenal) und dem FC Liverpool verdiente, ist eine erstaunliche Geschichte.

Wenn man mit Burnley-Fans spricht, vor dem Pub "The Royal Dyche" etwa, benannt nach Trainer Sean Dyche, trifft man auf Menschen, die vor allem eins sind: stolz auf die Leistung ihres Klubs. "Wir haben gezeigt, dass man nicht unbedingt viel Geld braucht, um mit den großen Teams mitzuhalten", sagt Allyson Martin, 54 Jahre alt.

Trotzdem passt es ins Bild, dass der Verein den Einzug ins internationale Geschäft verpasst hat. Denn das Verhältnis zwischen Burnley und Europa ist angespannt. Die Stadt ist eine Brexit-Hochburg. Zwei Drittel der Menschen hier haben beim Referendum vor zwei Jahren für den Austritt aus der EU gestimmt. Und auch der Verein selbst ist ein Symbol für die Besinnung auf das Britische.

Im besten Sinne britisch

"Very british": Burnley-Trainer Sean Dyche
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"Very british": Burnley-Trainer Sean Dyche

Trainer Dyche? Ein 47 Jahre alter Engländer mit Glatze und rotem Bart. Die Mannschaft? Besteht fast nur aus Spielern aus England, Schottland, Wales und Irland. Der Spielstil? Geprägt von Leidenschaft und körperlicher Härte. Die Eigentümer? Englische Unternehmer. Das Stadion Turf Moor ist im besten Sinne britisch mit seinen vier unterschiedlichen Tribünen.

Allerdings wäre es zu einfach, den FC Burnley als FC Brexit darzustellen. Denn im vergangenen Herbst kam eine Fan-Umfrage zu dem Ergebnis, dass 63 Prozent der Anhänger des Klubs für den Verbleib in der EU sind. Mehrheitseigner und Klubchef Mike Garlick macht sich mittlerweile für eine zweite Brexit-Abstimmung stark und warnt, dass der EU-Austritt den englischen Vereinen massiv schaden könnte.

In einer Untersuchung zur politischen Einstellung von Fußballfans in England ist Burnley außerdem als einziger Vertreter der Premier League sowohl bei den Klubs mit den meisten eher linken als auch mit den meisten eher rechten Anhängern unter den Top drei. Burnley ist ein Verein voller Widersprüche. Doch wie es aussieht, werden diese Widersprüche nicht mit ins Stadion genommen. "Wir sind alle eine große und glückliche Familie", sagt Burnley-Fan Paolina Mendola, 30 Jahre alt.

Im Moment wird das Glück allerdings getrübt, denn der Start in die Saison ging daneben. Aus den ersten vier Spielen in der Premier League gab es ein Unentschieden und drei Niederlagen, unter anderem ein 2:4 bei Aufsteiger Fulham. Burnley ist Tabellenvorletzter. Die Gründe für die Krise zum Auftakt: der Klub hatte im Sommer zwar keine nennenswerten Abgänge zu verzeichnen, wirklich verstärkt wurde die Mannschaft auch nicht.

"Harte Phase für meine Spieler"

Außerdem ist nur noch wenig zu sehen von der Stabilität in der Abwehr, die in der vergangenen Saison Burnleys Stärke war. Auch die Doppelbelastung mit der Europa-League-Qualifikation dürfte zu den Problemen beigetragen haben. Nach dem vierten Spieltag in der Premier League hat der dünn besetzte Kader schon zehn Pflichtspiele in den Beinen.

Trainer Dyche ist deshalb froh über die Länderspielpause. "Wir haben zuletzt nützliche Erfahrungen gemacht. Aber es war auch eine harte Phase für meine Spieler. Jetzt werden wir neu starten", schnaufte er nach der 0:2-Niederlage gegen Manchester United am vergangenen Wochenende. Und wahrscheinlich ist es für den Neustart ganz gut, dass der Verein im internationalen Geschäft nicht mehr dabei ist.



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