CL-Duell mit Barcelona: FC Bayern verdrängt Hoeneß-Affäre

Von Christoph Leischwitz, München

Getty Images

Zuversicht, Selbstbewusstsein, Vorfreude: Vor dem Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona demonstriert Bayern München Stärke. Der Club bemüht sich, den Fall Hoeneß komplett auszublenden - und bewirkt damit das Gegenteil.

Markus Hörwick war es kurz nach der Pressekonferenz klar: "Ich habe mich da vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt", sagte der Mediendirektor des FC Bayern München. Fünf Minuten vor Beginn der Fragerunde zum ersten Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona hatte Hörwick noch angekündigt, der Club werde keinerlei Stellungnahmen zum Thema Uli Hoeneß abgeben. Dann sagte er: "Die Uefa hat angekündigt, die Pressekonferenz abzubrechen, wenn es irgendjemand durch die Hintertür versuchen sollte."

Die Nachfrage bei den anwesenden Uefa-Offiziellen wenig später ergab jedoch, dass der Verband die Vorgabe wohl nicht ganz so strikt gehalten hatte. Man habe zum Verein nur gesagt, man wolle, dass "nur der Sport" im Vordergrund steht. Das ist durch die Androhung, eine Pressekonferenz zur Not auch abzubrechen, nicht besonders gut gelungen.

Kurz, ganz kurz, ist ein Hauch von Unsicherheit zu spüren beim FC Bayern, und das ist verständlich. Das wichtigste Heimspiel dieses Jahres fällt zeitlich zusammen mit der Katastrophen-Nachricht dieses Jahres. In einer Zeit, in der jeder glaubte, der FC Bayern könne nur noch Rekorde und positive Schlagzeilen produzieren. Über das unglückliche Timing der Veröffentlichung der Hoeneß-Affäre dürfte sich auch so manch Verantwortlicher des FC Bayern seine Gedanken machen.

Philipp Lahm und Javier Martínez lassen sich all das nicht anmerken. Als sie das Podest betreten, ist alle Verunsicherung verschwunden, es geht tatsächlich nur noch um Fußball. Wenn Lahm redet, kaut Martínez ruhig zuhörend an den Fingernägeln. Wenn Martínez redet, setzt sich Lahm ganz konzentriert die Dolmetscher-Kopfhörer auf. Wenn Hoeneß überhaupt noch etwas mit dieser Pressekonferenz zu tun hat, dann höchstens dies: Die Spieler äußern sich sogar noch ein kleines bisschen selbstbewusster, als sie es sonst tun würden.

Lahm und Martínez demonstrieren Selbstbewusstsein

Es werde ein "Fußballfest", sagt Lahm. Man treffe auf die "beste Mannschaft der vergangenen Jahre". Aber, sagt der Kapitän, man treffe sich diesmal eben auf Augenhöhe, immer wieder betont er das. "Ich glaube wir haben die Spieler, um gegen Barcelona bestehen und ihnen auch wehtun zu können", sagt Lahm.

Das Selbstverständnis der Mannschaft bringt ausgerechnet der Spanier im Team noch besser auf den Punkt: "Wir haben uns nie geschert, gegen welchen Gegner wir spielen, wir wollen unseren Stil durchdrücken", sagt Martínez auf die Frage, worauf man gegen Barcelona besonders achten müsse.

Bisweilen geht es sogar recht amüsant zu bei dieser Pressekonferenz. Lionel Messi hatte am vergangenen Samstag in der Primera División beim 1:0-Erfolg gegen Levante nicht gespielt. Ob Barcelona bezüglich des Einsatzes von Lionel Messi geblufft habe? Lahm überlegt kurz und sagt: "Wir bluffen ja auch mit Bastian. Der war am Samstag auch nicht im Kader", sagt er über Schweinsteiger.

Von den zwei noch offenen Fragen vor diesem Spiel beantwortet Trainer Jupp Heynckes eine. Er glaubt, dass Messi nach seiner Oberschenkelverletzung spielen wird, das habe er den spanischen Medien entnommen. Wer aber für den FC Bayern anstatt des gelbgesperrten Angreifers Mario Mandzukic aufläuft, ließ er noch offen. "Ich werde vorher noch mit beiden Spielern reden", sagt er über Claudio Pizarro und Mario Gomez.

Heynckes sagt auch, dass seine Ansprachen vor dem Spiel und in der Halbzeit sehr wichtig sein werden: "Man muss die Atmosphäre fühlen, riechen, um die richtigen Worte zu finden." Der Trainer strahlt vor dem spanisch-deutschen Duell genauso viel Selbstsicherheit aus wie seine Spieler: "Ich habe eine ganz klare Vorstellung, wie meine Mannschaft zu spielen hat. Und wir werden Lösungen finden, ich bin da recht zuversichtlich."

Zuversicht bei den Bayern, es ist also alles wie immer. Fast.

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Was sollen der FCB/die Spieler denn sonst machen?
divStar 22.04.2013
Sollen sie jetzt aufgeben und alle Spiele absagen nur weil Uli Hoeneß evtl. ein Steuerhinterzieher ist? Leute .. bleibt mal auf dem Teppich ... Kann man das ganze eigentlich noch breiter treten? Meine Güte.
2. Quark
schollinski_8703 22.04.2013
Diese Überschrift ist einfach nur Käse. Man verdrängt nicht das Thema, man konzentriert sich auf das Wesentliche : den Sport. Außerdem, welchen Sinn sollte es ergeben Martínez und Lahm über Höneß zu befragen?!?!?! Uli die Pfeife ist eh bestraft genug, ob nun noch weitere Zahlungen folgen werden oder nicht oder was auch immer.....sein "guter" Ruf als einer der besten Sportmanager der Welt ist eh jetzt im Eimer. Und diesen Bock hat er selbst geschossen.....sehr sehr schade !!! :-(((( Aber um zurück zum Sport zu kommen : auf geht's Bayern, kämpfen und Siegen !!!!!...
3. Das sind Profis
nana22 22.04.2013
Wer nicht zufällig ein Schwarzgeldkonto bei der gleichen Bank wie Hoeness hat, braucht sich keine Sorgen zu machen und kann sich voll aufs Spiel konzentrieren.
4. Gegenteil bewirkt?
dannyg234 22.04.2013
Aus dem Artikel ergibt sich imho nicht, inwiefern der FC Bayern das Gegenteil des Ausblendens der Hoeneß-Sache bewirkt haben soll - wie das im Untertitel behauptet wird. Eine ganz kurze Unsicherheit beim Pressesprecher reicht dafür wohl nicht. Abgesehen davon finde ich es sehr unschön, dass da jetzt Zusammenhänge zum und Einflüsse auf den FCB durch die Presse gesucht und forciert werden - vor einem der wichtigsten Spiele des Jahres auch für den deutschen Fußball! Ein bisschen mehr Solidarität und Einfühlungsvermögen vielleicht?
5. Morgen
romeov 22.04.2013
...steht die Mannschaft auf dem Platz und nicht Uli Hoeneß, sollten die Spieler die Medien Shitstorm-Aktion auch noch kommentieren?
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