Premier League im TV Was soll die Fernsehpause am Samstagnachmittag?

15.30 Uhr? Für deutsche Fußballfans ein Pflichttermin, für viele vor dem Fernseher. In der Premier League gilt dann: Funkstille. Das Konzept ist absurd - und eine Chance.

Kevin De Bruyne
AFP

Kevin De Bruyne

Von , Manchester


Auch die Premier League, diese moderne, weltweit vermarktete Superliga, kann herrlich rückständig sein. Eines der besten Beispiele dafür ist eine Sendepause zur besten Sendezeit.

Es klingt seltsam, ist aber tatsächlich so: In England dürfen am Samstag zwischen 14.45 und 17.15 Uhr keine Fußballspiele im Fernsehen gezeigt werden. Partien, die um 15 Uhr beginnen (was trotz der voranschreitenden Zersplitterung der Spieltage immer noch einige sind), lassen sich nicht live verfolgen. Der so genannte Drei-Uhr-Blackout wurde in den Sechzigerjahren beschlossen - und mag damals eine gute Idee gewesen sein.

Fans sollten dadurch animiert werden, ins Stadion zu gehen, statt die Spiele im heimischen Wohnzimmer zu schauen. Außerdem wurde befürchtet, dass niemand mehr zum Amateurfußball geht, wenn das ganze Land am Samstagnachmittag vor dem Fernseher sitzt.

Heute? Ist die Regel natürlich Quatsch. Ziemlich sicher würden die Stadien der Premier League nicht veröden, wenn man mit der Fernsehtradition brechen würde. Dafür ist das Produkt Premier League mittlerweile viel zu groß. Außerdem hat sich das Fußball-Publikum in England in zwei Sparten aufgeteilt, in zwei Zielgruppen.

Autoren-Info
  • Verena Knemeyer
    Hendrik Buchheister, Jahrgang 1986, sah seine ersten Fußballspiele im alten Wolfsburger VfL-Stadion. Später - als Journalist - war er für den Fußballnorden zuständig. Nachdem es nicht gelang, den HSV in die zweite Liga zu schreiben, folgte der Wechsel nach England: Er berichtet seit August 2017 aus Manchester über britischen Fußball und hofft weiterhin auf eine Karriere als Torwart.

  • Alle Folgen der Kolumne "Life Goals"

Auf der einen Seite gibt es die Leute, die sich den Stadionbesuch leisten können, auf der anderen die, denen die Tickets zu teuer sind, die ohnehin in der Kneipe oder am eigenen Fernseher Fußball gucken. Und dass einige "Drei-Uhr-Blackout"-Spiele von Teams wie Manchester United in allen Winkeln Asiens zu sehen sind, aber nicht in Manchester selbst, lässt sich mit Argumenten nur schwer vertreten.

Für mich, der mit der Samstagskonferenz der Bundesliga aufgewachsen ist, war es ziemlich ungewöhnlich, dass es um diese Zeit in England keine Übertragungen gibt. Dass die Liga ihren Zuschauern am Samstagnachmittag die Spiele vorenthält, ist genauso sinnvoll wie eine Kneipe, die kein Bier verkauft. So dachte ich zumindest anfangs.

Mittlerweile habe ich mich mit der Eigenart arrangiert. Sehr gut sogar. Ich kann am Samstagnachmittag anderen Beschäftigungen nachgehen, mit denen normale Menschen eben ihren Samstagnachmittag verbringen. Einkaufen, durch die Stadt spazieren, das Badezimmer putzen. Solche Sachen.

Ab zum Amateurfußball

Oder ich kann zu den Amateuren gehen. England verfügt über einen stolzen Reichtum unterklassiger Vereine. An jedem Samstag kann ich aus zehn bis 20 verschiedenen Spielen in mehr oder weniger unmittelbarer Nähe wählen, die um 15 Uhr beginnen. Ich habe den Eindruck, dass Klubs wie Stockport County, Hyde United oder der FC Altricham davon profitieren, dass sie um diese Zeit nicht mit der Übertragung von West Bromwich Albion gegen Watford oder West Ham gegen Stoke um die Zuneigung der Zuschauer konkurrieren müssen.

Viele Spiele sind gut besucht, sie haben ein bisschen etwas von einem Familienausflug. Im Publikum sehe ich oft Fans mit den Trikots der beiden großen Klubs aus Manchester, weil sie entweder vorher beim Spiel von City oder United waren oder hinterher noch ins Stadion gehen. Mein Eindruck ist, dass Profis und Amateure durch die Fernsehpause am Samstagnachmittag friedlich miteinander umgehen.

Natürlich gibt es auch zu dieser Zeit Möglichkeiten, die Spiele der Premier League zu verfolgen. Wenn auch nur mittelbar. Die englischen Sender haben Sendungen, bei denen Experten im Studio sitzen und die Spiele besprechen, ohne dass die Partien zu sehen sind. Die Zwischenstände laufen als Laufband am unteren Bildschirmrand durch das Bild. Vermutlich wissen Moderatoren und Gäste dieser Studio-Shows selbst, wie bescheuert das Konzept ist.

Aber wer die Spiele um 15 Uhr live sehen will, findet irgendwo im Internet einen Stream, auch wenn die Premier League viel Geld ausgibt, um solche illegalen Übertragungen zu verhindern.

In der Neuzeit gibt es genug Möglichkeiten, die herrlich rückständigen Eigenheiten des englischen Fußballs zu umgehen.



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Crom 10.02.2018
1.
Es betrifft leider vornehmlich Fans, die nicht Anhänger der großen Klubs sind, denn die spielen vornehmlich zu den anderen Zeiten.
jumbo747 10.02.2018
2. Es wird Zeit
Beim „FC Altricham“ wird Herr Buchheister nicht viel sehen. Er sollte es einmal mit dem FC Altrincham probieren. Genauigkeit ist die Basis des guten Journalismus. Sicherlich auch bei SPON. Schließlich ist er seit einem halben Jahr in Manchester. Vielleicht klappt es ob der Ungenauigkeiten auch micht mit der Torwart-Karriere?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.