Pressestimmen "Die Scheichs stehlen jetzt auch unseren WM-Sommer"

Der Plan der Fifa, die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar im Winter stattfinden zu lassen, stößt auch im Ausland auf Kritik. Ein Überblick über die internationalen Pressestimmen.

Fifa-Chef Blatter: Wintermärchen in der Kritik
REUTERS

Fifa-Chef Blatter: Wintermärchen in der Kritik


ITALIEN

"Corriere dello Sport": "Die WM zu Weihnachten schockiert den Fußball. Für Katar 2022 gibt es kein Zurück mehr. Diese WM ist über alle Skandale hinweg verteidigt worden. Zu lang hat es gebraucht, bis man begriffen hat, dass man in Katar im Juli nicht Fußball spielen kann. Das einzige Motto ist: Diese WM muss um jeden Preis gerettet werden."

"La Stampa": "Katar 2022: Es ist unmöglich, einen Sinn in einer Revolution zu suchen, die Gewohnheiten und Kalender umkrempeln wird. Die Scheichs stehlen uns jetzt auch unseren WM-Sommer."

"Repubblica": "Eine WM zu Weihnachten, der letzte Wahnsinn des Fußballs! Der Stern Sepp Blatters weist den Weg: Die WM 2022 wird zu Weihnachten kommen. Fest steht, dass es sich um eine klimatisierte WM handeln wird. Umweltfreundliche Technologie wird dafür sorgen, dass die Temperaturen auf dem Spielfeld und auf den Tribünen unter Kontrolle bleiben."

"Corriere della Sera": "WM außerhalb der Sommersaison. Die WM in Katar wird im Herbst bestritten, doch die Probleme, die damit verbunden sind, sind alles andere als gelöst. Die Verschiebung schafft viele neue Probleme."

ENGLAND

"The Sun": "Qatarstrophe?"

"The Guardian": "Der U-Turn der Fifa zu einer Winter-WM in Katar komplettiert das Chaos der Ungereimtheiten. Wenn man denkt, der üble Gestank um die WM 2022 in Katar könnte nicht schlimmer werden, bestätigt die Fifa die völlige Missachtung jeglicher fremder Meinung. Wieder einmal."

"The Times": "Es gibt nur eine Sache, die dümmer ist, als eine Winter-WM in Katar: eine Sommer-WM in Katar. Genau dafür hatte das Fifa-Exekutivkomitee an diesem schicksalhaften Tag im Dezember 2010 votiert. Seitdem war einzig fraglich, wie groß der Schaden sein wird, den diese Entscheidung hervorbringt."

SPANIEN

"AS": "Auch die Uefa unterstützt den Terminvorschlag, obwohl er allen Top-Ligen zuwider läuft. Platini hatte keine andere Wahl: Er hat für Katar gestimmt, obwohl ein interner Bericht davon abgeraten hatte."

NIEDERLANDE

"AD": "Eine Verschiebung in den Winter hat erhebliche Auswirkungen auf den europäischen Spielkalender, auch wenn die niederländische Liga üblicherweise nur eine kurze Winterpause macht. Eine Umstellung ist nicht zu vermeiden."

frz/sid

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insgesamt 8 Beiträge
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willibrand 25.02.2015
1. war alles bekannt
Beckenbauer und Rummenige waren vor Ort, aber haben im klimatischen Hotel und Uhrengeschäft nichts von der Hitze mitbekommen. wegen ein paar tausend Stadienbesucher sollen Millionen Fernsehzuschauer ( die übrigens mit der Fernsehgebühr das Fussball geschäft mitfinanzieren ) zurückstecken. Mein Vorschlag ist diese unsägliche, korrupte WM zu verlegen. am besten nach Russland, die haben mit Olympia gezeigt, dass eine schöne Veranstaltung möglich ist. Nebeneffekt es würden weniger Politiker auf Staatskosten reisen.
dollenschmiere 25.02.2015
2. Welt?
Eine Weltmeisterschaft JA - aber nur nach europäischen Regeln...? Jedes Land/jeder Verband in der FIFA muss auch das Recht haben, sich um eine WM zu bewerben und die dann auch auszutragen. Wenn das zu unbequem ist, kann man es auch bleiben lassen.
xaka 25.02.2015
3. Berwerben ja...
Zitat von dollenschmiereEine Weltmeisterschaft JA - aber nur nach europäischen Regeln...? Jedes Land/jeder Verband in der FIFA muss auch das Recht haben, sich um eine WM zu bewerben und die dann auch auszutragen. Wenn das zu unbequem ist, kann man es auch bleiben lassen.
aber ein automatisches Recht auf Austragung? Wohl eher nicht. Die Vergabe der WM an Katar ist einfach eine blamable Sache für die Fifa. Korruption, Prestige und Macht, koste es was es wolle, das ist der Preis den der Sport bezahlt.
BettyB. 25.02.2015
4. Nun ja...
Mit Gottes Hilfe Heiligabend Weltmeister zu werden, das wäre doch super!!!
Kimmerier 27.02.2015
5. Patriotische Fußballfans gegen eine Islamisierung des Fußballs
Eine Fußball-WM mit einem Endspiel einen Tag vor Heilig Abend - ein Skandal. Nun empören sich viele, welche wohl vor einigen Wochen noch Unverständnis zeigten, als andere Europäer ihre Befürchtungen äusserten, dass der Islam und seine Regeln immer stärker Einfluss auf unser Leben nehmen könnte. Nun - kaum jemand hat etwas gegen eine WM mit spielen zur Zeit des Ramadan; ich erinnere mich aber sehr wohl an die Diskussionen vor dem Spiel Deutschland gegen Algerien während der letzten WM. Der Islam gehört (noch?) nicht zu Deutschland. Aber wir müssen lernen, dass in der Welt nicht nur Christen und Atheisten leben. Wenn wir internationale, weltweite Sportwettbewerbe wünschen und jedem Land auf der Welt das prinzipielle Recht einräumen, einen derartigen Wettbewerb auszurichten, müssen wir flexibler und toleranter werden. Es ist insofern kein Skandal , dass eine Fußball-WM in (unserem) Winter stattfinden soll - es ist nur eine organisatorische und wirtschaftliche Fehlentscheidung unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die meisten und finanzstärksten Fans eben auf der Nordhalbkugel in gemäßigten Breiten leben. Man kann somit der Meinung der Times nur Zustimmen: Es gibt nur eine Sache, die dümmer ist, als eine Winter-WM in Katar: eine Sommer-WM in Katar. Der Skandal ist und bleibt, dass eine Fußball WM nach Qatar vergeben wurde.
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