Pressestimmen zur Fifa-Wahl "Das ekelhafteste Ergebnis von allen"

Fifa-Präsident Joseph Blatter wurde nach einer turbulenten Woche mit Korruptionsvorwürfen für weitere vier Jahre in seinem Amt bestätigt. Das klare Ergebnis stieß insbesondere in den englischen Medien auf heftige Kritik. Die internationalen Pressestimmen im Überblick.

Im Amt bestätigter Blatter: Heftige Kritik in der europäischen Presse
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Im Amt bestätigter Blatter: Heftige Kritik in der europäischen Presse


SCHWEIZ

Neue Zürcher Zeitung: "Von Götterdämmerung im Fifa-Tempel war die Rede, als Mohamed Bin Hammam seine Kandidatur bekannt gab. Viele glaubten Präsident Joseph Blatter am Ende. Doch der Herausforderer ist weg, der Schweizer Überlebenskünstler hat seine Macht wieder einmal gesichert."

Blick: "Fast schon nach alter Politbüro-Schule ist Sepp Blatter in seinem Amt bestätigt worden. Vier Jahre also bleibt der Kapitän an Bord eines Fifa-Schiffes, das schlingert, ja kurz vor dem Untergang stand."

Basler Zeitung: "Der Weltfußball muss vier weitere Jahre eine unglaubwürdige Fifa-Führung erdulden. Nach der Schlammschlacht um die Wahl des Fifa-Präsidenten hat der Weltfußballverband seine letzte Glaubwürdigkeit verspielt. Die Korruptionsvorwürfe, mit denen sich hochrangige Fifa-Funktionäre gegenseitig eindeckten, machen klar, dass der Augiasstall Fifa endlich ausgemistet werden müsste."

ENGLAND

The Guardian: "Fifa-Chef Blatter zeigt England wer der Boss ist. Korruptionsskandale hatten für Aufregung bei Sponsoren, National-Verbänden und Fans gesorgt. Inmitten einer Atmosphäre von Verärgerung brach der Dachverband alle Barrikaden auf."

The Sun: "Der selbstgefällige Sepp Blatter fährt bei der Präsidentschaftswahl einen absurden Sieg ein. Es war ein Ergebnis, wie man es bei einer Wahl mit einem Kandidaten in einem kommunistischen Staat oder in einer Bananen-Republik erwartet."

Daily Mirror: "Eine Farce, ein Witz, eine Peinlichkeit. Wenn es nicht so ernst wäre, würden wir alle lachen. Der Schweizer war Zeuge, wie sich seine internen Feinde in Luft auflösten. Als Blatter behauptete, dass er Solidarität sowie Geschlossenheit zur Fifa gebracht hätte und verkündete, dass etwas Wunderbares geschehen sei, versteckte der Vogelstrauß wahrhaftig seinen Kopf im Sand. Niemals darf der Fußball zulassen, dass sich die Vorkommnisse der vergangenen Woche wiederholen. Das war ein makabrer Witz - wie die Fifa selbst."

The Daily Mail: "Das ekelhafteste Ergebnis von allen. Blatter war der einzige Kandidat in einer lachhaften Wahl."

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Fifa-Skandal: Warner suspendiert, Blatter entlastet
ITALIEN

Gazzetta dello Sport: "Fußball ist mittlerweile ein Sport mit elf Spielern und am Ende gewinnt immer Blatter."

Corriere dello Sport: "Blatter bleibt der unbestrittene Kaiser der Fifa. Game Over. Der Fußball erlebt wieder einen schwarzen Tag."

Tuttosport: "Blatter schafft die Wiederwahl, wird sich diesmal aber Kompromissen beugen müssen. Besorgniserregend ist der Mangel an glaubwürdigen Alternativen zum Schweizer".

Repubblica: "Skandale und Feinde, Blatter bleibt an der Führung der Fifa. Blatter hat wieder einmal alle Gegner weggefegt, er ist stärker als die Skandale. Seine Diktatur dauert schon 13 Jahre an. Jetzt verspricht er aber radikale Reformen".

SPANIEN

AS: "Fifa-Wahlen mit Polemik. Dicke Luft bei der Wiederwahl von Blatter. England wollte die Wiederwahl von Blatter nach den zahlreichen Skandalen verschieben. Deutschland spricht sich für eine Überprüfung der WM-Vergabe an Katar aus. Der vom Schweizer Joseph S. Blatter angedachte ruhige Akt der Wiederwahl zum Fifa-Präsidenten wurde zum Überlebenskampf."

Marca: "Blatter für eine vierte Amtszeit als Fifa-Präsident wiedergewählt. Nach 13 Jahren an der Macht des mächtigsten Sportverbandes der Welt wurde Blatter erneut zum Präsidenten gesalbt."

El Pais: "Blatter verwandelt gegen England. Der Präsident wird mit 92 Prozent der Stimmen wiedergewählt und verspricht mehr Transparenz bei der Fifa. Joseph Blatter feiert gegen England einen Kantersieg."

ÖSTERREICH

Die Presse: "Der alte ist auch der neue König des Fußball-Weltverbands Fifa: Joseph Blatter ist trotz heftiger Kritik und Korruptionsvorwürfen als Präsident wiedergewählt worden."

Der Kurier: "Englands David Bernstein verlangte angesichts der schwersten Krise in der Geschichte der Fifa eine Verschiebung der Wahl, bis es Gegenkandidaten gibt. Die Mechanismen im System Blatter griffen aber erneut, wie so oft wurde der Protest großer Nationen durch die Armada von Kleinstverbänden weggefegt, die Fifa hat eben nicht zufällig mehr Mitglieder als die Vereinten Nationen."

Zusammengestellt von sid und dpa

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LeisureSuitLenny 02.06.2011
1. Fussball
Zitat von sysopFifa-Präsident Joseph Blatter wurde nach einer turbulenten Woche mit Korruptionsvorwürfen für weitere vier Jahre in seinem Amt bestätigt. Das klare Ergebnis stieß insbesondere in den englischen Medien*auf heftige Kritik. Die internationalen Pressestimmen im Überblick. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,766287,00.html
Sieht man sich das Volk in und um die Stadien an, so ist klar das der Apparat darüber nicht viel besser sein kann. Und so geht alles seinen Gang beim Fussball und jeder bekommt einfach nur was er verdient. Ausser der Presse kümmerts doch auch keinen. Alles ist gut, die Spiele gehen weiter.
Rockker, 02.06.2011
2. ?
Ehrlich zu sagen, verstehe ich die Dauerkritik an Blatter nicht. Gut, daß die Briten auf ihn prügeln, weil sie sauer sind, dass sie die WM nicht bekommen haben, aber wieso die Deutschen, bzw. deutsche Medien. Wenn ich nur gestern abend diesen künstlich aufgeregten, strunzdoofen Steffen Simon in dem Tagesthemen-Kommentar sehe und höre, dann muß ich lachen.. Der Mann nennt uns als schlechtes Beispiel, irgendeinen argentinischen FIFA-Mitglied, der bekommt Paar Hundert Euros für je FIFA-Sitzung und wohnt immer in Fünf-Sterne-Hotels, usw... , hat dickes Gehalt..usw...Ist ja schrecklich! Ohne Simon hätte ich es nie gewusst! Als Dr. Zwanziger, Mayer-Vorfelder und die anderen deutschen Funktionäre nicht das gleiche bekämen, wie der alte Argentinier....Was für dummes Geschwätz. Man kann darüber streiten, warum Katar, ist das lächerlich usw...aber die ganzen Vorwürfe gegen Sepp und FIFA...wegen der angeblichen Korruption.. Fakt ist; Blatter ist bisher nichts nachgewiesn, absolut Null. Seit Jahren wird darüber geredet und geschrien; Korruption!, Maffia! usw...Beweise? Null. Kurz vor der neulichen Sitzung in Zurrüch da wurde aber sowas von getrommelt, da wurde der Skandal des Jahrhunderts angekündigt! Blitz und Donner! Alle Gaunereien von Blatter kommen endlch ans Licht! Und? Was ist passiert? Nichts, Null! Paar eitle FIFA-Funktionäre wie dieser Warner, haben sich mit Blatter angelegt und große Töne gespuckt,...aber wieder Mal Null Beweise. War wohl ein üblicher Machtkampf, so wie es sie unzählige in dert Politik, bei jeder Partei gibt. Aber, die Frage ist eigentlich, was wäre anderes und besser gewesen, wenn Blatter weg wäre und ein anderer Johansson, Beckenbauer, oder wer auch immer an seiner Stelle wäre? Ich glaube nicht dass etwas besser gewesen wäre. Der Fußball an sich, das Spiel hängt sowieso weder von Blatter noch von einem anderen ab. Blatter hat die FIFA kommerzialisiert. So ist es, aber mit jedem anderen Präsident wäre es auch so gewesen, da braucht man keine Illusionen. Ohne die ganzen Großsponsoren ist diese gigantische Veranstaltung heute nicht zu machen. Ich habe den Eindruck, hier zeigt sich die Frust, vor allem, der großen europäischen Fußballnationen, weil Blatter die FIFA wirklich so betrachtet wie sie ist, nämlich weltumfassend, wo auch kleinere Länder ein Wörtchen mitreden dürfen. Dass die großen Euro-Nationen mehr Macht gerne hätten, ist es offensichtlich.
si_tacuisses 02.06.2011
3. in Rom kann man es sehen:
Zitat von LeisureSuitLennySieht man sich das Volk in und um die Stadien an, so ist klar das der Apparat darüber nicht viel besser sein kann. Und so geht alles seinen Gang beim Fussball und jeder bekommt einfach nur was er verdient. Ausser der Presse kümmerts doch auch keinen. Alles ist gut, die Spiele gehen weiter.
die kläglichen Reste des circus maximus, der damals das gleiche leisten musste, wie heute die Bundesliga und Fussball allgemein. Panem et circenses. Nur damit war der Plebs ruhig zu halten.
alocasia 02.06.2011
4. Der passt schon
UCI. IOC, FIFA alles das gleiche korrupte Pack. So verlogen wie der Profisport ist auch seine Führung.
sukowsky, 02.06.2011
5. Blatter ein Meister in Beeinflussung
Was Wunder, Herr Blatter ist über 30 Jahre im Geschäft und hat an allen wichtigen Fifa Entscheidungsstellen gute Schmiernippel angebracht. Er ist ein Meister in Meinungsbeeinflussung. Keiner kann mir sagen er weis nichts von Bestechungen innerhalb der Fifa.
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